Gedichte von Erich Fried
Worauf es ankommt
Es kommt im Augenblick
nicht darauf an
wann es war
daß die Unterdrückerregierung
in Israel
sich verwandelt hat
in eine Verbrecherregierung
Aber es kommt darauf an
zu erkennen
daß sie jetzt eine
Verbrecherregierung ist
Es kommt auch nicht mehr
darauf an
darüber zu streiten
nach welchem Vorbild
sie ihre Verbrechen begeht
Diese verbrechen selbst
tragen sichtbar die Spur ihres Vorbilds
Aber es kommt darauf an
nicht nur klagend oder erstaunt
den Kopf zu schütteln
über diese Verbrechen
sondern endlich
etwas dagegen zu tun
Es kommt nicht darauf an
was man ist
Moslem, Christ, Jude, Freigeist:
Ein Mensch
der ein Mensch ist
kann nicht schweigen
zu dem was geschieht
Erich
Fried
* 6.5.1921 - + 22.11.1988
"Schwierige
Aufgabe
Den Mitschuldigen
ihre Mitschuld
predigen
so
daß sie überzeugt sind
ist schwer
denn sie haben immer
die einleuchtendsten Beweise
für ihre völlige
oder
(denn sie wollen
nicht selbstgerecht sein)
so gut wie völlige Unschuld
Sie kennen sich
weil sie in alles
genauestens eingeweiht sind
auch viel besser aus
als zum Beispiel der Fremde
der sich herausnimmt
zu ihnen
von Mitschuld zu sprechen
Um wirklich
so überzeugend
wie sie
seine Unschuld
beweisen zu können
muß einer schon
mitschuldig sein"
Ein Jude an die
zionistischen Kämpfer
1988
was wollt ihr eigentlich?
Wollt ihr wirklich die übertreffen
die euch niedergetreten haben
vor einem Menschenalter
in euer eigenes Blut
und in euren eigenen Kot?
Wollt ihr die alten Foltern
jetzt an die anderen weitergeben
mit allen blutigen
dreckigen Einzelheiten
mit allem brutalen Genuss
der Folterknechte
wie unsere Väter sie damals
erlitten haben?
Wollt jetzt wirklich ihr
die neue Gestapo sein
die neue Wehrmacht
die neue SA und S.S.
und aus den Palästinensern
die neuen Juden machen?
Aber dann will auch ich
weil ich damals vor fünfzig Jahren
selbst als ein Judenkind
gepeinigt wurde
von euren Peinigern
ein neuer Jude sein
mit diesen neuen Juden
zu denen ihr
die Palästinenser macht
Und ich will sie zurückführen helfen
als freie Menschen
in ihr eigenes Land Palästina
aus dem ihr sie vertrieben habt
oder in dem ihr sie quält
ihr Hakenkreuzlehrlinge
ihr Narren und Wechselbälge
der Weltgeschichte
denen der Davidstern
auf euren Fahnen
sich immer schneller verwandelt
in das verfluchte Zeichen
mit den vier Füßen das
ihr nun nicht sehen wollt
aber dessen Weg ihr heut geht!
Erich Fried
Höre, Israel!
Als wir verfolgt wurden,
war ich einer von euch.
Wie kann ich das bleiben,
wenn ihr Verfolger werdet?
Eure Sehnsucht war,
wie die anderen Völker zu werden
die euch mordeten.
Nun seid ihr geworden wie sie.
Ihr habt überlebt
die zu euch grausam waren.
Lebt ihre Grausamkeit
in euch jetzt weiter?
Den Geschlagenen habt ihr befohlen:
"Zieht eure Schuhe aus".
Wie den Sündenbock habt ihr sie
in die Wüste getrieben
in die große Moschee des Todes
deren Sandalen Sand sind
doch sie nahmen die Sünde nicht an
die ihr ihnen auflegen wolltet.
Der Eindruck der nackten Füße
im Wüstensand
überdauert die Spuren
eurer Bomben und Panzer.
Womit vergleichen?
Im Knesseth, dem Parlament von Israel
war von zionistischen Extremisten die Rede.
