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 27.12.2008 - Krieg Mord in Gaza - Aktion "Cast Lead" - "Gegossenes Blei“
Demo in München - 10.1.2009 

Rede auf dem Marienplatz München anlässlich des Kriegs Israels gegen Gaza - Magdi Gohary - Samstag, den 10.01.2009 um15:00 Uhr >>>


Evelyn Hecht-Galinski


Magdi Gohary (seine Rede >>>)

clemens ronnefeld vom versöhnungsbund


Im Hintergrund die falschen Freunde Israels....


 

Rede auf dem Marienplatz München anlässlich des Kriegs Israels gegen Gaza
Magdi Gohary - Samstag, den 10.01.2009 um15:00 Uhr

 

(Aus dem Gedächtnis / Stehgreif als Einleitung:

liebe….

Heute stehen wir hier auf dem Marienplatz. Für morgen hat Frau Knobloch zu einer Kundgebung hier zur „Solidarität mit Israel“ aufgerufen.

Was unterscheidet die zwei Kundgebungen voneinander?

Heute versammeln sich diejenigen Menschen, die gegen immer gegen  Krieg und Unrecht waren. Wir sind auf der Seite der Schwachen und der entrechteten.

 Wir waren gegen den Krieg in Algerien in Vietnam, gegen Apartheid in Südafrika. Morgen kommen die Privilegierten, die immer auf der Seite der Stärkeren gestanden haben: Für den Krieg in Algerien in Vietnam in Südafrika.

Ich bin stolz darauf heute mit Euch hier zu sein.)

 

 

Der Krieg, den Israel heute gegen die Bevölkerung im Gaza führt, ist fast eine Wiederholung dessen, was 2006 gegen den Libanon geschehen ist.

 

Die Parallelen sind verblüffend:

- damals wie heute sagten sie, sie nehmen ihren Selbstverteidigungsrecht in Anspruch

- damals wie heute verlautbarten sie, dass sie ein Krieg gegen Terror führen

- damals war die Vernichtung von Hisbollah das Kriegsziel, heute ist es die Hamas

- Sie drohten, so Generalstabschef Dan Halutz, den Libanon um 20 Jahre zurück zu werfen. Heute haben sie Großteile von Gaza zerstört,  800 Palästinenser getötet und über 3000 Menschen schwere Verletzungen zugefügt. Von der humanitäre Katastrophe ganz zu schweigen

- Noch eine weitere traurige Parallele, die sich evtl. in den nächsten Stunden bewahrheiten könnte:

Wir wissen heute, dass die israelische Luftwaffe die letzten 72 Stunden vor dem Beginn des faktischen Waffenstillstands ausgenutzt hat, um in diesem Zeitraum  fast 70% der Gesamtmenge an international geächteten Streubomben auf den Südlibanon abzuwerfen.

 

D. h. für uns heute, dass wir es mit der schlimmsten Phase des heutigen verbrecherischen Kriegs in den nächsten 24-72 Sunden  zu tun haben werden.

Machen wir uns auf etwas ganz Schreckliches gefasst.

 

Zurück zum Vergleich Libanon 2006 und Gaza heute.

 

Das Ergebnis damals:

- Israel erlebte ein Desaster in politischer Hinsicht - Olmert ist beinahe gestürzt und sitzt seitdem mit einen Bein wegen Korruption im Gefängnis! - und in militärischer Hinsicht  - die Legende von der unbesiegbaren israelischen Armee!) 

- Hisbollah ist stärker und besser bewaffnet denn je

- Syrien ist aus der Isolierung heraus. Die „Achse des Bösen“ brach zusammen

 

Über die Resultate des heutigen Verbrechens kann man nur spekulieren.

Trotzdem werde ich folgende Voraussage wagen:

 

- Hamas wird politisch gestärkt daraus hervorgehen

- Die sog. gemäßigten arabischen Staaten werden bedrohlich schwächer

- Die Kluft zwischen dem Westen und der islamischen Welt wird so tief sein wie nie zuvor

 

Seit dem Juli 2006 bis heute hat sich die Welt verändert:

 

- Das amerikanische Jahrhundert war trotz Bemühung der Neukonservativen nur von kurzer Dauer.

