Eine junge Frau mit
Kopftuch und einem Baby im Arm stand
gestern hinter einem vergitterten Fenster
und schrie: ‚Holt die Araber hier raus! Wir
wollen sie nicht … sie haben unser Leben
hier zur Hölle gemacht ..’
Die Rollläden der benachbarten Wohnung sind
zerschmettert. Ihre früheren Bewohner, die Familie von Mahmoud Samary, sind
weggegangen; sie sind vorübergehend vor dem Steinhagel auf ihre Wohnung
geflohen. Die junge Frau schreit weiter: ‚Sie sollen weggehen. Die Araber
holen sich unsere Mädchen.’
Es war Samstagnachmittag in der Nr 18 der Burlastraße in
Akko – Teil eines übervölkerten, schändlich vernachlässigten Wohnprojekts,
in dem drei arabische und 29 jüdische Familien in einem einzigen Gebäude
wohnen. Am Eingang des Gebäudes stand eine Gruppe Polizisten herum. Am
Straßenrand stehen PKWs mit zerbrochenen Fenstern.
Es war nicht nur Bosnien, an das ich gestern hier
erinnert wurde. Die Stadt erinnert mich auch an Nablus – Kontrollpunkte an
jeder Ecke, Hunderte von Polizisten unter jedem vertrockneten Baum. Eine
Stadt, die eine Touristenattraktion sein könnte, ist stattdessen eine der
elendsten in Israel. Mein Kollege Jack Khoury, ein israelischer Araber,
sagte, als wir den Stadtteil betraten: „ich hätte nicht geglaubt, dass ich
hier mit so viel Angst und Spannung fahre“.
Ein junger Mann, der in diesem Haus lebt, sagte
aggressiv zu uns: „Wagt nicht die Altstadt zu betreten. Die Araber werden
euch mit Messern töten.“ Er wollte auch, dass wir seinen Stadtteil
verlassen.
Aber die Altstadt – nur wenige Fahrminuten entfernt -
war eine andere Welt: in jenem schönen, aber vernachlässigten Stadtteil, der
gestern nahezu leer war, trauerten die Leute über die Streichung des
Akko-Theaterfestivals - sie sprachen noch immer von Frieden und Koexistenz.
Akko ging auf einmal in Flammen auf. Es war ein
Zusammenstoß zwischen Armen und Armen, Juden und Arabern, angestachelt von
Nationalisten – mit einem religiösen Feiertag als Katalysator, der
gefährlichste aller möglichen Zusammenstöße, der eine Feuersbrunst zu
anzufachen drohte.
Das Feuer war zur Zeit des Berichtes erloschen, aber
gestern Nachmittag sah es so aus, als ob es von neuem ausbrechen könnte.
Junge Männer aus dem Hausprojekt hatten sich verabredet, sich um 7:30 an
diesem Abend zu treffen – Gott weiß warum.
Doch auch wenn das Feuer jetzt gelöscht wurde – so wird
es sich eines Tages wieder entzünden. Diese binationale Stadt sitzt auf
einem Vulkan – einem Vulkan von Nationalismus und Elend, Angst und Hass.
Wenn das Hausprojekt zum spannungsgeladensten Teil der
Stadt gehört, so gehört die Altstadt zum traurigsten Teil, wo die leeren
Hallen ( alte Karawansereien R) das einzige sind, was vom Theaterfestival
blieb, das diese Woche stattfinden sollte.
Die Scheinwerfer sind schon entfernt worden, die
Schauspieler und Theaterdirektoren sind gegangen, die Tische des Cafes auf
dem Rasen bleiben zusammengeklappt. Anstelle eines Festivals bekam Akko
einen Skandal – den Skandal der Stornierung.
Die technische Mannschaft meinte, es sei unerhört, das
bedeutendste Ereignis im Akkojahr nur wegen 100 oder 200 Verrückter zu
streichen. Sie schlugen vor, stattdessen ein Fest der Versöhnung zu feiern
und versprachen, für die Sicherheit der Gäste zu sorgen. ‚Man streitet sich
auch mal mit seiner Frau und geht dann wieder mit ihr ins Bett,’, verglich
einer, Asfari Khalil.
Munir Abu al-Tayir, der Granatapfelsaft verkauft, hatte
den ganzen Tag über nur genau zwei Gläser verkauft. In einer nahen
Felafelbude antwortete ein junger Araber auf jüdische Behauptungen, dass der
Krawall durch einen arabischen Fahrer provoziert worden war, weil er an Yom
Kippur laute Musik hören ließ. Er sagte, dass während des Ramadan die Juden
arabische Gefühle beleidigt und Bier getrunken hätten. Aber es hätte keinen
arabischen Krawall gegeben. Issam Jalem, Barbier, warnte davor, dass ohne
das Festival die ‚Dinge nicht gut gehen werden’.
Allen war klar, dass die voreilige Entscheidung des
Bürgermeisters Shimon Lankri, das Festival ausfallen zu lassen, nur einen
Zweck hat: die Araber zu strafen, die bei dem Festival ihren Lebensunterhalt
verdient hätten.
F., ein arabischer Bewohner der vor allem jüdischen
Kibbutz-Galuyotstraße floh mit seiner Familie. Nun befürchtet er, dass sein
Haus angezündet wird. Salim Majami, ein Stadtrat, denunzierte alle
Extremisten, die jüdischen genau wie die arabischen.
Daoud Halila, Direktor einer non-profit Organisation,
klagte die Polizei an, sie würde die Juden verhätscheln. Der Kommunist Salim
Atrash gibt die Schuld dem „disengagement“, dem Herausholen der Siedler
aus dem Gazastreifen; denn danach wurde eine extremistische Yeshiva in der
Stadt eröffnet, von der die Flammen ( des Hasses) angeheizt wurden.
Atrash zog die Kopie einer Notiz heraus, die im Internet
zirkulierte: ‚Wir werden nichts mehr von Arabern kaufen, wir werden keine
Rücksicht mehr auf ihre Feiertage oder ihre Orte nehmen. Ihr Araber von Akko
sucht einen Platz in den Dörfern!’ Die Notiz war mit einem Epigramm
gezeichnet: ‚Ein Jude ist der Sohn eines Königs, ein Araber ist der Sohn
eines Hundes.’