Ihre Terroranschläge haben zum Beispiel den
Bürgermeister von Nablus um beide Füsse gebracht.
Da erklärte der zweite Sprecher des Knesseth:
"Aber das ist ja
unsere Aufgabe ihnen die Eingeweide
und die Gliedmassen und die Augen auszureissen!"
Mir als Jude fällt der Vergleich
von Juden mit Nazis nicht leicht
aber womit
kann man diese Worte vergleichen?
Die Geschulten
Gemeinsamer Mord
ist nicht nur Mord
sondern Bündnis
weiter zusammenzuhalten
mit Blut und Knochen
und weiter zu morden:
Wer abspringt
wird selbst erschossen
So geht es von der
SS
bis zu den Contras
und von Vietnam
bis zu den Todesschwadronen:
Um das
Angenehme
mit dem Nützlichen zu verbinden
lernen sie martern und morden
und schänden und schinden
Gemeinsamer Mord wird gelehrt
in besonderen Schulen
und auch Foltern
und nicht für die Schule
sondern fürs Leben
Quelle Gefunden bei "Friedensinfo"
Freiheit und Selbstbestimmung
für die Palästinenser
Die Schreie der gefolterten Palästinenser im Gefängnis von Hebron
und in den anderen israelischen Geheimdienstkellern
und auch die Schüsse
die palästinensische Kinder und Jugendliche auf der Straße
niedergestreckt haben
sind nicht ungehört verhallt.
Trotz Terror demonstrieren Zehntausende und fordern ihr Recht
über 1.000 wurden verhaftet, Dutzende erschossen.
Israel geht den Weg seines heimlichen Bundesgenossen Südafrika
Apartheid und Rassismus endlich ganz ohne Maske.
Als von Hitler vertriebener Jude und in der Welt herumgekommener
Schriftsteller
erkläre ich meine Solidarität
mit dem palästinensischen Volk.
Alle Welt ist aufgerufen zu verhindern, daß Terror und
Unrecht eskalieren.
Die Juden sind aufgerufen, sich laut gegen die Verbrechen zu wenden,
die in ihrer aller Namen begangen werden.
Die Deutschen sind aufgerufen zu helfen:
Ohne Hitler wären nie genug verbitterte Einwanderer gekommen,
um die Palästinenser so unterdrücken zu können.
Die Amerikaner sind aufgerufen, ihren israelischen Satelliten nicht
weiter rasen zu lassen.
Alle Welt muß endlich offenen Auges Solidarität üben.
Der Terror muß aufhören.
Freiheit und Selbstbestimmung für die Palästinenser!
Durcheinander
E. Fried
Sich lieben
in einer Zeit
in der Menschen einander töten
mit immer besseren Waffen
und einander verhungern lassen
Und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
und versuchen
nicht stumpf zu werden
Und doch
sich lieben
Sich lieben
und einander verhungern lassen
Sich lieben und wissen
dass man wenig dagegen tun kann
Sich lieben
und versuchen nicht stumpf zu werden
Sich lieben
und mit der Zeit
einander töten
Und doch sich lieben
mit immer besseren Waffen
Eure
Toten -
Die Palästinenser an die Zionisten
Eure Toten
eure toten Eltern und Großeltern
eure toten Brüder und Schwestern
auf die ihr euch immer beruft
eure Toten die euer Trumpf sind
eure Toten für die ihr euch Geld bezahlen laßt
als Wiedergutmachung
sie sind nicht mehr eure Toten
Ihr habt eure Toten verloren
denn eure Toten
das waren die Opfer der Mörder
die Gerechten die Unterdrückten:
Die Machtlosen die Verfolgten
die ermordeten Widerstandskämpfer
und ihre Kinder
das waren eure Toten
Jetzt aber seid ihr Machtanbeter und Mörder geworden
und werft Bomben auf eure Opfer wenn sie sich wehren
Ihr vertreibt die Machtlosen aus ihren niederen Hütten
Ihr kommt rasselnd in rasenden Panzern
Ihr laßt das Sprühgift
aus euren Flugzeugen regnen
nieder auf unsere Felder
und euer Napalm auf unsere Frauen und Kinder
Glaubt ihr denn eure Toten würden euch wiedererkennen
versteckt in eure Panzer und Kampfflugzeuge?