- Neue Weltmächte treten verstärkt auf.

- Die Ära Bush ist zu Ende und der Hoffnungsträger Barak Obama wird in genau 10 Tage als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika amtieren.

 - Die schlimmste Wirtschaftskrise in der modernen Geschichte greift um sich.

 

Die größte Gefahr für Israel als Staat stellt nicht Hamas, nicht Hisbollah, nicht die arabischen Staaten zusammen und nicht Iran dar, sondern, und das ist die Tragödie, die herrschende Machtelite Israels und ihre Ideologie.

 

Die ewiggestrige Militärkaste Israels und hinter ihr die schwache politische Führung haben die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Sie hängen fest an ihre alten Dogmen.  Das gefährlichste dieser Dogmen ist der Glaube, dass die Zeit für Israel arbeitet.

 

Irgendein kluger Kopf hat einmal gesagt: „wer auf eine Insel wohnt, soll sich mit dem Meer befreunden“

Wer gegen diese goldene Regel verstößt, verspielt seine Chance.

 

Jürgen Jung hat in seiner Rede auf der Demo vor eine Woche aus dem Gedicht „Höre Israel“ von der verstorbenen österreichischen jüdischen Dichter Erich Fried , verfasst anlässlich der Krieg, den Israel 1967 gegen seiner arabischen Nachbarn erfolgreich geführt hatte, zitiert. :

Kehrt um! Kehrt um!

Die Euch Geld oder Waffen gaben

Werden nicht immer da sein

Um euch zu schützen

Wiederholung

 

Wie wahr,

die US-Amerikaner kommen und gehen (Auch aus den Irak werden sie abziehen!) auch die Merkels kommen und gehen.

Aber Ihr Bewohner Israels bleibt auf der Insel umgeben von dem Meer.

Macht Euch das Meer zum Freund

Macht Euch das Meer zum Freund.

 

Ich komme gerade von einer Reise nach Kairo, Alexandria, zum Suezkanal und Sinai zurück. Von Casablanca bis Oman gehen die arabischen Menschen auf die Straße und äußern ihre Wut über das verbrecherische Vorgehen der israelischen Armee.

 

Sie sind ebenfalls verzweifelt über die Untätigkeit ihrer Regierungen, ja oft über die Kumpanei mancher arabischen Führer

 

und sie registrieren ganz genau wie die Entwicklung mit unterschiedlichen Ellen in Europa und in den USA gemessen wird.

 

Die arabischen Regierungen sind in zwei Lager gespalten, die sog. Gemäßigten und die sog. Radikalen.

 

Ich habe drei Reden von Mubarak und Abbas live gehört. Es war entsetzlich wie schwach, unkonzentriert und unsicher diese Führer wirkten. Es kam nichts rüber. Man sah tragische Figuren, die am Ende sind.  Sie haben Jahrzehnte lang verhandelt. Sie haben den unterschiedlichsten Pläne und Entwürfe zugestimmt. Aber nichts ist konkret rausgekommen.

 

Heute stehen sie, diese gemäßigten arabischen Führer,  mit leeren Händen vor ihren Völkern. Weder der versprochenen Frieden noch irgendein wirtschaftlicher Aufschwungs ist eintreten. Stattdessen herrscht 

Korruption, Elend und Radikalisierung der Strasse

 

In Palästina haben wir es mit einem einmaligen, eigenartigen, ja absurden Konstrukt namens „Autonomiebehörde“ unter Präsident Abbas zu tun. Dieses „Ding“ erlaubt es, dass die israelische Besatzungsmacht sich der meisten Verpflichtungen, die sie gemäß dem gültigen Völkerrecht gegenüber den besetzten Menschen haben, elegant entledigt. 

