Kommentar 2 des
Monats Januar 2010
von Evelyn
Hecht-Galinski,
Publizistin
Peres
will deutsche Juden
von der
Schattenseite
befreien
Fassungslos las ich
am Samstag das
Interview mit
Schimon Peres in der
FAZ. Als
Abonnentin dieser
„liberalen“ Zeitung
empfinde ich es
beschämend, diesen
israelischen
Präsidenten so
ungebremst seine
Propagandalügen
(neudeutsch PR)
verbreiten zu
lassen.
Die beiden
Interviewer – davon
K.D. Frankenberger
extra nach Jerusalem
geflogen und der
Israel Korrespondent
der F.A.Z. H.C.
Rößler – verpassten
die Gelegenheit die
richtigen Fragen zu
stellen.
Lassen
Sie mich also kurz
das Interview
mit Ihnen gemeinsam
durchgehen.
Erste Frage:
Natürlich Iran und
Nuklear Bewaffnung.
Antwort: Die
Bedrohung, die von
Iran ausgeht –
natürlich für die
ganze Welt, weil sie
den Mittleren und
Nahen Osten
dominieren, den
Libanon erschüttern,
mit Syrien und der
Hamas
zusammenarbeiten und
ihren religiös
verbrämten
Imperialismus bis
nach Lateinamerika
tragen.
Die Wahrheit ist: Im
Gegensatz zum Iran,
der über keine
Atomwaffen verfügt,
besitzt Israel
bereits Atomwaffen.
Das müsste gerade
der „Vater“ der
Atombombe wissen.
Nicht der Iran
bedroht unsere
Sicherheit, sondern
Israel alle Staaten
im Nahen Osten und
stößt weltweit seine
Drohungen gegen
nicht genehme Regime
aus. Peres spricht
von der Bedrohung
der religiösen
Fanatiker. Sind
nicht heute im
jüdischen Staat die
religiösen Fanatiker
die größte Gefahr?
Danach verlangt er
Wirtschaftssanktionen
gegen den Iran. Mit
welcher Begründung
eigentlich? Besetzt,
unterdrückt und
drangsaliert der
Iran ein anderes
Volk? Hat der Iran
ein Volk seines
Landes beraubt und
enteignet?
Dann bezeichnet
sich Peres als
Anhänger einer
ethischen
Außenpolitik.
Was meint er damit?
Etwa Israel als
Menschenrechts
verletzender und
kriegerischer Staat,
der ganze
Landstriche mit
seinen „ethischen
Waffen“ verseucht
hat?
Dann geht er auf
Carter ein, der
den Russen auf einer
Konferenz das Thema
Menschenrechte
vorhielt, denen das
sehr peinlich war.
Denen war es im
Gegensatz zu Israel
wenigstens peinlich!
Dann geht er wieder
auf den Iran und die
UN Charta ein, die
Iran als Mitglied
missachtet. Ja, wer
missachtet denn fast
jeden UN Beschluss
und lässt die
Schutzmacht USA
ständig Vetos
einlegen? Nur
Israel!
Noch verlogener
wird es, wenn er
fordert sich an
„Werten“ zu
orientieren –
nur die Wirtschaft
und Armeen reichen
nicht – nein, die
Welt muss moralisch
ihre Stimme erheben.
Richtig! – Die Welt
muss moralisch die
Stimme erheben gegen
die Besatzungsmacht
Israel. Er hat
recht: Das ist nicht
nur die Aufgabe von
Regierungen oder
internationalen
Organisationen.
Sondern die Stimme
des Weltgewissens
muss laut und
deutlich zu hören
sein. Wie wahr, wie
wahr!
Dann kommt er auf
die besonderen
Beziehungen zwischen
Deutschland und
Israel, die mehr auf
Werten als auf
Interessen bestehen.
Welche Werte sind?
Die Werte der
Unterdrückung und
Besatzung? Nein, es
sind die Interessen
der Waffen- und
Wirtschaftslobby.
Sehr interessant ist
es, wie er Kanzlerin
Merkel diesen
moralischen Aspekt
der aktuellen Themen
erklären wird.
Dann kommt er auf
den Holocaust
Gedenktag und seine
Rede vor dem
Bundestag und
zitiert ausgerechnet
Ben Gurion, derselbe
Ben Gurion, der
seinem Sohn schon in
den 30er Jahren
schrieb, die beste
Gelegenheit um
Palästina jüdischer
und weniger arabisch
zu machen, seien
Kriege. Das haben er
und der jüdische
Staat bis heute
bewiesen. Und wie
sagt Peres: Wer eine
neue Zukunft bauen
will, darf die
Vergangenheit nicht
vergessen. Deshalb
wird den
Palästinensern auch
die Erinnerung an
die Nakba verboten.
