Der
Shin Bet geht auf
Verhaftungstour von
israelischen Palästinensern
Oder
Demokratie nach
israelischer Art
Richard Silverstein, 18.
7.12
Der Shin Bet scheint in den
letzten Wochen auf
Verhaftungstour israelischer
Palästinenser gewesen zu
sein. Wenigstens vier von
ihnen wurden verhaftet, die
letzten drei, um sie mundtot
zu machen. Von der ersten
Verhaftung, von Dr. Eyad
Jawhari von Majdal Shams
berichtete ich Anfang
dieses Monats. Er ist immer
noch im Kishon-Gefängnis,
nachdem er schon im
Shikma-Gefängnis war und
wieder zurückgebracht wurde.
Obwohl er Ende Juni
verhaftet wurde, weigerte
sich der Sicherheitsdienst
ihm, sich von seinem Anwalt
beraten zu lassen oder nur
mit seiner Familie zu
sprechen. Er ist drei Wochen
lang in Einzelhaft gewesen,
ein normaler Betriebsprozess
für die israelische
Geheimpolizei. Obwohl es
zunächst ein Verschweigen
seiner Verhaftung gab, hat
der Shin Bet das Schweigen
aufgehoben, nachdem ich die
Geschichte berichtet habe.
Jetzt können sie den Namen
des Verhafteten bekannt
geben, auch wenn es keine
offiziellen Beschuldigungen
gegen ihn gibt.
In der kurzen
Zeit der letzten Tage wurden
drei weitere israelische
Palästinenser heimlich
verhaftet:
Abu Basset
Zoabi aus Nordisrael ( mehr
ist bisher nicht bekannt)
Salman Hassan
Safadi: seine Verhaftung
wurde vom Golani
Nachrichtendienst auf
arabisch gebracht. Darin
heißt es, dass der Shin Bet
das Haus auf den Kopf
gestellt und Handys und
Computer konfisziert habe.
Wie Jawhary- so habe ich
feststellen können, ist auch
er ein Bewohner von Majdal
Shams, obwohl weder Jawharis
Anwalt noch Familie etwas
wissen, ob es eine
Verbindung zwischen den
beiden Verhaftungen gibt.
Musa Khatib,
ein Bewohner des geteilten
libanesisch-israelischen
Dorfes Ghajar, dessen
Bewohner hauptsächlich
Alawiten sind, also
dieselbe muslimische Sekte,
zu der auch der syrische
Herrscher Bashar al-Assad
gehört. Er ist im
Augenblick im
Shikma-Gefängnis, außerhalb
Ashkalon.
Obwohl ich
nicht weiß, was gegen die
vier vorliegt, allein die
Tatsache, dass der Shin Bet
unter Totschweigen sie
verhaftet hat, besagt, dass
sie wahrscheinlich aus
Sicherheitsgründen verhaftet
wurden. Dies bedeutet
natürlich nicht, dass sie
die Sicherheit Israels
gefährdeten .
Wahrscheinlicher ist es,
dass sie politisch und
national aktiv waren, was
von israelischen Behörden
als „Umsturz“ angesehen
wird.
Vergleichen
wir die Behandlung mit der
von Jack Teitel, einem
jüdischen
Siedlerterroristen, der
gegen andere israelische
Juden, Christen und
Palästinenser
Bombenattentate ausübte,
eine Anzahl getötet und
andere ernsthaft verletzt
hat. Er ermordete sogar zwei
israelische Polizisten. Vor
kurzem - Jahre nachdem
seine Mordtour begann -
akzeptierte das Gericht
einen Einspruch, bei dem
Teitel eingestand, zwei
Palästinenser getötet zu
haben, obwohl das Gericht
ihn offiziell noch nicht
überführt hatte oder ihn gar
für strafrechtlich schuldig
befunden hat.
Es scheint
so, als hätte es einigen
Kampf gegeben, ob er noch
als zurechnungsfähig erklärt
werden kann und so eine
Gerichtverhandlung umgangen
werden kann ( eine oft
benützte Taktik der
Behörden, um jüdische
Terroristen nicht ins
Gefängnis zu bringen) auf
jeden Fall ist er offiziell
im Besitz seiner geistigen
Fähigkeiten und ist frei.
Ein anderes
Beispiel dieser Art von
Laxheit betrifft Dor Oved,
der wiederholt das Büro von
Peace Now, die Wohnung von
Hagit Ofram und die Autos
der Nachbarschaft und
anderes öffentliche Eigentum
verwüstet hat. Er mailte
Todesdrohungen und
schmierte
Graffiti-Botschaften an
Häuser von Peace-Now-Leuten
und an Oframs Haus. Nach
einer neuen Runde dieses
Unsinns hat die Polizei ihn
endlich verhaftet und mit
einigen dieser Handlungen
verklagt. Aber er wurde das
erste Mal im letzten
November verhaftet und nach
Hause zu seinen Eltern
geschickt, von wo er sofort
wieder Emails mit
Todesdrohungen abschickte.
Das
schlimmste an dieser
Geschichte ist, dass Oveds
Name totgeschwiegen wird,
nicht wegen einer ernsten
Sicherheitsgefahr, sondern
weil seine beiden Eltern für
den Sicherheitsapparat
arbeiten, er für den Shin
Bet und sie für die Polizei.
…
So ist es:
vier israelische
Palästinenser, über die wir
fast nichts wissen, auch
nicht weshalb sie angeklagt
wurden. Sie haben keinen
Kontakt mit Anwälten oder
Familie und ihre Namen
werden totgeschwiegen, so
dass sich keiner für sie
einsetzen kann. Im Gegensatz
zu Dor Oved, der vom Staat
verhätschelt wird, der sich
die besten Anwälte leisten
kann, der vom Gericht nach
Hause zu seinen Eltern
geschickt wird, wo er seine
Hasskampagne weiterführt.
Seine Identität wird von der
Sicherheitspolizei
geschützt.
Das ist
„Demokratie“ nach
israelischer Art.
(dt. Ellen Rohlfs)
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