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Texte von Shraga Elam

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MOMA
Redaktionsgespräch 6.2000

 Welche Fakten, welche Geschichte?
Interpretationen oder Ausklammerungen?

Der zweite Bericht der Bergier-Kommission wurde im Dezember 1999 in den Medien unterschiedlich aufge­nommen. Der "Tages-Anzeiger" lob­te die differenzierende Argumenta­tion und den sachlichen Ton und die Fülle von Zitaten und übernahm zen­trale, für die damaligen Behörden sehr belastende Argumente des Berichts, unter anderem, dass die Schweiz Flüchtlingspolitik aus anti­semitischen Gründen betrieb. Die NZZ sprach vom dunkelsten Kapitel der schweizerischen Weltkriegsge­schichte, das der Bericht aufgreife, aber auch von einer verpassten Chance, weil der Bericht viel edito­rische, wissenschaftliche und politi­sche Angriffsfläche biete. Es wurde auch auf die Politik des Schweizeri­schen Israelitischen Gemeindebun­des SIG hingewiesen, der im Bericht "nicht ganz in Übereinstimmung mit der Quellenlage" vom Vorwurf exkulpiert worden sei, je eine Verschär­fung der Asylpolitik verlangt zu haben. Die Beurteilungen gehen auseinander, Fakten und Meinungen vermischen sich in der Diskussion zu schwer entwirrbaren Diskurs­knäueln. MOMA dokumentiert eini­ge Punkte dieser Diskussion.*

In Zeitungsberichten hat der Historiker Urs Rauber "brisante Akten zur Schweizer Asylpolitik" geöffnet. Er kritisierte die Poli­tik des Schweizerischen Israeliti­schen Gemeindebundes vor und wahrend des Zweiten Weltkrie­ges. In der "Jüdischen Rund­schau " hat Jacques Picard diese Behauptungen zurückgewiesen. Shraga Elam betrachtet dies als Tabuisierung jüdischer Themen und wirft u.a. der Bergier-Kommission eine unredliche Haltung und Vertuschungsmanöver vor.1

Jaques Picard: Die Rolle jüdischer Organisation hat seit den 1950er-Jahren eine eigene, breite For­schungsliteratur hervorgebracht -auch für die Schweiz, wie mehrere Publikationen von inner- und aus-serhalb des Landes zeigen. Von einer Tabuisierung kann nicht die Rede sein. Generell muss unter­schieden werden zwischen jüdi­schen Organisationen, die im NS-Machtbereich unter Zwang handel­ten, denen, die im alliierten Raum sowie in neutralen Staaten agierten, sowie schliesslich der Situation der Juden in der Sowjetunion. Bereits vor und dann im Gefolge von Hannah Arendts Eichmann-Buch von 1962 kam es zu einer bemerkens­werten Intensivierung, diese Fragen für den NS-Machtraum zu klären, was sich in zahlreichen Publikatio­nen verschiedensten Zuschnittes niederschlug.2 Intensiv Forschung betrieben wurde in den USA und in Israel, dann auch in Frankreich und weiteren europäischen Ländern. Von Interesse ist, dass es vornehm­lich Juden waren, die diese Unter­suchungen leisteten. So wird viel­leicht verständlich, dass sich viele Darstellungen über jüdische Reprä­sentanten   im   NS-Machtbereich zunächst zwischen dem Vorwurf der Passivität oder der Betonung eines jüdischen Widerstandes oder der Ver­wendung der problematischen Kate­gorie "Kollaboration" bewegten. Der Hang, dabei mythenbildende Anord­nungen mittels Versatzstücken oder Verengungen der gewählten Perspek­tive zu produzieren, ist inwischen einer kontextualisierenden Interpreta­tion der zahlreichen Fakten gewichen.