Eure Toten sind übergegangen zu uns
Opfer zu Opfern
Verfolgte zu Verfolgten
denn die Ermordeten sind der Ermordeten Brüder und
Schwestern
und nicht die der Mörder
Eure Toten wollen euch nicht mehr kennen
Darum beruft euch lieber nicht mehr auf eure Toten
um die Welt schweigen zu machen jedes Mal wenn ihr
tötet
Darum tut lieber nicht mehr
als wären sie das gewesen was ihr seid
als wäret ihr wirklich noch ihre echten Kinder und
Enkel
denn ihr habt Verrat begangen an ihrem Leben und
Sterben
als ihr eingetreten seid in die Dienste derselben
Ordnung
die eure Toten gequält und getötet hat
Eure Toten sind nun zu Gast bei unseren Toten
die versuchen sie zu beruhigen daß ihr vielleicht
nur
aus Unwissenheit und aus Dummheit tut was ihr tut
Doch eure Toten sagen ihr seid immer so klug gewesen
die klügsten Kinder der Welt
und sie können euch nicht mehr verstehen
Und unsere Toten wollen sie trösten und sagen
daß nur die Macht der Mächtigen euch so verlockt
und verwirrt hat
und daß ihr vielleicht es noch sehen und doch noch
umkehren werdet
statt so zu sterben daß eure Toten euch nicht mehr
kennen
Vater, zu
wem soll ich beten
Zu Gott oder zu den Raketen?
Zu den Raketen mein Kind
Weil sie dir näher sind!
Mutter, an
was soll ich glauben
Wenn sie die Zukunft mir rauben?
Wer an Raketen glaubt
Dem ist alles erlaubt
Priester,
auf was soll ich hoffen ?
Wer hält den Himmel mir offen?
Hoff auf Raketen, mein Sohn
Die tragen dich himmelwärts schon
Einige von ihnen
Zwischenfälle Ortsnamen
Jahreszahlen
Deir Yassin - bis 1948
ein palästinensisches Dorf
dann 350 Tote
(nach israelischen Quellen nur 254)
Quibia am 14.10.53
Das ganze Dorf
Frauen Kinder und Männer
Vergeltung für eine jüdische Frau und zwei Kinder
ermordet in Jahud
nach deren Mördern sogar schon
Glubb Pascha und die Jordanischen Behörden
suchten und um die Hilfe Israels baten
Die Hilfe Israels war was mit Quibia geschah
Kafr Kasem 1956
Curfew, Ausgehverbot, verkündet mitten am Tag
Die Bauern waren schon draußen auf ihren Feldern
sie wussten nichts vom Ausgehverbot und sie kameb
zurück von der Arbeit - da stellte man sie an die Wand
56 Menschen - Es erforderte mehrere Salven
Bahr Al Baquar 1970
Die Schule war groß, die einzige weit und breit
überfüllt mit Kindern
ein Volltreffer für die Bombe
niemand weiß genau wieviel Kinder es waren
Dann waren nicht mehr viel Kinder
in der Gegend von Bahr Al Baquar
Und Abu Saabal 1970
70 Arbeiter bei einem Luftangriff
Und Nahr el Barid 1972
wieder tote Kinder im zerschossenen Flüchtlingslager
Und 1972 auf der Straße nach Juwayeh
im südlichen Libanon, das zerdrückte Taxi
überrollt vo einem israelischen Panzer:
sieben Zivilpersonen -
ein Kind von acht Jahren
Zwischenfälle
Alles nur Zwischefälle
Terror ist das
was Palästinenser tun
Ein Jude an die Zionisten
Freut euch erstens, daß
eure Toten so tot sind,
denn sonst könnten sie euch laut sagen, was sie von euch halten
ihr zu Mörder gewordenen Söhne der Opfer unserer Mörder
die ihr euch verbündet mit Mördern gegen eurer Mordopfer Kinder
Und freut euch, daß die Mörder unserer
Eltern
die Herzen der Welt so gewöhnt haben an das Morden
daß die Herren der halben Welt heute eueren Morden und Lügen
