Cfd-Blatt
Nr. 408 1995
Alte Aufgabe, neue Rolle
Wirtschaftliche Entwicklung statt politische
Parolen
Shraga Elam
Nach dem Oslo-Abkommen wurde mit
politischen Parolen operiert, statt eine realistische
Entwicklungspolitik für
die vernachlässigte palästinensische Wirtschaft zu erarbeiten. Im
Wirtschaftsbereich liegt jedoch der Schlüssel für alle anderen
Entwicklungen in Palästina, deshalb muss ihm endlich die verdiente
Priorität zukommen. Nach dem Scheitern der Weltbankpolitik liegt
die Chance vor allem in der Förderung von Kleinbetrieben und
Kooperativen, die unter den bestehenden Produktionsbedingungen und
ohne
grosse
Investitionen für den Export produzieren.
Politische Prozesse reflektieren
bekanntlich die jeweiligen Machtverhältnisse und nicht irgendwelche
abstrakten moralischen Ansprüche. Das Oslo-Abkommen wurde auf einem
Tiefpunkt der palästinensischen Geschichte geschlossen. Aufgrund
dieser Krise war aus Sicht der israelischen Regierung die Zeit reif
für ein Abkommen mit der PLO. PLO-Chef Yasser Arafat und mit ihm der
grössere Teil des
israelischen Friedenslagers sowie der westlichen Medien wollten -
und wollen teilweise noch - in dieser Entwicklung einen
Friedensprozess sehen, der die Errichtung eines unabhängigen
palästinensischen Staates zum Ziel hat. Dabei hat die israelische
Regierung dieses Ziel nie angestrebt und vermeidet es bis heute,
diesbezüglich klare Aussagen zu machen. Für sie gibt es keinen
Grund, die palästinensische Schwäche nicht auszunutzen. Eine neue
Version der Clausewitzschen Formel wurde geschrieben: «Frieden ist
die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.»
Verharren in der Symbolik
Diese politischen Rahmenbedingungen
haben sich im Laufe der letzten zwei Jahre kaum verändert. Die
Palästinenserinnen wussten ihre politische Position gegenüber den
Israelis nicht zu stärken, sie sind im Gegenteil noch schwächer
geworden, was nicht zuletzt mit internen strukturellen Problemen zu
tun hat. Anstatt sich zumindest auf eine realistische ökonomische
Entwicklungspolitik zu konzentrieren, wurde mit Parolen und
symbolischen Akten operiert. Hinzu kommt das erstaunlich
grosse
und grundsätzliche palästinensische Unverständnis der israelischen
Politik.
Erstaunlich deshalb, weil mittlerweile
sehr viele Palästinenserinnen die hebräische Sprache sehr gut
beherrschen und die israelische Kultur deshalb kennen sollten.
Die Tragweite dieses Unverständnisses
kann mit dem folgenden Beispiel deutlich gemacht werden: Seit der
grossen Abriegelung der
besetzten Gebiete während dem zweiten Golfkrieg zeichneten sich
deutlich israelische Tendenzen ab, sich aus der Abhängigkeit von
palästinensischen Tagelöhnerinnen zu befreien, mit anderen Worten,
auf die palästinensischen Arbeitskräfte weitgehend zu verzichten.
Aber sogar als die periodischen Abriegelungen zunahmen, wurde` auf
der palästinensischen Seite nicht einmal ein
sogenannter Schubladen-Plan für
den Fall einer totalen Abkoppelung entwickelt.
