Abdallah Frangi:
Der Gesandte.
Mein Leben für Palästina.
Hinter den Kulissen
der Nahost-Politik,
Heyne-Verlag München 2011, 19,80
Euro, ISBN 978-3-453-19354-3
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„Gott hat uns als zwei Völker
hierher gestellt, und Gott gibt
uns, wenn wir es nur aufrichtig
wollen, auch die Kraft,
zusammenzuleben und
Gerechtigkeit und Frieden zu
schaffen, das Land wahrhaft in
Gottes Land zu verwandeln.“ (Kairos-Dokument
Palästina, 2.3.1*)
Wir - eine Arbeitsgruppe
kirchlich engagierter Personen -
sind tief besorgt über
den ungelösten Konflikt in
Israel/Palästina. Wir haben
Verständnis für die Sehnsucht
des jüdischen Volkes nach einem
Ort der Sicherheit nach
Jahrhunderten der Verfolgung und
der drohenden Ausrottung. Wir
hören aber auch die
palästinensische Stimme, die uns
eindringlich sagt: „Es war
Unrecht, dass wir aus dem Land
vertrieben worden sind“ (Kairos-Dokument
Palästina 2.3.2*). Wir sind
insbesondere besorgt über die
wachsende Zahl israelischer
Siedlungen im Westjordanland und
den fortschreitenden Bau der
Sperranlage, was eine
Zweistaatenlösung zunehmend
verunmöglicht. Jeder Anspruch
auf ganz „Eretz Israel“ bzw.
ganz Palästina zielt letztlich
auf die Verdrängung oder
Unterdrückung des anderen
Volkes.
Im Bewusstsein
dass wir durch die
Jahrhunderte lange
Ausgrenzung und Verfolgung
des jüdischen Volkes in
Europa in eine unheilvolle
Geschichte verwickelt sind
und dadurch eine besondere
Verantwortung in diesem
Konflikt tragen
dass der
christliche Glaube bleibend
im jüdischen Glauben
verwurzelt ist
dass Jesus von Nazareth
uns zum Einsatz für
Gerechtigkeit, Frieden und
bedingungslose Nächstenliebe
verpflichtet
stehen wir ein
für einen Frieden in
Gerechtigkeit im Land der
Bibel, der sowohl den
Israelis als auch den
Palästinensern Sicherheit,
Freiheit und Anerkennung
gewährt
für das
Existenzrecht Israels im
Land seiner biblischen Väter
und Mütter – und für das
Existenzrecht des
palästinensischen Volkes im
Land seiner Vorfahren,
entsprechend den Beschlüssen
der Vereinten Nationen für
beide Völker
für die Selbstbestimmung
des palästinensischen Volkes
in einem Palästina, das eine
eigenständige Entwicklung
ermöglicht.
In der Überzeugung
dass die Besetzung,
Besiedlung und Blockade
palästinensischer Gebiete
durch Israel dem Völkerrecht
wie auch den Menschenrechten
widerspricht
dass wir den
„Schrei der Hoffnung, wo
keine Hoffnung ist“ der
Palästinenserinnen und
Palästinenser im
Kairos-Dokument Palästina
(10.1) über die unhaltbare
Situation in den besetzten
Gebieten ernst nehmen müssen
dass die Kirchen sich
insbesondere darüber
Rechenschaft geben müssen,
„dass jede Theologie, die
die Besetzung rechtfertigt
und dabei vorgibt, sich auf
die Bibel oder auf den
Glauben oder die Geschichte
zu stützen, von der
christlichen Lehre entfernt
ist“ (2.5)
verpflichten wir uns
zur Solidarität sowohl mit
den Menschen in Israel als
auch in Palästina, die sich
für Frieden und
Gerechtigkeit einsetzen
zur Unterstützung des
gewaltlosen Widerstands
gegen die israelische
Politik der Besetzung,
Besiedlung und Blockade
palästinensischer Gebiete
zur Unterstützung von
Organisationen und
Projekten, welche sich in
Israel/Palästina für
Frieden, Versöhnung und
Gerechtigkeit einsetzen.
