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Demokratie gemäß Prof. Reichmann

 Da Israel seine Tore  für jeden geschlossen hält, der nicht mit unserer offiziellen Linie übereinstimmt, werden wir immer mehr wie Nordkorea.

 Gideon Levy

 

Am Ende werden wir nur noch mit Prof. Uriel Reichmann bleiben. Nachdem wir Prof. Noam Chomsky weggeschickt haben und es keinen scharfen Tadel von israelischen Akademikern gab ( die mit ihrem Schweigen einen Boykott der Bir Zeit- Universität unterstützen) werden wir mit einer  engstirnigen, beängstigenden intellektuellen Welt zurückgelassen. Es wird die Art intellektueller Welt sein, die vom Interdisziplinären Zentrum Herzlia – einer Institution der Armeeoffiziere und der Reichen - gestaltet wird und deren Präsident Reichman ist.

 

Ein Rechtsprofessor –  nach eigener Einstellung sicher  fortschrittlich – ein vormaliger Kandidat als Bildungsminister,sagt Reichman, er unterstütze die Menschenrechtsgruppe B’tselem nicht. Das ist  natürlich sein gutes Recht; unser Recht ist es, festzustellen, dass an der Spitze eines bedeutenden israelischen Kollegs ein Mann steht, der  nichts von Demokratie versteht.

 

Schließlich was tut denn B’tselem? Es sammelt zuverlässige Zeugenaussagen über Sünden der IDF – nur wenige wenn überhaupt  erwiesen sich als falsch. Reichman unterstützt dies also nicht. In der Welt gemäß Reichman bleiben uns nur die Statements des IDF-Sprechers. Wir sollen glauben, dass kein weißer Phosphor im Gazastreifen  angewandt wurde, dass die „Nachbar-Prozedur“ (Menschliches Schutzschild) vom Mieterkomitee ausgeübt wird, und wenn sie eine Familie anrufen und ihr fünf Minuten Zeit geben, um das Haus zu verlassen, bevor das Haus bombardiert wird, dann ist das eine Tat „der moralischsten Armee der Welt“.

 

Studenten des Interdisziplinären Zentrums sagen, sie hätten ihren Präsidenten sagen hören, dass B’tselem eine „fünfte Kolonne“ sei und dass es eine Schande sei, dass diese Gruppe einen Platz am Demokratietag der Schule erhalte. Reichman leugnet dies, und wir respektieren sein Wort. Auf jeden Fall sagt die Sprecherin des Kollegs, dass die Art und Weise, wie B’tselem arbeite, für Reichman nicht akzeptabel ist. Was ist dann für Reichman akzeptabel? Eine Gesellschaft ohne Selbstkritik. Ist dies dann Israels intellektuelle Elite?  Dies sind unsere Intellektuellen – ohne B’tselem.

 

Ein Kollegpräsident und Rechtsprofessor, der  predigt, dass das Wahlsystem  verändert werden muss und eine israelische Verfassung begünstigt – einer, der seinen Studenten nicht die Bedeutung von Menschenrechtsorganisationen erklärt – ist nicht fortschrittlicher als die Leiter von Yeshivas, in denen die Hauptfächer nicht unterrichtet werden. Er ist sogar noch gefährlicher.

 

Aber der Mann des Intellekts aus Herzlia ruft gegen die Yeshivaleiter auf. „Alle Statistiken zeigen, dass wir am Rand einer Katastrophe stehen und wir auf dem Weg sind, ein Dritte-Welt-Land zu werden, wenn sich in der Haredi-Gemeinde nicht etwas ändert,“ sagt Reichman, während er eine Petition unterstützt, in der es um den Unterricht in den Hauptfächern geht. Aber die Hauptsache müsste Unterricht über Demokratie sein – noch vor Mathematik und Englisch.

Und diese Dinge – so kommt heraus – lehren sie auch  in Reichmans Yeshiva nicht, wo selbst der Demokratietag ein Tag ist, um andere zum Schweigen zu bringen. Wenn Mathe nicht an Yeshivas gelehrt wird, werden wir wenig verlieren. Ohne ernsthafte Bürgerkunde im Interdisziplinären Zentrum, das behauptet, die nächste Generation unserer Führer auszubilden, werden wir eine Generation  bekommen, die keine Ahnung von Demokratie hat – im Sinne von Reichman. Dies ist die wirkliche Katastrophe an unserer Türschwelle.

 

Universitäten  überall auf der Welt dienen als Machtquelle für Demokratie und  Dozenten - nicht nur so berühmt wie Chomsky - sind oft die wesentlichen Vorbilder des Liberalismus für unsere Studenten. Es ist nicht zufällig, dass an „Reichmans Kolleg“ - wie es genannt wird - die Stimme politischen Engagements niemals gehört wurde. Nun weiß man, warum. Diese mag behaupten sie sei interdisziplinär, aber ein Gebiet fehlt. Wenn Reichman einen Blick in seine Geschichtsbücher werfen würde, dann kann er über Menschen und Bewegungen lesen, die für Menschenrechte kämpften . Die Gründer von B’tselem sind sicher mit auf dieser Liste. Vielleicht wird dies auch eines Tages im Interdisziplinären Zentrum gelehrt werden – nach Reichmans Zeit.

Wenn Othniel Schneider vorschlägt, dass ein intellektueller Riese wie Chomsky „versucht, über einen der Tunnel ( zu kommen) die Gaza mit Ägypten verbinden,“ können wir nur lachen. Keiner erwartet von Schneller, dass er weiß, wer dieser Mann ist. Aber der Ministerpräsident  - da gegen Schneller – weiß sehr wohl, wer der bewunderte Dozent von MIT ist und wo er studierte. Er weiß, dass der Kern von Chomskys Kritik gegen die USA gerichtet ist und nicht gegen Israel.

 

Wenn sich der Ministerpräsident  nicht sofort entschuldigt und Chomsky ins Land einlädt, können wir nur traurig sein. Wenn Israel seine Tore vor jedem schließt, der nicht auf der Linie unserer offiziellen Position liegt, dann werden wir sehr schnell Nordkorea ähnlich. Wenn die Parteien vom rechten Flügel ihre Zahl von anti-demokratischen  Gesetzesentwürfen vergrößern und wenn von allen Seiten der Ruf kommt, gewisse Gruppen für illegal zu erklären, dann müssen wir uns natürlich Sorgen machen. Aber wenn dies alles in Schweigen gehüllt wird, und wenn sogar Akademiker zunehmend mit gefährlichen und dunklen Ansichten wie die von Reichman übereinstimmen, dann ist die Situation  anscheinend  schon weit jenseits zum Verzweifeln.

 

(dt. Ellen Rohlfs)

 

 

 

 


Kenneth Lewan
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