Kein Gewicht für
Israel
Der israelische Wirtschaftsprofessor
Ephraim
Kleiman
schreibt: «Welches sind die israelischen Grundannahmen, auf denen
das (wirtschaftliche) Pariser Abkommen basiert? Die erste Annahme
ist, dass aus der Sicht der gesamten israelischen Wirtschaft (im
Unterschied zu einzelnen Firmen oder einzelnen Branchen) die
Wirtschaft der Besetzten Gebiete, also die palästinensische
Wirtschaft, mehr oder weniger marginal ist. Diese Annahme wurde
nicht nur von der breiten palästinensischen Bevölkerung nicht
akzeptiert, auch viele ihrer Unterhändler an den Verhandlungen in
Paris glaubten nicht daran. Lange Zeit herrschte in der
palästinensischen Öffentlichkeit die Meinung vor, wirtschaftliche
Beziehungen mit den Besetzten Gebieten seien für die israelische
Wirtschaft sehr wichtig und ohne die Arbeit der Palästinenserinnen
und ohne den «gefangenen Markt», den diese Gebiete für den
israelischen Export bieten, würde die israelische Wirtschaft
zusammenbrechen (eine zentrale Annahme der Intifada, se). Die
israelische öffentliche Debatte tendierte dazu, diesen Glauben noch
zu verstärken...»' Gemäss einem anderen bedeutenden israelischen
Ökonomen,. Ezra
Sadan,
machten die Besetzten Gebiete leicht ersetzbare zwei bis drei
Prozent des israelischen Bruttosozialproduktes aus. Umgekehrt lagen
je nach Region bis zu 50 Prozent der palästinensischen
Einnahmequellen, die kurzfristig nicht ersetzbar sind, in Israel.
Die zweite Annahme von
Kleiman
ist nicht so eindeutig und widerspruchsfrei, sie lautet: «Israel hat
ein Interesse am ökonomischen Wohlstand in den Gebieten der
palästinensischen Autonomie.» Hier sind Tendenzen zu beobachten, die
dieser Annahme sogar widersprechen. Die israelische Regierung führt
einen regelrechten Wirtschaftskrieg, um weitere palästinensische
Konzessionen zu erzwingen und die palästinensische Autonomiebehörde
mit zunehmendem Erfolg dazu zu bringen, jeglichen Widerstand zur
Abkommenspolitik militärisch zu unterdrücken. Daneben bemüht sich
die israelische Regierung auch um einen «goldenen Mittelweg»: Die
palästinensische Wirtschaft soll selbständig genug werden, um die
eigenen Verwaltungskosten finanzieren zu können, nicht aber die
israelischen Wirtschaftsinteressen zu verletzen.
Korruption und
Resignation
Zu den externen Gründen für die
palästinensische Misere kommen interne, die noch schwerer wiegen.
Private und strukturelle Korruption und Resignation gedeihen an
allen Ecken und Enden. Eine realistische Entwicklungspolitik und die
dafür geeigneten Strukturen wurden bis jetzt nicht entwickelt. Die
palästinensische Führung versucht vergeblich, in einer
Kriegssituation mit einer Mischung aus Kapitalismus und Feudalismus
eine Lösung zu finden. Dies im Unterschied zur zionistischen
Bewegung der vorstaatlichen Phase, die - im Dienste des nationalen
Aufbaus - mit Hilfe von ausländischem Kapital geschickt ein
sozialistisches Modell zu entwickeln wusste. Als eine
kapitalistische Unternehmung wäre der Zionismus nicht realisierbar
gewesen. Heute, da diese Notwendigkeit nicht mehr besteht, kann sich
in Israel der Neoliberalismus durchsetzen.
Gescheiterte
Weltbankpolitik
Die Wirtschaftspolitik der Weltbank, die
Arafat weitgehend akzeptierte, hat sich als Fehlschlag erwiesen. Die
Weltbank sammelte von verschiedenen Geberstaaten mit Mühe und Not
2,4 Mrd. Dollar für infrastrukturelle Investitionen. Im Frühjahr
1993 wurde in Israel eine Studie publiziert (finanziert durch die
Edmond Hammer
Foundation),
wonach 15 Mrd. Dollar nötig wären, um in den Besetzten Gebieten 50
Prozent der israelischen Infrastruktur zu errichten. Der Anspruch
der Weltbank, in einer sehr instabilen Lage mit bedeutend weniger
Geld ein günstiges Investitionsklima für Privatunternehmer zu
schaffen, kann nicht ernst genommen werden. So wird weiter von einem
High-Tech-Paradies des Nahen Ostens in Gaza geträumt, während die
ganz
wenigen neuen Unternehmen ihre
Arbeiterschaft noch viel schlechter entlöhnen als israelische
Arbeitgeber.