Wir richten diesen
Appell an die Leitungen der
Schweizer Kirchen
(an den Schweizerischen
Evangelischen Kirchenbund SEK
und seine Mitgliedkirchen, die
Schweizerische
Bischofskonferenz, die Leitung
der Christkatholischen und der
Evangelisch-methodistischen
Kirche sowie an die
Schweizerische Evangelische
Allianz SEA)
mit der Bitte,
den Ruf der
palästinensischen
Christinnen und Christen
aufzunehmen, welche die
Kirchen der Welt darum
bitten, „ein Wort der
Wahrheit zur israelischen
Besetzung palästinensischen
Landes zu sagen“ (6.3)
das
Kairos-Dokument Palästina
„Die Stunde der Wahrheit“ in
den Kirchgemeinden und
Pfarreien zur Diskussion zu
stellen und sich für eine
offene und faire Diskussion
zum Konflikt in
Israel/Palästina
einzusetzen.
das Ökumenische
Begleitprogramm EAPPI (Ecumenical
Accompaniment Programme in
Palestine and Israel) des
Ökumenischen Rates der
Kirchen aktiv zu
unterstützen.
„Unsere und ihre Zukunft gehören
zusammen. Entweder wird der
Zyklus der Gewalt beide Seiten
vernichten oder der Friede wird
beiden Seiten zugute kommen.“
(Kairos-Dokument Palästina 4.3) März 2013
Liebe
UA-Engagierte, am 21.4.
hatte ich eine Petition
zur neunten Haftstrafe des
Wehrdienstverweigerers Natan
Blanc weitergeleitet.
Inzwischen ist er bereits
zum zehnten (!) Mal
inhaftiert, seine Strafe ist
gerade wieder erneuert
worden. Hier also ein
erneuter Aufruf von Sabine
Isbanner aus unserer Gruppe,
den ich wieder an alle
weiterleite zur
Mitbeteiligung. Herzlichen Dank
für Ihre/Eure Mühe und
Ihr/Euer Engagement - Waltraut
Böttger - Mitglied
von Amnesty International
Israels
singende Soldaten: "Wir hoffen,
dass das Dorf niederbrennt"
-
Ein Photoessay
der Internationalen Solidaritӓtsbewegung
aus Nabi Saleh - Am 17. Mai 2013
feuerten israelische Soldaten
die üblichen und enormen Mengen
an Trӓnengas
auf die Demonstranten aus Nabi
Saleh in der besetzten Westbank
mit einer Zugabe ab. Wӓhrend die
Trӓnengaskanister den Boden
unter den Füssen der palӓstinensischen,
internationalen und israelischen
Aktivisten in Brand setzten,
sang die israelische Armee "Wir
hoffen, dass das ganze Dorf
niederbrennt." Der Protestmarsch
aus dem palӓstinensischen Dorf
zu einer wichtigen Quelle, die
sich seit alters her im Besitz
von Dorfbewohnern befindet und
deren Rechte von einem
israelischen Gericht bestӓtigt
wurden, musste angesichts einer
massiven Blockade durch Soldaten
umkehren. Seit Dezember 2009
organisiert Nabi Saleh wӧchentliche
Proteste gegen die schrittweise
Annexion des Landes und der
Quelle durch die Bewohner der
naheliegenden israelischen
Siedlungskolonie Halamish.
Gegen die wӧchentlichen
Proteste der Palӓstinenser in
der Westbank gegen Israels
Besatzung und Kolonialisierung
setzt die israelische Armee
neben Trӓnengas, Schockgranaten
und Gummimantelgeschossen
manchmal auch scharfe Munition
ein, was seit 2004 zu über 20
Todesfӓllen auf Seiten der
Demonstranten führte. Ein
Wasserwerfer, der eine stinkende,
chemische Mischung versprüht,
"Skunk" genannt, wird regelmӓssig
zur kollektiven Bestrafung der
Dӧrfer des friedlichen
Widerstandes eingesetzt. An
diesem Freitag wurden mehrere Hӓuser
des Dorfes mit Skunk eingedeckt.
Auf You Tube dokumentieren
zahlreiche Videos den Einsatz
dieser lange-haftenden
Flüssigkeit und zeigen die
negativen Folgen für die
Bewohner.