wohlwollend zusehen können und kaum zum Schein protestieren
Und freut euch, daß euer eigener Martin
Buber schon tot ist
denn der hat noch knapp vor seinem Tode gesagt
daß ihr nicht die Jünger der alten jüdischen Weisheit
nein, nur die Schüler von Hitler geworden seid
Und freut euch auch, daß es keinen
Bert Brecht mehr gibt
denn was der euch gesungen hätte zu eurem Unrecht
das würde der Welt und euch noch lang in den Ohren klingen
ja, länger als eure Unrechtherrschaft noch währt
Aber freut euch rasch, denn eure Freude
wird kurzlebig sein
wie die Freuden anderer Tyrannen und Mörder
und dann werden Palästinenser und Juden in Frieden zusammenleben
und werden Gott danken, daß es keinen Zionismus mehr gibt

Die Nachfolger
Weil christliche Faschisten
zu Hitlers Zeit in Europa
Juden getötet haben
bewaffnen im Libanon heute
Zionisten die Falangisten
die so christlich sind
und so faschistisch
wie damals die Judenmörder
Weil faschistische Mörder
Juden vertrieben haben
sollen jetzt faschistische Mörder
die Palästinenser
die unschuldig waren
am Tod der Juden Europas
so ermorden wie damals
die Juden ermordet wurden
Weil es Juden und Linke gibt
die das Wahnsinn nennen
und den Mördern nicht helfen wollen
bezeichnen die Zionisten
diese Linken als Nazis
und die antifaschistischen Juden
als "jüdische Antisemiten"
und "Verräter am eigenen Blut"
Bezwinger der Wüste
Simon der Kameramann
sieht die Planierraupen die
die letzten Trümmer
der Araberhäuser zermalmen
und sieht die Erde
die Gurken hervorgebracht hat
Tomaten Wassermelonen
und da und dort einen Ölbaum
aufreißen und verderben
Zementstaub auf Lehmstaub
Staub auf staubiges Grün
auf staubiges rosa Erdreich
und sagt: "Bevor die Juden
die Wüste bezwingen können
müssen sie hier die Wüste
erst selber machen"
Deir Yassin
Ich habe gelesen
vom Palästinenserdorf Deir Yassin
Zweihundertvierundfünfzig
fast nur Frauen und Kinder und Alte
die ermordet wurden
von den Einheiten Léchi und Etzil
unter Joschua Zetler
und Mordechai Ra´anán
Aber es fällt mir schwer
mir ein Bild zu machen
Und ich will mir ein Bild machen
um es nicht zu vergessen
um es im Kopf zu haben
dort wo es hingehört
Wohin gehört Deir Yassin
in meinem Kopf?
Es gehört zu Guernica
und zu Warschauer Ghetto
Es gehört zu Lidice
und zu Oradour
Es gehört zu My Lai
und zu Bin-Du-Ong in Vietnam
Wenn ich das Bild
des jüdischen Jungen sehe
der vergeblich die Hände hochhob
Am Ende des Warschauer Ghettos
dann brennen mich meine Augen
Ich habe die Bilder der Kinder
von Deir Yassin nicht gesehen
ich weiß nicht einmal
ob Israels Krieger
das Fotografieren erlaubten
Waren das andere Kinder?
Ich glaube nicht
Ich glaube die Bilder aus Warschau
und die brennenden Hütten in Vietnam
stellen mein Bild zusammen
von Deir Yassin
Wir Juden sind groß
so groß wie die größten Völker
Wir haben Marx und Heine
und Freud und Einstein
Wir haben Meir-Har-Zion
den großen Arabertöter
und Mordechai Ra´anán
und Joschua Zetler
die Sieger von Deir Yassin
die jeden Vergleich bestehen
mit Leutnant William Calley
dem Besieger des Dorfes My Lai
und Jürgen Stroop, S.S.
dem Besieger des Warschauer Ghettos
Begin spricht
Begin spricht
und er spricht
als Staatsmann
und will gehört sein
Wer hört zu?