Die palästinensische Journalistin
Suha
Aref war erstaunt, als sie von
Frauen im Gazastreifen erfuhr, dass sie lieber für die jüdischen
Siedler in der Landwirtschaft arbeiten als für palästinensische
Arbeitgeber. Um dies besser zu verstehen,
liess sie
sich unter falschem Namen in einem
Nähatelier in
Han-Yunes
anstellen. Die Arbeit war sehr streng, sie arbeitete täglich während
zehn Stunden - und dies für fünf Shekel
(damals etwa Fr. 2.50). Der gesetzliche Minimal-Tageslohn in Israel
beträgt 60 Shekel.
Die Gewerkschaften weisen die Schuld für
diese Zustände der israelischen Besatzung zu. Die
Frauenorganisationen reagieren selbstkritischer:
«Wir haben als Frauenbewegung versagt.
Man hat uns zum Kampf gegen die Besatzung mobilisiert und die ganze
Zeit gesagt, die Lösung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Probleme müsse bis nach der Befreiung warten.» Eine 56jährige
Arbeiterin sagt: «Ich bin nicht bereit, in den Fabriken im
Gazastreifen zu arbeiten.
Wieviel
werden mir die Araber schon zahlen? - im besten Fall zehn
Shekel
im Tag. Bei den Siedlern erhalte ich 35
Shekel und erst noch einen Korb
voll Gemüse...» (aus der israelischen Tageszeitung Ha'aretz,
17.6.1994). Das Einkommensniveau in der Westbank ist zwar höher,
aber im wesentlichen
ist die Situation nicht viel besser. Als Resultat des Golfkriegs
und des Oslo-Abkommens haben sehr viele Palästinenserinnen ihre
Arbeitsplätze in Israel verloren.' In manchen Ortschaften ist eine
Arbeitslosigkeit von über 50 Prozent zu beobachten. Es wurden sehr
wenige alternative Arbeitsplätze geschaffen, und die bestehenden
sind noch schlechter bezahlt als diejenigen bei israelischen
Arbeitgebern. Was wir hier haben ist ein klassisches
postkolonialistisches Modell abzüglich
die wichtigen Staatssymbole.
Aber so widersprüchlich es auch klingen
mag: In dieser Situation stecken Möglichkeiten für eine Veränderung:
Wer hier eine praktikable und fassbare Verbesserung des
Lebensstandards anbieten kann, kann auch eine ganz andere Stimmung,
ja sogar eine neue politische Situation erzeugen. Als Träger dieser
Entwicklung eignen sich theoretisch die basisorientierten
Bewegungen, denn nur eine sozial gerechte Perspektive kann für mehr
als eine dünne Schicht etwas Positives versprechen. Bei den meisten
bestehenden palästinensischen und ausländischen Nichtregierungs- und
Regierungsorganisationen wäre allerdings ein Umdenken nötig, bevor
diese Aufgabe realisiert werden kann.
Neue Prioritätenliste
Gefordert ist eine andere
Prioritätenliste, auf der der wirtschaftlichen Entwicklung der
allererste Rang zukommen muss. Die politische Arbeit und die
Informationsarbeit sollen nicht wie bisher an erster Stelle stehen,
gefolgt von karitativer Arbeit (aus der Sicht der ausländischen
Organisationen ist jeweils die Reihenfolge umgekehrt). Irgendwann,
mit relativ wenigen menschlichen und finanziellen Ressourcen, folgt
dann noch die wirtschaftliche Entwicklung. Jahrelang versteckten
sich die Verantwortlichen hinter der Begründung, dass die Israelis
diese Prioritätenliste praktisch diktierten. In Tat und Wahrheit
aber reagieren die Israelis noch empfindlicher auf ein
palästinensisches Informationszentrum oder auf eine
Menschenrechtsorganisation als auf eine gut funk
tionierende
wirtschaftliche Organisation. Seit dem Golfkrieg haben die Israelis
selbst verschiedene. Erleichterungen im wirtschaftlichen
Bereich eingeführt. Sie waren, entgegen der früheren strikten
Ablehnung, sogar bereit, ausgewanderte Palästinenserinnen
zurückkehren zu lassen unter der Bedingung, dass sie einen gewissen
Betrag investieren würden.
