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Vorbereitung für die nächste Invasion
 Amira Hass, Haaretz, 15.11.06

 

Das Management des Beit Hanoun –Krankenhauses entschied sich, einen Brunnen im Garten des Krankenhauses zu graben. Am Samstag waren Arbeiter und Bulldozers schon an der Arbeit. So bereitet sich das Krankenhaus für die nächste Invasion der israelischen Armee vor.

 

Das Krankenhaus steht wie ganz Beit Hanun nach den wochenlangen militärischen Angriffen  auf die Stadt mit ihren  43 000 Einwohnern vor großen Problemen bei der Wasserversorgung. In der 3. Nacht der Invasion vertrieb die Armee 300 Leute aus ihren Wohnungen  - wegen einer geplanten Sprengung eines nahen Gebäudes. Alle gingen zum Krankenhaus und schlossen sich den vielen Verletzten an, die schon dort waren. Frauen und Kinder, die am Freitagmorgen auf die Straße gingen, wurden von den Soldaten auch in das kleine Krankenhaus geschickt.

 

Hunderte von Menschen versammelten sich hier erschöpft und voller Angst nach zwei durch- wachten Nächten, dem unaufhörlichen Schießen von den Dächern der eingenommenen Häuser, von dem Lärm der Explosionen und  dem Dröhnen der Panzer und  gepanzerten Militärfahrzeuge, die durch die Straßen rollten, sie aufrissen, die Strommasten umrissen und Wasser- und Abwasserleitungen und Zäune  zerstörten.

 

Normalerweise verbraucht das Krankenhaus 50 000 Liter Wasser am Tag. Während der ganzen Woche der Invasion erhielt das Krankenhaus nur 15 000 l. Die Kinder schrieen vor Durst. Die Eltern waren hilflos und konnten ihr Leiden nicht verringern. Sogar in der Nachbarschaft der Athamma-Familie, die die IDF-Soldaten mit einer Reihe Artilleriegranaten tödlich getroffen hatte, erinnerten sich die Leute mit Schaudern an den Durst.

 

Das Krankenhaus hat noch andere Erfahrungen  gemacht. Der Kühlschrank in seinem Leichenschauhaus hatte nur Platz für 3 Leichen. Es musste ein zweiter Kühlschrank her mit Platz für weitere 6 Leichen. Das Krankenhaus will auch einen Tank für Dieselöl in die Erde vergraben. Der westliche Teil des Krankenhauses war bei der letzten Invasion getroffen worden und brannte. In Zukunft muss alles brennbare Material aus der Reichweite der IDF-Geschosse  entfernt werden. Das Hospital bat auch um ein Budget für Ambulanzwagen mit Vorderradantrieb, weil sie auf den von den Panzern zerstörten Straßen  nur mit Mühe fahren konnten.

 

Man vermutet, dass die israelische Armee ihre Invasionen fortsetzen wird mit Zerstören und dem Schädigen der Infrastruktur – entweder absichtlich oder weil es in der „Natur“ der Panzer liegt – auch mit der Behinderung der Wasser- und Stromversorgung und  mit dem Schießen auf zivile Institutionen. Die Armee wird sich nicht ändern und nicht zurückhalten. Deshalb müssen Vorbereitungen getroffen werden.

 

Wie aber kann man sich vorbereiten auf eine komplizierte, längere, lebensgefährliche Situation, in der Verletzte und Kranke evakuiert werden sollen. Der Krankenhausdirektor Dr. Jamil Suleiman erzählt von einem Mann um die 50, der eine Herzattacke erlitt. Das medizinische Team musste über 2 Stunden warten, bis es vom Militär die Erlaubnis erhielt, ihn zu retten. Der Mann starb.  Der Fall einer in Wehen befindlichen  Frau  dauerte  fünf Stunden. Sie gebar das Kind schließlich  im Ambulanzwagen. Es dauerte 10 Stunden, um einen Mann mit Beinverletzungen mit dem Ambulanzwagen ins Krankenhaus zu bringen. Der Ambulanzwagen stand vor Panzern, die den Weg versperrten.

 

Der sterile, täuschende Ausdruck „IDF-Operation , der gewöhnlich von den israelischen Medien benutzt wurde, verbirgt Tausende von Details des Tötens, der Zerstörung und des Terrors, der von der israelischen KRIEGSmaschine und den Kommandeuren und den Soldaten ausgeführt werden – in Beit Hanun in der vergangenen Woche und bei anderen Angriffen und Invasionen im Laufe der letzten sechs Jahren, die man mit „Operationen“ bezeichnete.

 

Einer von denen, der auf diese Weise verschwanden  ist der vierjährige Bara Fayyad. Soldaten brachen in seine „Wohnung“ ein, die aus Blech, Mörtel und Asbest bestand  und zerstörten sie mit Sprengstoff. Die Hütte wurde mitsamt dem Inhalt durch die Explosion zerstört. Überall in Beit Hanun sieht man Kinder, wie sie sich ängstlich an ihre Eltern klammern. Bara und seine Geschwister klammerten sich am Freitag in der Morgendämmerung auch an die Eltern, als diese nach draußen gingen, um sich vor dem Morgengebet in einem Wasserloch die Hände zu waschen. Eine von einem Hubschrauber abgefeuerte Granate oder einer Drone  fiel in den Hof und hinterließ ein großes Loch. Bara wurde dabei getötet.

 

Unter den Verschwundenen ist auch Abu Bassam, 52, und seine beiden Söhne. Alle drei wurden verletzt, als eine israelische Grantat auf ihrem Haus landete und dies schlimm beschädigte. Abu Bassem wurde dann noch einmal von einem Scharfschützen ins Bein verletzt, als er ins Nachbarhaus wollte …

 

Wenigsten vier Zivilisten wurden angeschossen und zweimal von Soldaten verletzt. Sie kommen gar nicht erst ins Bewusstsein der israelischen Öffentlichkeit, wie z.B. Mazen Kafrana, einer von den Tausenden von Männern, die aus ihren Wohnungen getrieben, verhaftet, kurz verhört und entlassen werden. Mazen wurde am Erez-Kontrollpunkt entlassen und ging nach Hause. Die Gegend stand unter Ausgangssperre. Also erschossen sie ihn.

 

25 Häuser waren in den Medien auch nicht vorhanden. Sie waren vollkommen zerstört worden, während 400 andere beschädigt wurden, einige so schlimm, dass man sie nur noch einreißen kann. Man sagt, dass ein Zehntel der 4500 Wohngebäude der Stadt beschädigt seien. Das Beit Hanuner  Gemeindebüro schätzt die Kosten der Schäden auf über 14.5 Mill.$ zusätzlich zu den Schäden von der Juli-Invasion von 6 Millionen.

 

Die israelische Öffentlichkeit hat nicht den Wunsch, darüber etwas zu erfahren. Und die Medien „haben keinen Platz“. Die Hierarchie der Editoren streichen kritische Informationen über die Armee und tatsächlich auch über die israelische Gesellschaft – einer Gesellschaft, die  ständig zerstörerische Fähigkeiten entwickelt, und ihre etwa Zwanzigjährigen hinausschickt, damit sie Leben, Städte und die Zukunft zerstören.

 

(Dt. Ellen Rohlfs)

 

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