Shraga Elam: Ich möchte meine Vorwürfe belegen, die weder mit Emotionalität noch mit Identitätsu­che meinerseits, sondern mit einer anständigen und sauberen Forschung zu tun haben. Im Bergier-Bericht steht nun folgendes: Am 18. August 1938 kamen zwei jüdische Funk­tionäre zum Polizeichef Heinrich Rothmund wegen einer Einreisesper­re gegenüber jüdischen Flücht­lingen. Ein paar Sätze weiter wird dies dann so kommentiert, dass die Sitzungsprotokolle des SIG zeigten, dass der SIG sich nie für die Sper­rung der Einreise aussprach, sondern alle Möglichkeiten ausschöpfte, um in den jüdischen Gemeinden Geld zu sammeln. Diese Aussage steht im krassen Widerspruch zu den zahlrei­chen SIG-Protokollen, die deutlich belegen, dass zentrale Funktionäre in Entscheidungsgremien   wiederholt für eine Einreisesperre plädierten. Ein Beispiel dafür ist im vertrauli­chen Protokoll des Geschäfts­ausschusses (13.12.1938) zu finden:

"Bund und Kantone sind verant­wortlich, dass trotz allen Vorschrif­ten neuerdings soviele Flüchtlinge eingereist sind. [...]. Die Behörden müssen helfen [...], gegenüber Deutschland sollten sie auch mehr Widerstand zeigen bezüglich der illegalen Einreise [...] Zufolge der Schweiz. Neutralität kann die grosse Anzahl von Flüchtlingen in poli­tischer Hinsicht nicht ganz als ungefährlich betrachtet werden. [...]

Durch die Anwesenheit so vieler unbemittelter und illegal eingerei­ster Flüchtlinge erschwert sich die Einreise unserer eigenen Verwand­ten ganz ausserordentlich. [...]

Bereits werden auch Vorwürfe an die Flüchtlingshilfe gerichtet, dass diese illegalen Einreisen unterstützt, was unserseits mit allem Nachdruck bestritten werden muss."

Am 18.12.1938 warnte E. Hüttner an einer Sitzung des Central-Comités des SIG davor, "die Forderung nach Schliessung der Grenze zu stellen. Dies muss den Behörden überlassen bleiben, die übrigens Massnahmen ergriffen haben."

Und von der Sitzung vom 16. Februar 1939 wird protokolliert:

"Wir konnten die Behörden nicht daran hindern, Flüchtlinge einzulas­sen. Aber es sind dreimal so viele, als man anfänglich gerechnet hatte. Die Ausreisen sind ungenügend. (...) Nur wenn das Flüchtlingspro­blem in Ordnung gelöst werden kann, ist der Bestand der Gemeinden und jüd. Institutionen in der Schweiz gesi­chert. Wenn die Liquidation nicht rasch genug und nicht umfassend erfolgen kann, bleibt ein neues jüdi­sches Proletariat zurück, das die künf­tige Entwicklung hemmen wird."

Diese Zitate bedeuten aber nicht, den "Juden" die Schuld an ihrem Unglück zu geben. Denn es handelt sich nicht um "die Juden", sondern wie gesagt um einige Funktionäre, um Probleme, die wir in ihrem sozialen, kulturellen und politischen Kontext betrachten und analysieren müssen. Man kann auch die schwei­zerische  Flüchtlingspolitik,  vor allem jene von Rothmund, nicht verstehen, wenn man nicht seine besonderen Beziehungen zu Saly Mayer, dem Präsidenten der SIG, genau untersucht. Werden solche Sachverhalte in einem Bericht wissentlich ausgeklammert, betrachte ich das als verfälschend.