Als die PLO noch über reichliche
finanzielle Mittel verfügte, lautete die offizielle Politik: Zuerst
kommt die politische Befreiung, erst dann folgt der wirtschaftliche
Aufbau. Eigentlich steckte dahinter die Angst der PLO-Führung, dass
ein eigenständiger Produktionsbereich die Selbständigkeit der
Menschen in den Besetzten Gebieten auch gegenüber den Direktiven
aus dem PLO-Hauptquartier in 'Ilanis
erhöhen würde. Selbst als sich die finanzielle Situation der PLO
verschlechterte, gab es in dieser Politik selbstverständlich keine
Änderung.
Neue Orientierung
Die ausländischen unterstützenden
Organisationen folgen dieser Prioritätenordnung. Nach dem
Oslo-Abkommen sagte der Verantwortliche für die Palästina-Hilfe in
der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (DEH),
Hans Schellenberg: «Die Schweiz trug zwar in bescheidenem Masse dazu
bei, die Symptome der katastrophalen wirtschaftlichen Situation in
den Besetzten Gebieten zu lindern. Sie konnte aber nichts an den
Ursachen dieser Situation ändern. Nur der Aufbau einer eigenen
Infrastruktur und die Schaffung von Arbeitsplätzen in
Landwirtschaft, Handwerk und Industrie werden den Palästinensern
eine Perspektive geben und sie langfristig von ausländischer Hilfe
unabhängig machen.» Ziel der DEH sei es nun, so Schellenberg, «die
bisherige humanitäre Hilfe durch eine echte
Entwicklungszusammenarbeit zu ergänzen» (Tages-Anzeiger 17.9.1993).
Dieses Versprechen wurde bis heute nicht eingelöst. Die
Geberorganisationen verstecken sich hinter der Begründung, dass es
an geeigneten Projekten und Strukturen fehle. Was die Strukturen
der palästinensischen Basisorganisationen anbelangt, trifft dieser
Vorwurf zwar einen empfindlichen Schwachpunkt, aber als
Entschuldigung genügt er nicht. Im Gegenteil: Er zeigt deutlich
auf, wie wichtig aktivere Hilfe und Unterstützung von
aussen
gerade bei der Entwicklung von geeigneten Strukturen wäre. Die
Weltbank hat dies grundsätzlich realisiert. Aber die Projekte, die
sie unterstützt, sollen in erster Linie die wirtschaftlichen
Interessen der Geberstaaten befriedigen.
Dass die berühmte Intifada viel zu wenig
gut funktionierende Organisationen
hinterliess, zeigt sich
heute deutlich. Die meisten Organisationen gehören politischen
Parteien an, dementsprechend stehen politische Ziele im
Vordergrund. Keine Organisation schaffte es, eine echte
Basisorganisation zu werden. Die Zahl der Freiwilligen geht konstant
zurück und ist heute vernachlässigbar. Durch die starke politische
Einbindung der Organisationen ist ihre Zusammenarbeit nur sehr
schwer möglich. Hinzu kommt die private und strukturelle
Korruption. Diese Situation
offenzulegen liegt nicht im
Interesse mancher ausländischer Organisationen. Sie meiden einen
problemorientierten Ansatz, weil sie - wie in Jerusalem zu hören ist
- von der aktuellen Situation profitieren und das Verschwinden des
«Palästina-Problems» befürchten.