 

Einerseits behält Israel die gesamte Kontrolle über Grenzen, die Sicherheit, Einfuhr und Ausfuhr. Sie dürfen Razzien machen, dürfen jeden verhaften, dürfen nach Lust und Laune Checkpoints errichten um Menschen zu schikanieren und bestimmen wo sie ihren unselige Grenzmauer errichten.  Anderseits sind die Palästinenser für unbedeutende Verwaltungsaufgaben zuständig.

 

So etwas hat es in der Geschichte von Besatzungsregimes auf der ganzen Welt nicht gegeben.

 

Die westlichen Diplomaten und manchmal auch Staatschefs spielen dieses Theater bewusst mit und fahren in ihren gepanzerten Limousinen von Jerusalem nach Ramallah hin und her. Das gibt schöne TV-Bilder in der Heimat für ihre angeblichen Bemühungen um den sog. Friedensprozess im Nahen Osten.

 

Ich kann diese Floskel von Friedensprozess nicht mehr hören.

 

Wenn keine  grundsätzliche Veränderungen entstehen, prophezeie Ich von dieser Stelle aus: die dritte Intifada in der Westbank ist vorprogrammiert

 

Ich habe mich gut informiert über die Stimmungen gerade in den Ländern, wo hauptsächlich Muslime leben, in Afrika und in Asien. Millionen von Menschen sind auf die Straße gegangen in Ankara in Istanbul in Teheran in Kabul in New Delhi, in Singapur in Bombay und in Jakarta.

 

Das Gefühl der Demütigung schlägt um in Wut und Hass.

 

- Werden diese Stimmungen in den westlichen Hauptstädten eigentlich registriert?

-  Versteht man dort was da gerade abläuft?

- Wird das eigentlich analysiert?

-  Oder wird man später sagen, man habe nichts gewusst.

 

Warum versündigt man sich an der Zukunft der heutigen und erst recht der kommenden Generationen. Wir werden ganze Generationen brauchen um dieses zerschlagene Porzellan zu kitten. Wenn es sich überhaupt noch zusammen kitten lässt.

 

- Wir stehen mitten in  einen großen Wirtschaftsschlammassel, den die Neoliberalen verbrockt haben.

 

- Wir sind mitten drinnen in einen Umweltdesaster.

 

- Unsere Ressourcen werden immer knapper.

 

Können wir uns einen Kulturkampf leisten weil das verwöhnte Kind im Nahen Osten zum wiederholten Mal  randaliert?

 

Was die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel betrifft, möchte Ich gar nicht in die Details gehen.  Aber hier sind manche Fragen offen, die eine ehrliche Antwort von uns verlangen. „Besondere“ Beziehung zwischen den beiden Staaten als Folge der deutschen Geschichte  ist sicher nachvollziehbar.

Ich frage aber, was haben „besondere Beziehungen“ mit Lieferungen von Waffen an Israel zu tun?

 

Oder gilt Israel nicht mehr als Spannungsgebiet, in das laut deutschem Recht nämlich Waffenlieferungen verboten sind.

 

Was hat die Fastschenkung von 4 U-Booten der Delfin-Klasse in Milliarden Höhen an Israel mit seiner Sicherheit zu tun?

 

Wenn man erfährt, dass diese U-Boote in der Lage sind, Raketen die mit Atomwaffen bestückten sind zu tragen, fragt man sich, was will Israel eigentlich damit? Ägypten bedrohen? Das gibt keinen Sinn. Denn  landgestützten Raketen sind genauer und vor allem billiger.

 Der Einsatz macht nur anders Sinn, nämlich bei einem Einsatz im indischen Ozean. Warum unterstützt die deutsche Regierung die Bestrebungen Israels dort als junior Supermacht aufzutreten?

(Aus dem Stehgreif: Oder haben „besondere Beziehungen“ doch mit imperialistischen Interessen zu tun?)

 

Diese U-Boote werden zudem geliefert an

- einen Staat, der den Atomsperrvertrag nicht unterschrieben hat,

-ein Staat der über 220 atomare Sprengköpfe besitzt.