Vielleicht Sadat
und vielleicht
Hussein
Aber was heißt das?
Was heißt es
wenn Begin spricht?
Das heißt daß der Mörder spricht
der Mörder von Deir Yassin
vom King David Hotel der Mörder
der Mörder von vielen hundert
Frauen und Kindern und Männern
von Jahr zu Jahr mehr
Und nun ist er
der Mörder von Libanon
Menachem Begin spricht:
Der Mörder spricht vom Frieden
Der Mörder spricht von Recht und Gerechtigkeit
(Das heißt er will alles festhalten was er umklammert)
Menachem Begin spricht:
Der Mörder spricht von der Zukunft
Wer hört zu?
Vielleicht Sadat
und vielleicht
Hussein -
Und was hören sie?
Was enthalten die Worte des Mörders?
Der Mörder spricht von der Zukunft
aber er hat keine Zukunft:
Der Weg von Deir Yassin
zu den Toten von Libanon
war viele Jahre länger als der Weg
von Libanon sein wird
zum Grab des Menachem Begin
Und unser Weg von heute
zum freien Palästina
wird kürzer sein als der Weg
der letzten dreißig Jahre
ja: kürzer als der Weg
von Deir Yassin bis hierher
Das Bittere
Du willst mich nicht hören
denn du willst dir nicht rauben lassen
das von dem ich dir sage
es ist ein Unrecht.
Glaubst du ich sage es leichthin
und ohne Zögern?
Glaubst du es macht mir Spaß
gegen Menschen zu sprechen
von denen viele nur
durch Verfolgung und Verzweiflung
auf den Irrweg getrieben wurden
auf dem sie verrannt sind?
Glaubst du es ist sehr leicht
zu rufen in alle vier Winde
daß einige meiner Verwandten
die der S.S. entgingen
das Tun ihrer Mörder
zu ihrem Vorbild nahmen?
Ich sage das fast so ungern
wie du es hörst
Glaubst du es läßt mich kalt
einen Brief zu bekommen
von einer alten Mutter
deren drei Söhne
in Auschwitz vergast worden sind
und die mich fragt
wie könne ich sprechen gegen meine eigenen Leute
da schon so viel Blut vergosse wurde
von unserem Blut?
Zwar weiß ich daß ich nicht wirklich
gegen die Juden spreche
sondern nur gegen den Irrweg
jener Juden
die glauben auf Verbrechen
gegen die Palästinenser
läßt sich ein Land
und eine Zukunft bauen
Zwar weiß ich daß ich versuche
die Juden in Israel und
ihre Kinder retten zu helfen
indem ich beizeiten
Klage erhebe
gegen jene Verbrechen
begangen in ihrem Namen
die sonst ihr Untergang werden
Doch vor dem Brief
der Frau mit den toten Söhnen
ist es kein Trost
daß ich es besser weiß
Die Abwesend-Anwesenden
Nifkadim Nokh-him
Die nicht da sind obwohl
sie da sind
sind überall da
Die nicht bei euch sind
werden immer bei euch sein
gleichwohl ob ihr bei euch
oder außer euch seid
denn ihr selbst
habt dieses Wort erfunden
Die Abwesend-Anwesenden
sind keine Gespenster
nur die die ihr
zu Gespenstern machen wollt
mit denen ihr verfahrt
als ob sie nicht mehr da wären
auch wenn sie da sind
Deren Häuser und Land
ihr eingezogen habt
hinter ihrem Rücken
oder vor ihren Augen
und hinter dem Rücken
oder vor den Augen ihrer Kinder
weil sie abwesend sind für euch
auch wenn sie anwesend sind
Die ihr verbannt habt
mit eine Gestzesparagraphen
ins Fegefeuer
ins Land zwischen Leben und Tod
daß alle in Ordnung gehe
nach diesem eurem Gestz