Acht
internationale und israelische
Aktivisten wurden von der Armee
festgenommen, die Pӓsse
konfisziert und eine halbe
Stunde spӓter wieder
freigelassen. Am Spӓtnachmittag,
Stunden nach Protestende, fuhren
israelische Armmefahrzeuge in
einer Drohgeste langsam durch
die Strassen von Nabi Saleh.
Scharfe Munition
gegen Demonstranten in Deir
Jarir
-
Seit einem Monat
führt das Dorf Deir Jarir bei
Ramallah wӧchentliche
Freitagsdemonstrationen gegen
den israelischen Zugriff auf
palӓstinensisches Land und die
gewaltsamen Angriffe der Siedler
auf die Dorfbewohner durch. Der
Demonstrationszug am 17. Mai
2013 wurde von einem Bulldozer
begleitet, der eine Woche zuvor
eine landwirtschaftliche Strasse
für die ӧrtlichen Bauern gebaut
hatte und die Arbeit fortsetzen
sollte. Israelische Soldaten
hatten sich auf einem
gegenüberliegenden Hügel
stationiert und feuerten enorme
Mengen Trӓnengas und
Gummimantelgeschossen. Palӓstinenser
und Internationale hӧrten
zeitweise auch das Zischen von
scharfer Munition. Die Trӓnengaskanister
lӧsten einen Brand aus, der sich
im ganzen Tal verbreitete und
auf den Ӓckern und an den
Olivenbӓumen Schaden verursachte.
Die palӓstinensische Feurwehr
wurde von den Soldaten an den Lӧscharbeiten
gehindert. Einige der palӓstinensischen
Jugendlichen bei der
Demonstration stellten sich der
Armee mit ihren Steinen und
verjagten die Soldaten.
Vor ein paar
Wochen haben israelische Siedler
einen Aussenposten auf einem
Hügel auf dem Land der palӓstinensischen
Dӧrfer Deir Jarir und Silwad
errichtet. Nachdem ein Bewohner
aus Siwald von den Kolonialisten
brutal angegriffen wurde, zerstӧrten
die Palӓstinenser
den Aussenposten. Siedler
griffen ihrerseit das Dorf
Silwad an und setzten über zehn
Autos von Dorfbewohnern in
Brand. Vorhergehende Proteste,
bei denen die Dorfbewohner ihr
Land bearbeiten wollten, wurden
mit grosser Gewalt unterdrückt.
Die
Nachrichtenorganisation IMEMC
berichtete am 18. Mai, dass bis
zu 25 Palӓstinenser
in der Umgebung von Ramallah
verletzt wurden, als israelische
Soldaten am 17. Mai in das
Flüchtlingslager Al-Jalazoun und
das Dorf Silwad eindrangen. Bei
dem Angriff auf Al Jalazoun
setzte die Armee vor allem
scharfe Munition ein und
verletzte 12 Palӓstinenser, in
den meisten Fӓllen am Unterkӧrper.
Mehrere palӓstinensische
Reporter wurden ebenfalls
verletzt.
Am 10. Mai 2013
organisierte das Westbankdorf
Azmut bei Nablus die erste
Freitagsdemonstration gegen die
israelische Besatzung und den
systematischen Landraub durch
die illegalen israelischen
Siedlungskolonien. Der Protest
begann im Dorf Khirbat al-‘Aqrabaniyya,
wo die Siedlungskolonie Elon
Moreh 1980 entgegen
internationalem Recht auf einem
der Hügel um das Dorf erbaut
wurde. Vom Dorf aus liefen die
Demonstranten etwa eine Stunde
lang zu einem Landstück, etwa
500 Dunum. das seit kurzem von
den Siedlern von Elon Moreh
illegalerweise beansprucht wird.
Die Protestteilnehmer bauten
einige palӓstinensische
Fahnen auf ihrem Land auf und
liefen dann weiter zu einer
kürzlich Gebauten Strasse, die
von den Siedlern als Zufahrt zu
dem von Azmut gestohlenem Land
benutzt wird.