Export fördern
Eigene Erfahrungen mit der DEH und auch
mit Hilfswerken
liessen
keine wesentliche Änderung der bisherigen Unterstützungs-Praxis und
keine
grössere
Offenheit gegenüber Projekten im produktiven Bereich erkennen, wie
ein 1991 initiiertes Olivenöl-Projekt zeigte. Mit einfachen Mitteln
und ohne grosse
Investitionen konnten meine palästinensischen Partner aus der
landwirtschaftlichen Organisation Union of
Agricultural
Working
Committees
UAWC und ich beweisen, dass es möglich wäre, den Nachfrage-Boom für
Olivenöl in den industrialisierten Ländern für die wirtschaftliche
Entwicklung der Palästinenserinnen zu nutzen. Leider bekam das
Projekt weder bei der UAWC noch bei den unterstützenden
Organisationen - dazu gehörte auch der
cfd - das notwendige Gewicht. Die
administrativen Schwächen und Zielsetzungen, die
ausserhalb
des Spektrums des Projektes lagen, verunmöglichten es, das Potential
des Projektes auszuschöpfen. Das Öl wird zwar weiter produziert,
aber nur in sehr kleinen Mengen. Eine Perspektive für den
wichtigsten palästinensischen produktiven Wirtschaftszweig bietet
das Projekt in dieser beschränkten Form nicht an. Aus den
Erfahrungen, die im Rahmen dieses Projektes gesammelt wurden, will
der palästinensisch-israelisch-schweizerische Verein
PalästinaAufbau-Projekte
PAPS die notwendigen Lehren ziehen: Menschen aus der Konfliktregion,
die in der Schweiz wohnen, sollen als Brücke zwischen den Kulturen
dienen, und zwar nicht nur im ideellen Sinn, sondern indem sie ihre
Kenntnisse für die wirtschaftliche Entwicklung einsetzen. Für das
Salaam/Shalom-Projekt
werden Produkte für die Herstellung und den Vertreib ausgesucht, die
unter den bestehenden Bedingungen produziert werden können und die
keine grossen
infrastrukturellen Investitionen benötigen. Diese Produkte müssen
für den Export bestimmt sein, damit sie den Ausfall verschiedener
externer Einnahmequellen kompensieren können.
Geeignet sind Produkte, für die bereits
eine Nachfrage besteht oder die eine Marktlücke füllen. Eine
ausgewiesene wachsende Nachfrage besteht in den industrialisierten
Ländern nach
Ethno-Food
- wenn möglich hausgemacht, umweltgerecht und sozial und politisch
gerecht hergestellt. Diese Bedingungen sind bei der
heimindustriellen Verarbeitung von Lebensmitteln und andern
Produkten erfüllt. Hohe Qualitätsstandards der Produktion und ein
effizientes und zuverlässiges Management für Vertrieb und Verkauf
sind technisch
bewältigbare
Aufgaben. Durch dezentrale Produktionsweise und effiziente
Verwaltung kann das Projekt schnell und kontrolliert ausgebaut
werden.
Mit der Produktion von eingemachtem
Gemüse durch palästinensische Frauen nach traditioneller Art und dem
Verkauf in der Schweiz sollen gute Arbeitsplätze für die
palästinensische Bevölkerung geschaffen werden. Ziele sind
ausserdem,
die Stellung der Frauen in der heimindustriellen Produktion zu
stärken, die bäuerliche Produktionsweise aufzuwerten, die Schaffung
von Produktionsgemeinschaften zu fördern und die Entwicklung einer
konkreten jüdisch-arabischen Zusammenarbeit zu ermöglichen, die auf
Gleichberechtigung beruht. Nicht zuletzt ergäbe sich eine konkrete
Unterstützungsmöglichkeit für Menschen in den Industrieländern.
∎
Shraga Elam ist israelischer
Friedensaktivist und Initiant des Vereins Palästina-
Aufbau-Projekte PAP. Er wohnt in Zürich.
1. Ephraim
Kleiman, A Propos the Israel-PLO
Economic Agreement, in The [Israeli] Economic Quarterly,
Anno 41, No. 4, December 1994, S. 678
(Heb.). 2 Vor der Intifada
arbeiteten 180 000 Palästinenserinnen aus den Besetzten Gebieten in
Israel. Nach dem Golfkrieg reduzierte sich die Zahl auf rund 100 000
und nach der grossen
Abriegelung von April 1993 sank sie auf 65 000. Heute
sind es zwischen den
zahlreichen Abriegelungen höchsten 45 000 Arbeiterinnen, wobei die
Tendenz weiter abnehmend ist. 3 Der Verein PAP wurde im Frühling
1993 gegründet. Er unterstützt und fördert Projekte von
basisorientierten Organisationen in den von Israel seit 1967
besetzten Gebieten, die dem Aufbau einer selbstständigen Wirtschaft
in Palästina dienen. Die palästinensisch-israelisch-schweizerische
Zusammenarbeit bietet angesichts der turbulenten politischen
Umstände nicht nur technische Vorteile, sie hat auch
Modellcharakter.