von dem die Welt nichts gehört hat
denn die Welt weiß nocht einmal
daß es das gibt
was es sonst niergends gibt
was nur ihr euch ausgedacht habt
um das Unrecht ins Recht zu setzen
und das Rcht ins Unrecht zu setzen
und euch in die Häuser zu setzen
in die Wohnungen und in die Gärten
der Abwesend-Anwesenden
deren Besitz ihr verwaltet
durch Beamte die ihr dazu einsetzt
wie kommisarische Leiter
die Habe der Juden
für sie verwaltet haben
im Dritten Reich
Die nicht da sind
obwohl sie da sind
werden darum
dableiben unter euch
in ihrem doppelten Dasein
abwesend wie euer Recht
anwesend wie euer Unrecht
abwesend wie euer Gewissen
anwesend wie eure Opfer
abwesend wie Ermordete die verscharrt sind
anwesend wie das Andenken an die Morde
Die Hand
Das ist eine Hand
das ist eine verstümmelte Hand
das ist eine durch eine Explosion verstümmelte Hand
das ist eine durch eine Explosion in Bagdad
verstümmelte Hand
Das ist eine verstümmelte Hand eines Mannes
Das ist ein Mann
das ist ein jüdischer Mann
das ist ein jüdischer Mann in Osrael dessen Hand
verstümmelt wurde im Tempel in Bagdad
das ist ein jüdischer Mann der in Israel zu Gericht geht
um Invalidenrente zu fordern für seine Hand
Das ist die Hand
das ist die Hand die ihm verstümmelt wurde
verstümmelt weil ein anderer jüdischer Mann
der im Geheimdienst Israels stand seinen Auftrag erfüllte
seinen von langer Hand vorbereiteten Auftrag
den Tempel in Bagdad zu sprengen
um den Juden dort Angst einzujagen
um den Juden in Bagdad Angst vor den Arabern einzujagen
und sie so aufzuscheuchen zur Heimkehr ins Land ihrer Väter
in das einst ihr Gott sie geführt hat
- so heißt es -
mit starker Hand
Erinnerung an die Einheit
101
Es ist nicht wahr
weil es nicht wahr sein darf
daß es je
eine EINHEIT 101 gab
die von Israel aus
über die Granzen ging
und Araber tötete
Männer Frauen und Kinder
Es darf nicht wahr sein
dass Medizinstudenten
in Israel
denen die Orthodoxen
das Beschaffen von Leichen
zum Sezieren zu schwer gemacht hatten
Leichen bestellten
bei der EINHEIT 101
Es darf nicht wahr sein daß
der jordanische Offizier
dessen Erschießung man zugibt
in Wirklichkeit
ein libanesischer Arzt war
(Dr. Manzour unterwegs zu einem Patienten)
der Meir und Schlomoh
vergeblich bat um sein Leben
Von der EINHEIT 101
hat die Armee keine Kenntnis
obwohl die Einheit
jeden Streifzug im Vornhinein
dem distriktkommandi gemeldet hat
um bei der Rückkehr
nicht unters Feuer
der eigenen Leute zu kommen
Keine Abrechnung
Den Tod der Frauen und
Kinder
von Ma´alot
von Kirjat Schimona
und Naharija
kann nichts beschönigen
auch nicht der zehnfache Tod
durch Israels Luftangriffe
auf Flüchtlingslager
Und Israels Luftangriffe
auf palästinensische Flüchtlingslager
kann nichts rechtfertigen
auch nicht der Tod
der Frauen und schuldlosen Kinder
von Ma´alot
von Kirjat Schimona
und Naharija
Ohne die Halsstarrigkeit
der Zionisten
wären die Kinder und Frauen
auf beiden Seiten nicht tot
Könnten die Frauen und Kinder
auf beiden Seiten noch leben
ohne die Halsstarrigkeit
der Palästinenser?
