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"Angelika Schneider" <anka.sch(at)gmx.net
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Subject: [Brief-aus-Israel] Aktuelles aus
den besetzten Gebieten
Subject: [Brief-aus-Israel] 17.01.05
Aktuelles aus den besetzten Gebieten
Liebe FreundInnen,
meine Korrespondentin, Dorothy Naor von New Profile schreibt die
Tage in
selten verzweifeltem Ton, dass sie einfach nicht mehr in der Lage
ist,
die Nachrichten auf zunehmen:
Heute ist wieder ein trauriger tag in Israel. Ich hab es so leid,
Israeli Beerdigungen im Fernsehen zu sehen, soviele Eltern von
jungen
Männern, so viele Ehefrauen, Mütter, Kinder die um ihre Verluste
trauern. Ich kann es nicht mehr sehen, es ist zu schmerzhaft,
weil es
alles so unnötig ist.
Gier nach land liegt hinter dem töten von Israelis durch
Palästinenser
wie hinter dem töten von Palästinenser durch Israelis. Aber die
palästinensische Gewalt wird weit verbreitet durch die
internationalen
und israelischen Medien. Siedlergewalt gegen Palästinenser wird
selten
berichtet. Habt ihr z.B. gehört dass 9 Palästinenser in der
vergangenen
Woche durch die IOF getötet wurden? Habt ihr von den 7 Kindern
gehört,
von denen Gideon Levy schrieb, die von einem Panzergeschoss
getötet
wurden währen sie auf dem Erdbeerfeld Erdbeeren aßen und sich
freuten
über den ersten Ferientag?
Abu Mazen erklärte heute dass er den angriff gegen Israelis
gestern
abend bedauerte, bemerkte aber dass das töten von 9
Palästinensern in
dieser Wochen den frieden auch nicht bringen wird. Er hat recht.
Auch
die täglichen mitternächtlichen festnahmen (oft von jugendlichen
, deren
Eltern nicht wissen wohin sie gebracht werden, auch nicht der
dauernde
Landraub, das entwurzeln von Olivenbäume, die Zerstörung von
Häusern...
Die neueste üble Absicht der IOF ist, 3000 Wohnungen in Rafah zu
zerstören. DREITAUSEND. Weitere mehr als 30 000 heimatlose
Palästinenser. Die Israelis sagen, dass bringt Sicherheit. Es
bringt
aber keine Sicherheit, es führt dazu, dass die Palästinenser
immer
stärker entschlossen werden, die Besatzung los zu werden.
Was haben wir zu erwarten, wenn die Behandlung der Palästinenser
durch
die IOF immer schlimmer wird. Jetzt zählen auch humanitäre
Vorfälle
nichts. Es war mal so, dass Telefonate zum entsprechenden
Offizier eine
Situation berichtigte. Das geschieht immer seltener.
Zwei fälle,
mit
denen ich in letzter zeit zu tun hatte, zeigen was ich meine.
1. Der erste begann vorigen Donnerstag. Ein Palästinenser bat
mich, zu
helfen, Passierscheine für die einreise nach Israel zu bekommen.
Die
Passierscheine waren für einen Arzttermin für einen Mann in den
40igern
der schwer krank ist, und für seine Schwester, die ihn begleitet.
Der
Termin war für mittwochs den 12 Januar. Ich telefonierte mit dem
militärischen amt dass medizinische fälle bearbeitet und sprach
mit S,
die gleich die Ausweisnummern prüfte und feststellte dass keine
der
Personen als "Sicherheitsrisiko" galt. Rufen Sie am Montag wieder
an,
sagte sie. Ich rief am Sonntag an, um sicher zu gehen dass etwas
passierte. Der vorgesetzte von S, M, sagte dass, das die beiden
"sauber
" waren, sie selber ihre Passierscheine holen mussten. Für sie
bedeutete dass eine Fahrt von etwa 50 km und wahrscheinlich
mehrere
stunden Schlangestehen, und eine zweite fahrt um die Scheine
abzuholen,
da sie nie am gleichen Tag ausgestellt werden. Nicht leicht für
einen
ernsthaft kranken Menschen. Montagabend rief der Patient an, um
zu
sagen dass die Scheine verweigert wurden. Am Dienstag rief ich M
um
Hilfe an. Erst dann erfuhr ich, dass, da der Patient ein
palästinensischer Polizist sei, für eine Einreisebewilligung nach
Israel
ein Brief nötig sei von der palästinensischen Autorität der
bestätigte,
dass der Patient nicht entsprechend in der PA behandelt werden
konnte.
Musste M wirklich bis Dienstag warten, um mir etwas mitzuteilen
dass er
bereits am Sonntag gewusst haben muss? Offensichtlich war ihm der
Fall
unbedeutend. Der Patient und seine Schwester haben den Termin am
mittwochs verpasst weil sie keine Passierscheine hatten.