Die Dorfbewohner
von Al Walaja demonstrierten am
10. Mai 2013 gegen eine neue
Strassenblockade, die von der
israelischen Armee auf einer der
zwei Zugangsstrassen nach
Bethlehem erichtet wurde. Die
Metallsperre ist ein weiterer
Schritt zur Annexion von
Dorfland für die Erweiterung von
zwei illegalen israelischen
Siedlungen, Gilo und Har Gilo.
Al Walaja liegt zwischen der
Grünen Linie und Israels
Annexionsmauer, die das Dorf
umschliesst. Die Palӓstinenser
aus Al Walaja wurden bereits
durch die Nakba im Jahr 1948
vertrieben und infolge der
Annexion von Jerusalem und viele
leben immernoch in
Flüchtlingslagern bei Bethlehem.
Viele Bewohner, die in das
derzeitige Al Walaja
zurückkehrten, erhielten
Demolierungsbefehle für ihre Hӓuser.
25 Palestinians
Injured Near Ramallah, 18. Mai
2013, IMEMC;
http://www.imemc.org/article/65502
Siehe auch
Berichte vom 10. Mai 2013:
Residents of Deir
Jreer and Silwad resist
occupation and settlement
expansion;
palsolidarity.org
Village of ‘Azmut organises
first demonstration against the
Israeli occupation and land
theft -- settler road blocked;
successfully, 10. Mai 2013,
Team Nablus, ISM;
palsolidarity.org
Protest against
new road block in the village of
Al Walaja, Team Khalil. 11. Mai
2013; ISM; palsolidarity.org
„The
General´s Son. Journey of an
Israeli in Palestine“ lautet der
Titel des ersten Buches von Miko
Peled, ehemaliger Soldat der
israelischen Armee, in dem er
die Geschichte seiner Wandlung
von einem glühenden Zionisten zu
einem Menschenrechtsaktivisten
und Anwalt eines bi-nationalen
Staates erzählt.
Rezension von
Ekkehart
Drost -
Miko Peled wurde 1961 als Sohn
einer der bekanntesten
zionistischen Familien in
Jerusalem geboren. Großvater
Avraham Katsnelson war einer der
Unterzeichner der Israelischen
Unabhängigkeitserklärung, und
Vater Matti nahm als junger
Offizier am 1948er Krieg teil.
Brisant für das israelische
Selbstverständnis ist dessen
Rolle als führender General nach
dem Sechs-Tage-Krieg von 1967,
als Israel die West Bank, Gaza,
die Golan Höhen sowie den Sinai
besetzte. In einer Besprechung
mit dem damaligen Kabinett
erklärte Matti Peled, „die
Besatzung der West Bank stünde
im Widerspruch zu Israels
langfristigen Interessen. (...)
Es würde den jüdischen Staat in
eine zunehmend brutale
Besatzungsmacht verwandeln.“
Miko Peled setzt sich im ersten
Teil seines Buches mit den
wichtigsten Mythen des
israelischen Staates
auseinander, Narrative, die auch
heute noch zum Selbstverständnis
Israels gehören, selbst wenn ihr
historisches Fundament längst
durch die „Neuen Historiker“,
allen voran Ilan Pappes „Die
ethnische Säuberung Palästinas“
erschüttert wurde. So lernte
auch der junge Miko, dass „die
Araber“ 1948 freiwillig, zum
Teil auf Anordnung ihrer
arabischen Führer das Land
verlassen hatten, die
Inbesitznahme ihres Landes also
moralisch gerechtfertigt war.
Mikos Mutter erinnerte sich an
die schönen und geräumigen
Häuser der Palästinenser in
West-Jerusalem, von denen eines
auch der Familie Peled angeboten
wurde. „Sie konnte nicht den
Gedanken ertragen, im Haus einer
Familie zu leben, die gezwungen
wurde, ihr Heim zu verlassen und
anschließend in einem
Flüchtlingslager leben musste.