 

Gleichzeitig werden Merkel und Steinmaier nicht müde Iran an den Pranger zu stellen, weil Iran  angeblich ein Atomprogramm betreibt, das eventuell zum Bau von Atomwaffen in ca. 8-10 Jahren führen könnte.

 

In was für eine verlogene Welt leben wir eigentlich?

Es wird aber noch toller.

 

Es verdichten sich die Zeichen, dass wir es hier, was die deutsch-israelischen Beziehungen angeht mit einer neuen Qualität zu tun haben.

 

Frau Merkel hat Anfang des Jahres vor der Knesset  die Sicherheit Israels zur Staatsräson Deutschland erhoben. Diese Aussage wurde leider in Deutschland viel zu wenig reflektiert.

Um deutlich zu machen, was das bedeutet, gestatten sie mir  folgendes Szenario zu  entwickeln:

 

Die israelische Luftwaffe bombardiert  - mit US-Billigung oder ohne -  mehrere Ziele in Iran, Die iranische Regierung antwortet mit dem Beschuss mehrerer israelischer Städte durch Schehab Mittelstrecken-Raketen.

 

Wie wird Frau Merkel reagieren? Die promovierte Physikerin Frau Dr. Angela Merkel wird die Kausalitätskette nur ab den iranischen Raketen registrieren, die Sicherheit Israel für akut bedroht erklären. Und dann?

- Was bedeutet Staatsräson für Sie , Frau Bundeskanzlerin?

- Sind Sie sich über die Tragweite dessen was das bedeutet im Klaren?

- Wie viel Bundeswehr Soldaten werden Sie dann entsenden und mit welchen Auftrag?

 

Woher kommen diese qualitativen Veränderungen im außenpolitischen Konzept von Frau Merkel?

Betrachten wir uns mal die außenpolitischen Berater der Kanzlerin genauer an.

Einer fällt mir sofort auf: der junge außenpolitischen  Sprecher der CDU/CSU-Fraktion  Eckart von Klaeden.

 

Gestern habe ich mir die Mühe gemacht und auf der Homepage von v. Klaeden herum gestöbert. Hier das Ergebnis:

In einem YouTube Video vom 09. Januar über seine Gespräche mit Olmert und Livni in dieser Woche, sagt er im Originalton:

 

„Ich kann das Vorgehen der israelischen Armee im Gaza-Streifen nicht beurteilen weil mir selber keine objektiven Quellen vorliegen. Deswegen ist mir nicht möglich das Vorgehen prinzipiell zu verurteilen oder prinzipiell zu verteidigen……

Es passt nicht in die Strategie der israelischen Regierung und der Armee  zivile Opfer in der Form billigend im Kauf zu nehmen“ 

Soweit  Eckart von Klaeden

 

Dieser Man ist brandgefährlich. Er ist als Berater für die angeblich „wichtigste„ Frau der Welt untragbar. 

 

Juli 2006 habe ich auf dem Odeonsplatz eine Rede anlässlich der Aggression gegen den Libanon gehalten. Ich möchte den Abschluss noch mal heute verwenden weil es an Aktualität nichts eingebüsst hat.

 

Um mit Bert Brecht zu sprechen: „Die Nacht hat 12 Stunden, dann kommt schon der Tag“, wird eines Tages das andere Israel, Israel des jüdischen Geistes, Israel des Antimilitarismus gemeinsam mit den Palästinensern und Libanesen und Syrern und allen anderen einen anderen Nahen Osten aufbauen. Und es ist mir persönlich egal, wie diese Staaten dann heißen, und ob auf dem historischen Boden Palästinas ein oder zwei Staaten entstehen ist mir auch egal. Aber es wird ein Naher Osten sein, wo keine Mutter und kein Vater jemals sein zerfetztes Kind im Arm halten muss oder vor seinem zerbombten Haus stehen muss. Dieser Tag wird kommen. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

   

    

    

 


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