Die Moral der
Geschichte: wenn du Krebs oder eine andere schwere Krankheit
hast, sieh
zu dass du kein Palästinenser bist!
2. Gestern um 7 Uhr morgens ein SOS
Anruf von mehreren Bauern as
Mas'ha
mit der bitte um Hilfe, damit sie auf ihr Land könnten. Soldaten
hatten
einigen Bauern gestattet, durch das Tor in der mauer zu gehen,
aber
hatten andere abgewiesen mit der Ausrede, dass ihre Passierscheine für
das andere Tor im Dorf sein und nicht für dass wo sie sich
befanden.
ABER, das andere Tor wird nie geöffnet, wie die Soldaten gewusst
haben
müssten. Das 'Bauerntor' ist das einzige, durch das die Bauern
von
Mas'ha auf ihr Land können. Zudem haben die Bauern dieses Tor
benutzt
seitdem die Mauer und Torsystem begann, ihr kommen und gehen zu
kontrollieren. Nach einigen Stunden haben die meisten von den
abgewiesenen aufgegeben und sind nach Hause gegangen. Aber ein Herr,
den ich persönlich kenne, blieb. Er ist in den 50igern oder
60igern
und läuft mit einem DStock. Der Grund, warum er beim Tor blieb
war, dass
sein 6jähriger Enkel auf der anderen Seite des Zauns sei. Das
Kind sei
vorgelaufen als die Soldaten das Tor um 6 Uhr öffneten, in der
Überzeugung, dass sein Großvater folgen würde. Der Großvater,
der
kein Kontakt zu dem Kind hatte, sorgte sich um sein wohl ergehen.
Ich
fing um 7 Uhr an zu telefonieren und erklärte das Problem des
Großvater. Bei meinem zweiten Anruf, etwa 15 Minuten später,
sagte mir
der Diensttuende Soldat dass er ein befehl hatte, nicht mit mir
zu reden
und ich müsste mit dem Armeesprecher sprechen. Einer anderen
Aktivistin
die ihr Glück versuchte erhielt die gleiche Antwort. Mit dem
Sprecher
zu reden ist vergeudete zeit. Stattdessen wand ich mich an die
Zivile
Verwaltung, eine Militäreinheit die angeblich humanitäre Bitten
behandelt. Nach mehreren anrufen über einige Stunden wurde mir
gesagt,
dass die Soldaten nicht vor 11 kommen könnten und dann das Tor
öffnen
würden. Sie kamen aber erst um 1.
Das war nicht das erste mal
dass mir
falsche Information gegeben wurde, um mich loszuwerden. Die IOF
will
zeigen, wer hier das sagen hat
Beide fälle zeigen typisch wie die Besatzung das tägliche leben
bestimmt. Beide zeigen auch dass die "moralischste Armee der
Welt"
weder moralisch noch human ist. Manche Soldaten sollen wirklich
helfen,
aber sie sind nur Körnchen in einem Mechanismus das dieses nicht
will.
Viele von denen, die früher helfen wollten, sind zudem abgehärtet
gegen
die bitten des "Feindes", auch wenn es sich um jemand handelt,
der an
Krebs stirbt, oder ein verkrüppelter alter Großvater oder eine
Frau in
den wehen..
Wenn auch denen die medizinische Behandlung
verweigert
wird, welche Behandlung können junge palästinensische Männer auf
dem Weg
in die Uni von Soldaten am Checkpoint erwarten?
Viele soldaten- wahrscheinlich die meisten - glauben dass sie
wirklich
ihrem Land 'dienen' und es verteidigen. Sie irren natürlich.
Stattdessen dienen sie einer bösen Regierung. Und eher als das
Volk
verteidigen, helfen sie, die Gewalt gegen Israelis zu
intensivieren.
Eine bekannte Journalisten, Dramaturgin und Schriftstellerin,
Manuela
Dviri, schreib über Die mauer am Anfang der Bauarbeiten, "wenn du
Menschen in einen Käfig sperrst, werden sie anfangen, sich wie
Tiere zu
verhalten. ich würde hinzufügen, wenn du Menschen mit dem Rücken
an
eine Mauer treibst, werden sie kämpfen, weil sie nichts zu
verlieren
haben. Die Palästinenser sind im großen und ganzen nicht
gewalttätig.
Aber die Gewalt Israels wird immer mehr von ihnen überzeugen,
dass ihre
einzige Option ist, zurück zu schießen. Dazu werden sie immer
effektivere Gewaltmittel erfinden, um ihre Freiheit zu gewinnen
indem
sie Israels Unterdrückung beenden.
Sicherheit für Israelis? Nicht bis auch die Palästinenser
dasselbe
genießen.
Dorothy
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