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Kommentar des Monats Juli -
Evelyn Hecht-Galinski
Vergleichbarkeit
Evelyn
Hecht-Galinski - 12.7.2007
Wann endlich begreift die
Weltöffentlichkeit, dass Israel alles will – nur
keinen Frieden! Tagtäglich hören wir die Äußerungen
der Politiker über „Fortschritte“ und
„Friedenswillen“ von Israel und der Gefahr, die vom
Iran für die ganze Welt ausgeht. In der Tat ist der
Iran ein schreckliches Regime, das seine
Bürger/innen unterdrückt, und Wahlen sind nach
unseren Maßstäben nicht demokratisch. Aber werden
nicht z.B. die ägyptischen Wahlen seit Jahren
manipuliert? Waren nicht die Wahlen, die die Hamas
im Gazastreifen an die Regierung brachte,
demokratisch? Es ist einfach scheinheilig von uns
und zunehmend unerträglich, wie wir uns genehme
Regierungen undemokratisch bei Wahlen manipulieren
lassen. Israel hat zwar demokratisch gewählt, aber
ist deswegen trotzdem keine Demokratie, sondern eine
Ethnokratie, also nur eine Demokratie für seine
jüdischen Bürger/innen. So sollte Ende Mai per
Gesetz verboten werden, parallel zum
Unabhängigkeitstag der Nakba, also an die
Vertreibung der Palästinenser/ Araber 1948
öffentlich zu gedenken. Man wollte also den
israelischen Palästinensern auch noch außer ihrer
Würde ihre Gedenkkultur nehmen. Bei Verstößen gegen
dieses Gesetz waren bis zu drei Jahren Gefängnis
vorgesehen. Im Moment konnte das zwar durch Proteste
verhindert werden, aber an einer neuen
„abgespeckten“ Form arbeitet man noch. Der ehemalige
Türsteher und rassistische Außenminister Avigdor
Lieberman wollte außerdem noch eine
Loyalitätsbekundung in Form eines Treue-Eides; das
wurde auch fallen gelassen – momentan! Durchgesetzt
ist allerdings das Gesetz, das eine einjährige
Haftstrafe für alle vorsieht, die den „jüdischen und
demokratischen“ Charakter des Staates Israel nicht
anerkennen. Ich kann keinen demokratischen Charakter
in einem jüdischen Staat sehen, der nur unerfüllbare
Forderungen an die Palästinenser stellt, d.h. sie
sollen die Forderungen nach einem unabhängigen Staat
aufgeben und höchstens als hohle Phrase gedroschen,
einen Staat akzeptieren, ohne Souveränität von
Israels Gnaden, ohne eigene Armee, kontrollierten
In- und Exporten, Wasser- und Luftwegen und ohne das
Recht Verträge mit anderen Staaten ohne Israels
Zustimmen abschließen zu können. Für mich bleibt da
nur noch die Ein-Staatenlösung! ! !
Es ist unerträglich, dass Israel
für seine Phantasiesprüche immer noch Beifall von
der Weltöffentlichkeit erhält. Es reichen schon die
Zauberformeln „Palästinenserstaat und
Zweistaatenlösung“. Inzwischen sind es über 300.000
Siedler im Westjordanland, die sich immer mehr
ausbreiten wie eine Krake. Es ist schön, wenn Obama
oder das sog. Nahostquartett vom Siedlungsstopp
spricht. Was heißt denn bitte schön Siedlungsstopp?
Alle Siedlungen müssen weg. Allein diese Forderungen
wären realistisch, würde es wirklich ein „yes, we
can“ von Obama geben. Nur die USA können Druck auf
Israel ausüben, der Israel wirklich trifft und
dadurch zum einlenken bewegt. So aber erscheint mir
Obama in seiner kurzen Amtszeit abgenutzt und
unglaubwürdig. „Yes, he could“ but „he will not“.