Picard: Üblich ist, bei Zitaten aus Quellen deren Stellenwert zu be­stimmen, den Zusammenhang dar­zulegen und eine nachvollziehbare Einordnung in das Ereignisgesche­hen zu liefern. Aus einzelnen Voten und Stimmen in Protokollen spre­chen jeweils situationsgebundene Lageeinschätzungen,  Befürchtun­gen, Optionen zu Problemlösungen, Zukunftserwartungen - und das sollte nicht mit der Wirklichkeit als Ganzes gleichgesetzt werden. Macht und Ohnmacht bei den führenden jüdischen Köpfen liegen auf einer anderen Ebene. Ein Beispiel: Die Schweizer Juden kooperierten im Rahmen des Hilfswerkskartells, das heisst der Schweizerischen Flücht­lingshilfe, eng mit den Behörden, was auch zu erheblicher Informalisierung zwang. In einem entschei­denden Moment, 1942, verweigerte das Kartell mit 16 gegen 2 Stim­men aller angeschlossenen Organi­sationen den Antrag der Schweizer Juden, in Bern gegen flüchtlingspo­litische Massnahmen zu protestie­ren. Darin dokumentieren sich die Machtverhältnisse und das in poli­tischen Fragen enge Solidaritätspotenzial der Hilfswerke gegenüber den Juden klar. Die Frage für mich ist deshalb nicht, warum der SIG nicht offen protestierte, sondern ob er in einer gegebenen Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt die richtige Taktik wählte, die zu Ergebnissen führen konnte. Dabei kann man durchaus zu unterschiedlichen Inter­pretationen kommen, die etwas über die Erkenntnisinteressen und die Prä­ferenzen der Interpreten aussagen. Es handelt sich zuerst nicht um eine Frage der "Ausblendung", sondern um die Frage, welches Deutungsan­gebot man nachträglich liefern will, wenn man die Fakten in eine Anord­nung und in einen breiteren Zusam­menhang bringt. Zu den wichtigsten Faktoren für die Deutung zähle ich den Umstand, dass den Hilfswerken und Flüchtlingen durch die Behörden Bedingungen auferlegt wurden: Tran­sitgebot, Arbeitsmarktverbot, Finan­zierungsgarantien.

Die Strategie der Schweizer Juden lief seit 1938 daraufhin, zu bezahlen und unter den rund 4000 erwerbstätigen Juden der Schweiz die nötigen Millionen einzutreiben, um das Tor offenzuhalten. Saly Mayer führte Rothmund beim American Jewish Joint Distribution Committee (kurz: Joint) ein, das die Zeichen der Zeit erkannt hatte. In der Folge übernahmen Joint und SIG von 1938 bis weit nach dem Krieg zwei Drittel der Kosten.

Aus jüdischer Perspektive boten zudem die Schweiz und Europa keine Bleibe, sondern bloss ein Nachtasyl. Man war sich 1938 relativ einig, voll auf das Transmigrationsprinzip zu setzen und beteiligte sich intensiv an Siedlungsprojekten, beispielsweise in San Domingo, die sich schliesslich als illusionär erweisen mussten. Inner­halb der jüdischen Gemeinschaft exi­stierten zu dieser Politik unterschied­liche Positionen, die sich nur zum Teil längerfristigen Gebundenheiten zuordnen lassen, etwa zwischen West- und Ostjuden, Linken und Rechten, Zionisten, Bundisten (vgl. dazu in dieser Nummer S. 22) und kleinbürgerlichen Schichten.  Das allein erklärt aber nicht das Dilemma der politischen Konstellation ange­sichts der NS-Machtpolitik, indem hier zwischen einer Taktik des prag­matischen Niedrigprofils oder einem kantigen Auftreten gegenüber Bern gewählt werden musste.

Elam: Es gibt auch innerhalb der Bergier-Kommission kritische Stim­men. So wirft deren wissenschaftli­cher Mitarbeiter Thomas Busset in der Zeitung "Le Temps" vom 12. April der Kommission sogar vor, ihre Behandlung des Themas werde die Problematik um den SIG für Jahre einer Diskussion entheben. Ich teile diese Ansicht nicht. Aber der Sach­verhalt verlangt eine seriöse Aus­einandersetzung mit dem Thema und allen seinen Facetten. Die wurde nicht geleistet. Zu Stefan Mächlers Einschätzung**, der Bund habe damals die Notlage der Juden instrumentalisiert und ausgebeutet:

Es ist sicher gefährlich, mit heuti­gen Massstäben an die damaligen Fragen heranzugehen. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es beim Entscheid, die Schweizer Juden mussten das Geld für die Flüchtlin­ge selber aufbringen, keinerlei Möglichkeit gab, dagegen kritisch an die Öffentlichkeit zu treten. Es gibt Protokolle, die belegen, dass es kritische Stimmen gab. Ich zitiere eine Aussage von Nationalrat David Farbstein, der an einer Sitzung am 13.12.1942 festhielt: "Kritik an der Tätigkeit des C.C. [Central-Comité] und Präsidenten ist eine Mizwah; denn 'man soll dem Nächsten die Wahrheit sagen'. Als im Au­gust/September die Protestanten, Jungkatholiken, Liberalkonservati­ven, Demokraten und Sozialdemo­kraten sich über die Ausschaffung jüdischer Flüchtlinge empörten, schwieg das C.C. Es ist nicht rich­tig, dass die Zensur eine Erklärung nicht geduldet hätte. Der Sprechen­de trat als einziger Jude öffentlich gegen die Behandlung der Flücht­linge auf. Er gibt Stellen aus dem betreffenden Zeitungsartikel be­kannt. Die Zensur nahm an demsel­ben keinen Anstoss. Das Schweigen des C.C. in dieser Stunde war be­mühend. Es hätte eventuell einen Rabbiner mit der Ausarbeitung einer Erklärung beauftragen sollen. Man wagt nicht, als Jude aufzutreten und verlässt sich auf die Intervention der Nichtjuden." Im September 1942 kritisierte in einer Nationalratsde­batte Herr Rittmeyer, dass die jüdi­schen Organisationen und Schwei­zer Juden sich aus Egoismus, d.h. aus Angst vor der eventuellen Zu­nahme des Judenhasses nicht an die Öffentlichkeit wenden wollten. Die­se Diskussion gab es und man darf sie nicht ausklammern. Das verzerrt die Tatsachen. Sie entheben im Übrigen die Schweizer Behörden in keiner Weise ihrer Verantwortung.

Picard: Hier wird ausgeblendet, dass bereits viel früher, etwa in der Israelitischen Cultus-Gemeinde ICZ, die Fetzen flogen. In der For­schungsliteratur ist das eindringlich dargelegt worden. Ebenso bekannt sind die Risse, die im Eigenverständnis der Juden nicht erst im September 1942 einsetzten, sondern bereits 1936 angesichts der antisemi­tischen Einbürgerungspraxis sicht­bar wurden, sich dann in der "Ordre Public"-Affäre von 1941 fortsetzten, bis sie 1942 wegen der Grenzsper­re kulminierten. Zur Frage des Pro­testes ist es wichtig festzuhalten, dass sich Widerstand sehr wohl formiert hat, sich aber nicht öffent­lich äussern wollte und auch nicht konnte. Auf der Ebene der jüdischen Gemeinden, Vereine und Hilfsak­tionen manifestierte er sich zuneh­mend in klandestinen Aktionen ent­lang des Juras von Genf über Biel bis Basel. Das ist in der For­schungsliteratur des In- und Aus­landes belegt. Der SIG deklarierte nach aussen, sich in Rettungsfragen auf das Schicksal von Kindern zu fokussieren. Das musste in der Pra­xis unter der Hand vor sich gehen. Das gilt durchaus auch für die sozialistischen und  christlichen Hilfswerke und Netzwerke. Keine dieser Gruppen konnte sich heroisch in die Brust werfen und zu Proto­koll geben, man mache jetzt auf Widerstand. Auch diese Fakten sind bekannt. Der zuvor erwähnte frei­sinnige Nationalrat Ludwig Ritt­meyer ist übrigens ein exzellentes Beispiel, da er in seiner Funktion als Offizier der Heerespolizei diszi­pliniert wurde - die Flüchtlinge, die er in die Schweiz aufnehmen woll­te, wurden ausgeschaftt, nur um ein Exempel statuieren zu können.