Sie sagte, der Kaffee auf dem
Tisch war noch warm, als die
Soldaten ins Haus kamen und mit
der Plünderung begannen. Ganze
LKW-Ladungen mit Beute wurden
von den Soldaten fort
geschafft.“
Bis heute wird der
Sechs-Tage-Krieg von 1967 in
Israel als heldenhaftes Epos
gefeiert, in dem es wie durch
ein Wunder gelang, den
eindringenden arabischen Armeen,
die dabei waren, Israel
auszulöschen, nicht nur zu
trotzen, sondern drei Armeen zu
vernichten und Land im Norden,
Süden und Osten Palästinas dazu
zu gewinnen. Obwohl in der
neueren Geschichtsschreibung
sowie durch Dokumentarfilme
längst bewiesen wurde, dass
Israel selbst der Aggressor war,
um Land zu erobern, hat sich
Miko Peled, „The General´s Son“,
durch die Archive der IDF
gearbeitet, um die entscheidende
Sitzung zu dokumentieren: „Am 2.
Juni 1967 berichtete mein Vater
General Matti Peled dem Kabinett
unzweideutig, dass Ägypten noch
mindestens anderthalb Jahre
benötige, um für einen Krieg
gerüstet zu sein. Er war der
Meinung, dass es jetzt an der
Zeit sei, einen vernichtenden
Schlag gegen die ägyptische
Armee zu führen, nicht wegen
einer gegenwärtigen
existentiellen Bedrohung für
Israel, sondern weil die
ägyptische Armee für einen Krieg
nicht vorbereitet war. Die
anderen Generäle stimmten zu.“
Die Wandlung des Generals Matti
Peled von einem Verfechter
militärischer Optionen zu einem
Lektor für arabische Sprache
nach seiner Demissionierung bis
hin zu einer Person, der mit der
Bezeichnung „Abu Salam“ – Father
of Peace – bei vielen
Palästinensern höchste Verehrung
erfuhr, blieb der Familie lange
unklar. Auf die oft an ihn
gestellte Frage antwortete Matti
Peled stets: „Wenn Israels
strategisches Ziel Krieg
erforderte, unterstützte ich den
Krieg. Und als Frieden möglich
wurde, unterstützte ich den
Friedensprozess.“ Der Sohn Miko
glaubte nicht an den einen
Moment, das eine Ereignis, das
seinen Vater zum Umdenken
veranlasste, bis er eines Tages,
nach Vaters Tod, Abu Ali Shahin
in Ramallah kennenlernte. Im 15.
Kapitel seines Buches beschreibt
er das Treffen mit dem
ehemaligen Fatah Kommandanten,
einem engen Vertrauten von
Yassir Arafat, der über zwei
Jahrzehnte als politischer
Führer für die palästinensischen
Gefangenen Lernprogramme für
Sprachen, politische Theorie,
Demokratie entwickelte und diese
in die Gefängnisse schmuggelte.
Kein leichtes Unterfangen für
jemanden, der auf Israels Liste
der meist gesuchten
Palästinenser stand. Abu Ali
Shahin berichtete von einem
Massaker, das wenige Tage nach
dem Ende des Krieges im Juni
1967 in Beshshit (Beit Seit)
stattgefunden hat: „Die Israelis
massakrierten meine gesamte
Familie - Zivilisten, keine
Kämpfer. Kaum eine Woche nach
dem Krieg kam ein israelischer
Offizier in Begleitung einer
Kompanie Soldaten und eines
Bulldozers zu uns in die
Nachbarschaft des Rafah
Flüchtlingslagers. Alle sollten
ihre Behausung verlassen, Frauen
und Kinder durften wieder
zurück. Die Männer und Kinder
über 13 Jahre wurden an die Wand
gestellt und erschossen.
Anschließend schoss der Offizier
jeden einzelnen der bereits
Ermordeten eigenhändig in den
Kopf. Mehr als 30 Personen,
darunter ein 13jähriger Junge
und ein 86jähriger Mann, wurden
getötet. Danach wurden die
leblosen Körper in eine Reihe
gelegt, und der Bulldozer begann
sie zu überfahren, vor und
zurück, vor und zurück, bis sie
nicht mehr identifizierbar
waren.“ Durch einen Soldaten
erfuhr General Matti Peled vom
Massaker, fuhr nach Gaza und
besuchte die Familien der Opfer.