Und was ist mit Außenminister
Steinmeier (Kanzlerkandidat)? Nach seinem letzten
Israelbesuch und seinen wiederholten Besuchen der
Gedenkstätte Yad Vaschem wurde er wieder voll
„instrumentalisiert“, schöpfte neue
Friedenshoffnung, verquickte die Shoa wieder mit der
deutschen Position zu Israel, und damit hatte Israel
wieder „Oberwasser“ („egal, welche Regierung in
Israel regiert, unsere Beziehung zu Israel wird
immer eine besondere sein.“). Jede andere so
handelnde rassistische und rechtsradikale Regierung
würde von der deutschen Regierung auch so bezeichnet
werden. Aber Kanzlerin Merkel hat unsere besonderen
Beziehungen zu Israel auch schon mehrmals zur
deutschen Staatsräson gemacht. Für mich als deutsche
Bürgerin ist es unbegreiflich, wie hier das
Grundgesetz mit Füßen getreten wird, und dass die
Verfechter einer völkerrechtswidrigen israelischen
Unterdrückungs- und Verdrängungspolitik gegenüber
dem palästinensischen Volk mit unserem
demokratischen Deutschland gleichgestellt wird. Wenn
wir und die Welt weiter unmittelbar mit der
Unterstützung einer Politik des Staates Israel Hilfe
leisten, einem Staat, der sich mit unserer Rechts-,
Demokratie- und Grundwerteverständnis nicht
vereinbaren lässt, dann machen wir uns erneut
schuldig. Und wenn sich dieser jüdische Staat
erdreistet für alle Juden in der Welt zu sprechen,
dann wehre ich mich als deutsche Jüdin doppelt!
Israel und jüdische
Interessenvertreter in aller Welt wehren sich gegen
„Nazivergleiche“ und diffamieren alle Gegner als
Antisemiten. Sie selbst aber schrecken nicht davor
zurück, die Shoa zu missbrauchen. „Judenrein“ ist
die neueste schreckliche Entgleisung Netanjahus, die
in dieses Schema passt. Anlässlich des
Steinmeierbesuchs erklärte er, das Westjordanland
dürfte nicht „judenrein“ werden. Außerdem wurden die
Kabinettsmitglieder aufgefordert den Begriff
„judenrein“ zu verwenden, wenn es um den Erhalt der
Siedlungen sowie den jüdischen Charakter Israels
gehe. Über Steinmeiers Reaktion außer Nicken wurde
nichts bekannt.
Über den jüdischen Charakter in
Israel, dem jüdischen Staat, können wir täglich
Neues erfahren! Die Lösung kann nur sein, Druck und
Boykott aller israelischen Waren, solange
dieser Staat Gaza blockiert, sich nicht auf die
Grenzen von 1967 zurückzieht und wirkliche
Friedensverhandlungen beginnt, d.h. über alle Punkte
mit den Palästinensern auf gleicher Augenhöhe
verhandelt, wie z.B. das Rückkehrrecht der
Flüchtlinge, die Jerusalemfrage etc. Anstatt täglich
die wissenschaftlichen Propagandalügen zu
verbreiten, wie „ausgestreckte Hand“, „natürliches
Wachstum“, „einzige Demokratie im Nahen Osten“ oder
kein „Friedenspartner“. Ganz im Gegenteil: Die
Palästinenser und die Araber haben keinen
Friedenspartner – das ist die traurige Wirklichkeit,
die sich auch dank unserer Waffen und anderer
Kooperationen nicht ändern wird. Letztendlich haben
wir Bürger/innen und Wähler/innen nur eine Chance:
Den Versuch immer wieder auf Politiker,
Gewerkschaften und Verbände einzuwirken, diese
Politik zu ändern. Gerade auch der DGB als
Dachverband der Gewerkschaften mit seinem
Vorsitzenden, Michael Sommer, und seine Frau, Ulrike
Sommer, betreiben eine sehr pro-israelische Politik,
d.h. Michael Sommer war Mitbegründer der
Organisation TULIP, die sich gegen einen gegen einen
Boykott israelischer Waren engagiert als
Gegengewicht zu England und anderen Staaten. Ulrike
Sommer ist Mitglied bei der DIG (Deutsch-israelische
Gesellschaft). Auch gegen die Übermacht der
pro-israelischen Lobbyisten müssen wir versuchen
unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsam handeln -
gerade im Hinblick auf den 27. September und die
Wahlen!
Fazit: Wer spricht noch über die
über 1400 ermordeten oder über die immer noch über
11.000 willkürlich inhaftierten Palästinenser in
israelischen Gefängnissen oder über die Blockade,
die Apartheidsmauer, die Checkpoints, das Elend und
das Sterben der „auf Diät gesetzten“ Bewohner/innen
in Gaza, dem größtem Laboratorium und
Freiluftgefängnis im Nahen Osten. Wenn man vor allem
das Elend der Kinder in Gaza sieht, (Buchempfehlung:
Bettina Marx GAZA) wäre es wichtig, wenn das
versprochene Geld dort endlich ankäme, um die erste
Not zu lindern.
Evelyn
Hecht-Galinski, Publizistin
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