Elam: Wenn alles auf den Tisch

kommt, dann ist es eine Frage der Interpretation. Im Bergier-Bericht werden aber Fakten ausgeklammert. An diesen Bericht stellt man den Anspruch, dass er eine Referenz sein soll. Er propagiert sich auch so. Ich sehe darin aber wenig Systematik. Es handelt sich um eine eher zufällige Ansammlung von Themen. Die Fest­stellung, es hätte in den Behörden Judenfeindlichkeit gegeben, ist an sich auch nicht neu. Ich betrachte es als notwendig, den Diskurs auch über die Rolle verschiedener jüdischer Organisationen zu führen.

Lang: Was hatten denn Juden zu ver­gegenwärtigen, wenn sie öffentlich protestierten? Ich könnte das Beispiel des Sozialdemokraten Valentin Gitermann aus dem Jahre 1944 nennen. Weil er im Rahmen einer National­ratsdebatte für die Aufhebung des Kommunistenverbots plädiert hatte, wurde er vom "Vaterland" wegen sei­ner ostjüdischen Herkunft fertigge­macht. So stellte ihn das "konserva­tive Zentralorgan" am 27. Juni auf dem Titelblatt dar als einen "aus dem Osten stammenden Neoschweizer", der "dem Bundesrat Belehrungen über Schweizerfreiheit, schweizeri­schen Geist, schweizerische Tradition usw. erteilen" wolle.

Zu den Beiträgen von Rauber und Mächler: Sie zeigen grundsätz­lich verschiedene Positionen. Mäch­ler geht mit den Quellen viel sorg­fältiger um, er bettet sie viel besser ins Umfeld ein. Ich verstand seinen Artikel nicht so, dass es für die Juden keine Freiheit gab. Mächler sagt, dass durch den Verzicht auf öffentliche Opposition und die ver­trauliche Kooperation mit den Behör­den SIG und VSIA "Opfer der poli­tischen Gesetzmässigkeit wurden, wonach eine minoritäre Gruppe, die nicht öffentlich auftritt, im Bewusstsein der Öffentlichkeit nicht existiert und keinen Einfluss ausübt. Die Behörden wurden so zum wichtigsten und - neben dem Dachverband der Hilfswerke - einzigen Gegenüber der Gemeindebund-Leitung". Der Artikel lässt also durchaus die Frage zu, ob sie nicht gescheiter einen anderen Weg gewählt hätten.

Anmerkungen

1) Jacques Picard: "Es entspricht einer tra­dierten Praxis, eine Mitschuld der Juden an der schweizerischen Flüchtlingspolitik und -praxis zu konstruieren. Auf diese Weise werden Juden zu 'Tätern' an ihren eigenen 'Opfern', indessen sich 'die Schweiz' als Zuschauerin' generieren kann. Solche Geschichtspolitiken sind nicht auf die Schweiz beschränkt, sie finden sich auch andernorts, wenn es um Shoa oder Natio­nalsozialismus geht. Tendenz dieser bekann­ten Stereotypien: Die 'Juden' sind selber schuld an ihrem Unglück." "Jüdische Rund­schau", 16. 3.2000.

Shraga Elam: "Abgesehen von den eher sel­tenen Ausnahmen wird durch die starke Tabuisierung versucht, einen sachlichen Umgang mit den dunklen Flecken auf bestimmten jüdischen Westen zu verhindern. [...] Durch den Versuch, eine legitime und normale Kritik abzublocken, entsteht der übertriebene Eindruck einer Manipulation aller jüdischen Themen, die dann zu einem totalen Verlust an Glaubwürdigkeit führen kann." "Berner Zeitung", l. 4. 2000

2) Isaia Trunk: "Judenrat". The Jewish Councii in Eastern Europe underNazi Occu-pation. New York: Macmillan 1972 (dieses Buch ist eine englische Übersetzung aus den in jiddischer Sprache erschienenen For­schungen dieses Autors der 1950er- und 60er-Jahre). Auch ein wichtiger Autor die­ser Zeit: Philip Friedman, der in Polnisch und Jiddisch publizierte. Für die 1960er-und 70er-Jahre existieren rund 250 Titel.