Dann kommt er auf
deutsche
Waffenlieferung an
Israel und sein
gutes Verhältnis zu
Strauß zu sprechen,
dessen er sich
natürlich nicht
schämt. Dem ist
nichts hinzuzufügen.
Aber dass er stolz
darauf ist, dass
Israel konservative
Parteien
unterstützte, um
Israel zur
Selbstverteidigung
beizustehen, spricht
schon wieder für
sich.
Dann kommt er
wieder auf Public
Relations (=
Propagandalüge).
Nein, sein
Holocaustgedenken
soll „ausgewogen“
sein, ohne
irgendjemanden
Freude zu machen.
Dieses Interview und
der bevorstehende
Besuch lassen schon
keine Freude
aufkommen!
Dann macht ihn
eine Umfrage in
Deutschland besorgt,
nämlich dass viele
Deutsche Israel für
gefährlicher halten
als Iran. Wenn
es denn so ist,
hätte die Arbeit der
Friedensaktivisten
Früchte getragen und
sollten fortgesetzt
werden bis Israel
zur Vernunft kommt.
Peres spricht uns
voll aus dem Herzen,
wenn er jede Regung
von Rassismus,
Antisemitismus,
Gewalt und
Missachtung der
Menschenrechte auf
der ganzen Welt
bekämpfen will. Wo
immer das geschieht,
sollten wir uns
sofort dagegen
erheben und nicht
die Fehler der
Vergangenheit
wiederholen. Genau
das sage ich seit
vielen Jahren:
Gerade aufgrund
unserer
Vergangenheit haben
wir die
Verpflichtung nicht
wegzusehen, wenn die
„einzige Demokratie“
im Nahen Osten dies
alles eklatant
verletzt. Im
Gegensatz zum hoch
bewaffneten Israel
muss man heute den
wehrlosen
Palästinensern
beistehen.
Schließlich kommt
er auf das
deutsch-israelische
Zukunftsforum zu
sprechen - eine
neue Idee der
wissenschaftlich
begleiteten Israel
Propaganda, um
Deutschland auch
zukünftig für
Israels einseitige
Interessen bei der
Stange zu halten.
Das unterstreicht
wieder den
besonderen Charakter
der Beziehungen im
Unterschied zu allen
anderen
internationalen
Beziehungen. Damit
übt Israel wieder
den moralischen
Druck aus, was außer
in Deutschland nicht
mehr möglich ist.
Klar, dass das in
der jüngeren
deutschen
Bevölkerung nicht
mehr so gut ankommt.
In dasselbe Raster
passt die neue
gesponserte Reise
der Bundeszentrale
für Politische
Bildung im Mai mit
verbilligten
Propagandareisen für
Journalisten und
Politiker nach
Israel – als
Geburtstagsgeschenk.
Der größte Skandal
verbirgt sich aber
in der Antwort auf
die Frage 13
(Welchen Platz sehen
Sie für die jüdische
Gemeinde in
Deutschland? Einer
Ihrer Vorgänger,
Ezer Weizmann,
forderte während
eines Besuchs in
Deutschland die
Juden auf, nach
Israel zu kommen.)
Antwort: Der beste
Ort für Juden ist
Israel. Er ist
besser als jeder
andere Ort; das gilt
auch für
Deutschland. In
Israel können Juden
sich selbst
ausdrücken, ihre
Tradition fortsetzen
und an ihre
Vergangenheit
anknüpfen. In Israel
haben sie ihren
eigenen Staat, der
Juden einlädt zu
kommen. Heute sind
sie eingeladen, Teil
eines Landes zu
werden, das viel zu
bieten hat. Es ist
ein moderner,
demokratischer,
lebendiger Staat.
Warum sollten sie
sich eher für die
Schattenseiten
entscheiden, wenn
die Sonnenseite
offen steht? Gilt
das auch für
Menschen mit
Behinderung und
Kranke? Schon Golda
Meir wollte 1958
laut Haaretz
Einwanderer aus
Polen selektieren –
„die guten ins
Töpfchen, die
Schlechten ins
Gröpfchen“.
