Amira Hass, Haaretz ,
4.3.09
Die Menge an
finanzieller Hilfe, die der palästinensischen
Behörde von den Geberländern versprochen wurde,
zeigt das Ausmaß ihrer Unterstützung für Israel und
dessen Politik. Der Beitrag der amerikanischen
Steuerzahler an die Ramallah-Regierungsbank
erscheint neben den großen Summen der US-Regierung
klein, die Israel jedes Jahr zufließen. Es ist
unmöglich, sich über das amerikanische Versprechen
von $ 900 Millionen zu erregen – Zwei Drittel davon
zur Stärkung von Salam Fayyads Regierung und den
Rest für Gazas Wiederaufbau) . Man vergesse dabei
die $ 30 Milliarden nicht, die die USA Israel als
Verteidigungshilfe bis 2017 versprochen hat, wie der
Amnesty International-Bericht letzte Woche
feststellte.
Die $ 900
Millionen, die den Palästinensern in Sharm el-Sheich
versprochen wurden, sollten als Teil der regulären
amerikanischen Hilfe an Israel gesehen werden. Als
Besatzungsmacht ist Israel nämlich verpflichtet,
sich um die unter seiner Kontrolle lebende
Bevölkerung zu kümmern. Aber stattdessen schädigt
Israel diese Bevölkerung – und die USA wie andere
Länder beeilen sich, den Schaden zu kompensieren.
Die Clinton-
und Bush-Regierung – und Barack Obama scheint in
ihren Fußstapfen zu wandeln – haben den Begriff
„israelische Besatzung“ aus ihrem Wörterbuch
gestrichen und arbeiten mit Israel zusammen und
ignorieren dessen Verpflichtung, wie es das
Völkerrecht vorschreibt. Die Milliarden, die Israel
von den USA für Waffen und Verteidigung erhält, die
eine bedeutende Rolle bei der Zerstörung des
Gazastreifens spielte – sind ein Teil von Israels
erfolgreicher Propaganda, die die Rafahtunnel und
die Grad-Raketen als strategische Bedrohung und
als einen Teil der islamischen Terroroffensive gegen
fortschrittliche Länder darstellt.
Der Westen hat
die Hamasbewegung völlig unverhältnismäßig
dargestellt, seine militärische Macht hat es bis
zum Punkt von Verlogenheit übertrieben. Dies erlaubt
eine ausgedehnte Belagerung und drei Wochen
israelischer militärischer Unnachgiebigkeit. In der
palästinensischen und in der weitern arabischen Welt
half dies der Hamas, sich selbst als reale
patriotische Kraft darzustellen.
Die hundert
Millionen Euros, die gegeben oder versprochen
worden sind, um dem Gazastreifen zu helfen, als ob
es von einer Naturkatastrophe heimgesucht worden
sei, werden von Handelsbeziehungen zwischen Europa
und Israel überschattet. Die westlichen Länder,
denen humanitäre Hilfe für die Palästinenser am
Herzen liegt, kaufen von Israel auch Waffen und
Verteidigungskenntnisse, die unter Laborbedingungen
der Besatzung entwickelt werden, die ja genau diese
humanitäre Krise erst schafft.
Und die 1
Milliarde Petrodollars? Zunächst mal haben diese
eine natürliche Quelle, und die sollten den
arabischen Völkern zu gute kommen. Zweitens werden
sie bei einer Konferenz versprochen, die den
Gazastreifen boykottiert (weder die Hamas noch
Geschäftsleute oder sozial arbeitende Aktivisten
aus dem Gazastreifen nahmen an der Geberkonferenz
teil). Auf diese Weise unterstützt Saudi Arabien das
Veto der Amerikaner und Israel gegen eine interne
palästinensische Versöhnung.
Jeder an die
Palästinenser gezahlte Cent – ob für das Budget der
Ramallah-Regierung oder für die medizinische
Behandlung von durch israelische Piloten oder
Soldaten -verletzten Kindern - lässt Israel wissen,
dass es mit seinen Bemühungen fortfahren kann, um
die palästinensische Elite zur Kapitulation zu
bringen. Nur wenn man anerkennt, dass diese
Kapitulation das Ziel ist, kann man verstehen, dass
16 Jahre nach Oslo noch immer kein palästinensischer
Staat errichtet wurde. Wann begannen Shimon Peres,
Ariel Sharon und Zipi Livni über „zwei Staaten“ zu
sprechen? Erst nachdem ihre Bulldozer und
Militärbürokraten die realistische und physische
Basis für einen palästinensischen Staat zerstört
hatten. Die Basis dafür wäre das Land innerhalb der
Grenzen des 4. Juni 1967, einschließlich
Ost-Jerusalems, und der Gazastreifen als
untrennbarer Teil des Staates und Null Siedlungen (
und das gilt auch für Gilo und Maale Adumim.)
Während der
90er-Jahre war es noch möglich, solche Geldgaben an
Palästinenser als einen Ausdruck für Vertrauen und
Hoffnung in Israels Bereitschaft zu bezeichnen, sich
selbst vom Besatzungsregime zu befreien, das es
selbst geschaffen hat. 2009 nicht mehr. Diese
Geldgaben sind Unterstützung von Israels Politik.
Allein so kann man die Tatsache verstehen, dass
andere Länder weiter Hunderte von Millionen Dollars
hineinschütten, um die von dieser Politik
angezündeten Feuer zu löschen, ohne die Ursache
dieser Feuer zu beheben.
(dt. Ellen
Rohlfs)
http://www.haaretz.com/hasen/objects/pages/PrintArticleEn.jhtml?itemNo=1068553