* Zeitungsartikel zur Debatte:

Hintergrund der Auseinandersetzung um die Mitverantwortung jüdischer Organisa­tionen ist eine Artikelserie über den J-


 

Stempel im "Beobachter" der 1950er Jahre und erneut von 1998 (vgl. dazu die Bespre­chung von Kurt Seifert in dieser Ausgabe S. 34). Seither ist eine Vielzahl von Arti­keln zur Debatte erschienen. Ein ausge­wählter Überblick:

10. September 1998, "Weltwoche": "Kein Tabu nach Auschwitz. Eine historische Einordnung" von Prof. Georg Kreis; 11. Dezember 1999, "NZZ": "Schatten des Zweiten Weltkriegs. Eine verpasste Chan­ce" von M. Frenkel; 12. Dezember 1999, "SonntagsZeitung": "Dunkle Seite ausge­klammert. Schweizer Juden fürchteten sich vor neuem Proletariat" von Shraga Elam;

11. Januar 2000, "NZZ": Leserbrief von Shraga Elam: "Mängel des Bergier-Berichts"; 75. März 2000, "NZZ": "Von der Kooperation zum Widerstand. Der Schweizerische Israelitische Gemeinde­bund und die Flüchtlingspolitik von 1938 bis 1942". von Urs Rauber; 15. März 2000, "Beobachter": "Zweiter Weltkrieg: Brisan­te Akten zur Schweizer Asylpolitik" von Urs Rauber,, zu finden mit weiterführen­den Links unter http://www.beobachter.ch /aktuell/0006//pict/bpJstempel.html. Ant­worten auf Rauber erschienen in der näch­sten Ausgabe des "Beobachters" von Madeleine Dreyfus ("Ressentiments wer­den wach"), Alfred Cattani ("Lang ver­drängtes Tabu") und Heinz Roschewski ("Quellen falsch interpretiert"). Zu finden unter   http://www.beobachter.ch/aktuell/ 0007/bpJstempel.html; 16. März 2000, "Jüdische Rundschau": "Absolute Fakten, Relativität der Geschichtsschreibung. Ge­schichte / Essay - Überlegungen einer Jüdin nach der Lektüre des Bergier-Berichtes,. von Hannah Zweig. Zu finden mit weiterführen­den Beiträgen unter http://juedische.rund-schau.ch; l April 2000, "NZZ": "Die Amerikanisierung des Holocaust. Ein pro-vokatives Buch des US-Historikers Peter Novick"; **77. April 2000, "NZZ": "Die Rationalität von Macht und Ohnmacht. Wie die Schweizer Juden durch die Büro­kratie des Bundes missbraucht wurden" von Stefan Mächler. Er legt dar, dass am 18. August 1938 Saly Mayer dem Central-Comite (CC) mitgeteilt hat: "Man steht unter einer schweren Verantwortung. Falls nicht die nötigen Garantien für die Durch­haltung der Flüchtlinge gegeben werden können (....), macht man behördlicherseits alle Vorbehalte für zu treffende Massnah-men und lehnt man jede Verantwortung für die Folgen ab (...). Um bei niemandem Zwei­fel aufkommen zu lassen, besteht die Instruktion, ausdrücklich mitzuteilen, dass sämtliche illegal Anwesenden als letzte Folge eines allfalligen Vcrsagens des Juden­tums an die Grenze gestellt werden. Was das bedeutet, braucht nicht in Worte gekleidet zu werden"; 20. April 2000, "NZZ": "Öffent­liches und Unbekanntes um Verfolgte. Anmerkungen zum Flüchtlingsbegriff der Kommission Bergier", von Paul Stauffer.

Die hier aufgeführten Beiträge der "NZZ" sowie weitere Artikel zum Thema sin zu fin­den unter: http:/ www.nzz. online/online/ 02_dossiers/schatten/schatten.htm.

 

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