Ich frage mich als
deutsche Jüdin,
warum sollte für
Juden Israel das
„gelobte Land“ sein?
Weil im jüdischen
Staat Juden endlich
Besatzer,
Unterdrücker und
Kriegs führende
Nationalisten sein
können?
Glücklicherweise
sieht man ja, dass
diese Aufrufe nicht
wirken. Gerade auch
die glühendsten
Zionisten in
Deutschland, Europa
und den USA bleiben
lieber, wo sie sind,
nämlich in der
Diaspora. Anlässlich
eines Staatsbesuchs
zur Emigration nach
Israel aufzufordern,
ist an Dreistigkeit
und Unverfrorenheit
kaum zu überbieten.
Auch wenn
Zentralratspräsidentin
Knobloch geistig in
Israel weilt, hat
sie ja das
Gemeindezentrum
bombastisch gebaut –
mit einem Hubert
Burda Saal (Spende:
1 Mio Euro). Also,
wozu die ganzen
Gemeindezentren und
Synagogen? Was wird
aus den
Rückforderungen der
Skandal
geschüttelten und
über ihre Einkünfte
lebenden Berliner
Gemeinde? Der
Berliner Senat
fordert inzwischen 6
Mio Euro an zu viel
gezahlten Geldern
zurück. Diese kann
diese Berliner
jüdische Gemeinde
natürlich nicht
zurückzahlen. Und
die jüdische
Gemeinde wirft –
Angriff ist immer
die beste
Verteidigung – dem
Senat wegen
jahrelanger Duldung
des Verstoßes gegen
den Staatsvertrag
eine moralische
Mitschuld an der
Situation vor. In
der Tat – im
Judentum und im
jüdischen Staat wird
die Moral sehr
hochgehalten. Was
wird also mit den
Zentren und
Synagogen geschehen?
Werden diese zu
Moscheen
umfunktioniert? Das
sollte ein Ansporn
für den Zentralrat
der Muslime sein,
nämlich sich endlich
als Körperschaft des
Öffentlichen Rechts
zu gründen. Hat
der Zentralrat der
Juden in Deutschland
schon die Koffer
gepackt? Haben
gewisse jüdische
Publizisten und
Pornoverfasser schon
ihren Umzug in den
Sonnen-Judenstaat
geplant? Wohl
kaum, so wie hier im
„Schattenstaat
Deutschland“ könnten
sie Israel nicht
mehr agieren, als
Gleicher und
Gleichen.
Als Tochter sage
ich: Schon mein
Vater, Heinz
Galinski, hat sich
dem israelischen
Anliegen widersetzt,
dass alle Juden nach
Israel zu kommen
hätten. Er vertrat
immer die Meinung,
jeder Jude habe das
Recht selbst zu
entscheiden, wo er
leben möchte. Das
hat er dann auch im
Abkommen wegen der
russischen
Kontingentflüchtlinge
mit Kanzler Kohl
manifestiert – gegen
alle Widerstände.
Normalerweise müsste
Peres für diese
Äußerungen von
deutschen Politikern
gerügt werden.
Dann kommt er
wieder auf Arafat,
das Oslo-Abkommen
und seinen
Friedensnobelpreis
zu sprechen. Er
erdreistet sich auch
noch die
Palästinenser zu
beschuldigen durch
ihren Terror seine
Wahlen verloren zu
haben. Es gab nur
einen, nämlich Uri
Avnery, der sich
verbotenerweise und
heimlich mit Arafat
traf. Man kann gut
verstehen, warum
Frau Rabin Peres
nach der Ermordung
ihres Mannes durch
einen jüdischen
Extremisten nicht
mehr die Hand geben
wollte und Peres
auch nicht bei der
Beerdigung ihres
Mannes dabei haben
wollte. Das spricht
für sich, ebenso für
die fehlgeleiteten
Friedensnobelpreise
– bis heute.
Dann folgt das
Märchen von Sharons
Umzug aus dem
Gazastreifen.
Letzterer wurde als
verbrannte Erde
zurückgelassen. Es
folgt die Mär vom
fehlenden
Friedenspartner auf
palästinensischer
Seite. Wie wir alle
wissen, werden die
Palästinenser in
Israel niemals einen
Friedenspartner
haben. Dann
beschädigt er die
Autonomiebehörde
noch mehr, indem er
Ministerpräsident
Fajad als Anhänger
Ben Gurions outet.