Er sprach zu den Erwachsenen und
tröstete die Kinder. Völlig
verstört, so erzählte Abu Ali
Shahin, stand er an der Stätte
des Massakers. „Dein Vater
schrieb einen Bericht an Yitzak
Rabin und Haim Bar-Lev, aber sie
haben nicht geantwortet. Diese
Greueltat hat ihn von einem Mann
des Militärs zu einem Mann
gemacht, der sich dem Frieden
gewidmet hat.“
Seine eigene Wandlung zu einem
entschiedenen Friedensaktivisten
wurde durch ein Unglück
ausgelöst, das die Familie am 4.
September 1997 heimsuchte:
Smadar, 12jährige Tochter von
Mikos Schwester Nurit
Peled-Elhanan, fiel in Jerusalem
einem Selbstmordattentat zum
Opfer, für das die Mutter die
Politik der israelischen
Regierung verantwortlich machte.
Miko, der mit seiner Familie in
San Diego lebte, wo er ein
Karate-Studion betrieb, schloss
sich bald darauf einer
Jüdisch-Palästinensischen
Dialoggruppe in San Diego an.
Eindrucksvoll schreibt er über
seine inneren Kämpfe, die
palästinensische Geschichte, die
ihm so lange unbekannt war, zu
verstehen und – mehr noch – als
großes Leid zu empfinden, das
sein Volk über das andere
gebracht hat. Wie verwurzelt das
Gefühl der Angst vor
„palästinensischen Terroristen“
in ihm war und wie schwer es ihm
fiel, sich davon zu lösen, wird
in einer Passage im 9. Kapitel
(„The Fear Virus“) deutlich, in
der er - längst als
Friedensaktivist unterwegs - zum
ersten Mal allein in einem
öffentlichen Bus von Jerusalem
nach Ramallah sitzt und gegen
seine tief sitzende Angst vor
„Terroristen“ ankämpfen muss.
Dass die allermeisten Israelis
auch heute noch dieses Gefühl
verinnerlicht haben, wird durch
die Studie von Mikos
Schwester, Nurit Peled-Elhanan,
„Palestine in Israeli School
Books“ deutlich. Die großen
roten Schilder im
Westjordanland, die Israelis
davor warnen, palästinensische
Ortschaften zu betreten, weil
dies nicht nur gegen das
israelische Gesetz verstößt,
sondern auch lebensgefährlich
für sie sei, sollen die Einsicht
möglicher israelischer Besucher
in die friedliche
palästinensische Wirklichkeit
verhindern.
Miko Peleds „Journey of an
Israeli in Palestine“ endet mit
einer Diskussion zwischen ihm
und seinem Schwager Rami, eine
Diskussion, die auch auf dieser
Website, immer wieder geführt
wird: „One State, Two States,
Three States“ ist das letzte
Kapitel überschrieben. Während
Miko für einen einzigen
bi-nationalen und demokratischen
Staat plädiert, verweist Rami
als Protagonist eines jüdischen
Staates auf das Problem der
Siedlungen hin. Mikos Antwort
soll am Ende der Besprechung
eines wunderbaren, bewegenden
Buches stehen, dessen Autor sich
gegen große Widerstände als
wahrer Humanist erwiesen hat:
„Aber du weißt doch genau“, sagt
Miko zu Rami, „dass wir alle
Siedler sind und dass das ganze
Israel besetztes Palästina ist.“
Liebe UA-Engagierte, am
14.5. hatte ich eine
Petition zur zehnten
Haftstrafe des
Wehrdienstverweigerers Natan
Blanc
weitergeleitet. Sabine
Isbanner aus unserer Gruppe
hat nun dankenswerterweise
zusammen mit anderen
Menschenrechtsorganisationen
(New Profile, Connection e.
V., War Resisters’
International, Yesh Gvul und
Gush Shalom) einen Aufruf
erstellt, der über
Change.org. verbreitet wird
und einen Appell enthält,
der nur unterschrieben zu
werden braucht.
Das ist die einfachste
und eine effektive
Methode, sich
einzubringen, bitte
beteiligt
euch/beteiligen Sie sich
möglichst zahlreich
daran.
Waltraut Böttger
Mitglied von Amnesty
International
Kogruppe Israel/Besetzte
Gebiete/Pal.
Autonomiegebiete -
http://www.amnesty-koeln-gruppe2415.de/