Schön, dass Peres
den Bau einer neuen
Stadt im
Westjordanland
unterstützt. Will
Netanjahu aus diesem
Grund auch nach so
genannten
Friedensverhandlungen
Teile des
Westjordanlandes
behalten, um die
Grenzen weiter zu
kontrollieren und
damit endgültig die
Zweistaatenlösung ad
acta zu legen?
Schließlich
beleuchtet Peres das
Missverständnis über
die Rolle der
Amerikaner.
Diese dürften bei
Friedensverhandlungen
nicht Partei
ergreifen. Sonst
wären sie selbst
Teil des Konfliktes.
Hört! Hört!
Auf Präsident Obama
eingehend, hat der
es bei aller
Selbstüberschätzung
„gut gemacht“.
Interessanterweise
hat Obama in seinem
letzten Times
Interview zugegeben
mit seiner
Nahostpolitik
gescheitert zu sein.
Fragen 17 und 18
beziehen sich auf
die
Sympathieverluste
Israels jenseits der
USA. Die
frappierende
Antwort: „Israel ist
das beliebteste Land
auf der Welt. Sie
müssen nur
nachzählen. Es gab
nie bessere
Beziehungen zur
Katholischen Kirche.
Die Evangelikalen
sind die größten
Zionisten, die es je
gegeben hat. Das
sind immerhin 1,3
Milliarden Menschen.
Weitere 1,3
Milliarden leben in
Indien, das wie
Israel unter
Terrorismus leidet.
Wir unterhalten
exzellente
Beziehungen zu
China. Damit sind
wir schon bei fast 4
Milliarden. Die
Beziehungen zu
Russland werden
verbessert. Dazu
unterstützen uns 63%
der Amerikaner. Aber
nennen Sie mir ein
Land, das auf der
ganzen Welt soviel
Unterstützung hat
wie Israel.“ Das ist
hohe Arithmetik des
jüdischen Staates!
Israel verteidigt
seine Kinder – die
Hamas-Kämpfer
verstecken sich
hinter ihren
Kindern.
Kein Wort und keine
Frage über Israels
Kriegsverbrechen und
die Benutzung der
israelischen Armee
von Palästinensern
als Schutzschilde im
dichtest besiedelten
Gazastreifen mit 1,5
Millionen
eingepferchten und
verelendeten
Menschen.
Zuletzt kommen
noch Angriffe auf
die Türkei und
Rundumschläge gegen
religiöse Fanatiker
in Pakistan.
Konsequent nennt
Peres die
Palästinenser immer
Araber. Er spricht
von 1,5 Millionen
Arabern unter den
insgesamt 7,5
Millionen Bürgern
des Landes. Unter
diesen 1,5 Millionen
Arabern sind 60.000
Akademiker, die
meisten davon Ärzte
in israelischen
Krankenhäusern. Also
wieder der Mythos
vom guten
Zusammenleben der
Juden und Araber in
Israel als
gleichberechtigte
Bürger. Israel als
„einzige Demokratie“
des Nahen Ostens.
Die Wirklichkeit ist
etwas schlichter:
Israel ist eine
Ethnokratie und
nicht ein Naher
Osten als das „Peres
Paradies“.
Dieses Interview ist
gelinde gesagt ein
Skandal für diese
liberale Zeitung.
Oder ist es die
späte
Wiedergutmachung für
Graumanns Angriffe
in der Jerusalem
Post, dass die
F.A.Z. aus
Quotengründen in die
Nähe der „Jungen
Freiheit“ gerückt
wäre? Diese
Beleidigung kam nach
einem Israel
kritischen Artikel
der F.A.Z. Die
F.A.Z. hat in Hans
Christian Rößler
einen der bestens
informierten
Korrespondenten, der
selbst hervorragende
Artikel schreibt.
Das ist für mich der
eigentliche Skandal:
Diese Fragen von
Rößler und
Frankenberg – ohne
weiter nachzufragen
und Peres so ein
Forum für seine
Israel
Projekt-Propaganda-Lüge
zu geben.
Fazit: Deutschland
soll „judenrein“
werden und alle
Juden sollen in den
jüdisch-demokratischen
Judenstaat
auswandern. Das ist
ein wirklicher
Eklat, den alle
Medien und
politischen
Mandatsträger
aufgreifen und sich
empören sollten.
Was ist das für ein
Staatsbesuch, der im
Vorfeld schon solche
Töne anschlägt?
Das Interview >>>
© Evelyn
Hecht-Galinski
- 24.1.2010
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