Die Rechnung geht nicht auf
denn Vertriebene müssen vielleicht
halsstarriger sein als Vertreiber
um leben zu bleiben
denn die Vertreiber leben
an der Vertriebenen Stelle
und nicht die Vertriebenen
an der Stelle ihrer Vertreiber
Nach einem Abkommen zwischen
Sadat und den Zionisten
Der Friede der kein Friede
ist
vermittelt
von einem Friedensstifter
der kein Friedensstifter ist
zwischen dem Erben Nassers
der kein Erbe Nassers ist
und einer Demokratie
die keine Demokratie ist
zum Wohl der Ägypter
das nicht das Wohl der Ägypter ist
und zum Wohl der Judeb
das nicht das Wohl der Juden ist
bringt eine Versöhnung
die keine Versöhnung ist
und verspricht eine Zukunft
die keine Zukunft ist
und will eine Hoffnung wecken
die keine Hoffnung ist
auf ein Palästina
das kein Palästina ist
Das Unrecht
ist immer noch Unrecht
Der Rassismus der Zionisten
ist immer noch Rassismus
Die Vertriebenen
sind immer noch vertrieben
Ihre zerstörten Dörfer
sind immer noch zerstört
Ihre gerechte Sache
ist immer noch gerecht
und ihre Hoffnung
ist immer noch die Hoffnung
Ein Kind spricht
Was ich bedeuten könnte
das hat nichts zu bedeuten
Ich weiß
das bedeutet euch nichts
Aber auch ich will
- nein
nicht töten dürfen
wie ihr –
nur leben dürfen
nur leben
Leben ?
was war das ?
Feierliches Versprechen
Am ersten Tag
des Sechstagekrieges
erklärte
Premierminister Eshkol
in Tel Aviv:
"Wir wollen
keinen Quadratmeter
Boden haben"
Selten
hat ein Krieg
so kurz gedauert
wie dieser.
Eshkols Versprechen
hat noch kürzer gedauert
als er
Moshe Dayan:
Aus Ansprachen an die Studenten des Technion
Alle unsere Siedlungen
sind erbaut
auf den Ruinen
palästinensischer Dörfer
Ja wir haben sie nicht nur
ausradiert bis auf den boden
sondern auch ihre Namen aus den
Geschichtsbüchern ausradiert
Sie haben also
ihre triftigen Gründe
für den Kampf
den sie gegen uns führen
Unser Problem ist nicht
wie wir sie loswerden sollen
sondern wie wir
mit ihnen leben können
Wenn ich selbst
ein Palästinenser wäre
ich wäre wahrscheinlich ein Kämpfer
in Al Fatah
Palästinensische Flüchtlinge
Im großen Lager bei Gaza
die alten Männer
die ihre Füße
nicht mehr heben beim gehen
und die Frauen
mit ihrer ewigen Sorge:
Wie führt man einen Haushalt
in solchen Quartieren?
Und die Kinder a
mager und altklug
und auch wenn sie lachen
unsicher und
immer bereit zu fliehen
So sahen Juden aus
im Warschauer Ghetto
und in den Lagern
Aber die jungen Sabras*
haben die alten Bilder
kaum mehr gesehen.
Ist das ihr Glück
oder ist das ihr Unglück?
Zur Zeit der Verleumder
Sie nennen mich
Verräter an meinem Volk
Sie nennen mich
Jüdischer Antisemit
weil ich spreche von dem
was sie tun in Israels Namen
gegen Palästinenser
gegen Araber anderer Länder
und auch gegen Juden
die totgeschwiegen werden
Später einmal
werden Juden die übrigbleiben
wenn dieser Wahnsinn vorbei ist
zu suchen beginnen
nach Spuren von Juden
die nicht mittaten
sondern warnten
So haben Deutsche gezeit
nach dem Untergang Hitlers
auf Deutsche die tags zuvor
noch verfolgt wurden oder getötet
Die sollten nun Zeugen sein
daß Deutsche auch anders waren
Ob dann ein Wort
noch nachlebt
von meiner Warnung
Wichtiger aber:
ob dann in Palästina noch Juden leben
entronnene jener Vernichtung
die sie selbst herbeiführen halfen
durch ihr Unrecht
zu meiner Zeit?
Warum Palästinenser sich
nicht fügen
Die "Muselmanen"
das war in Auschwitz der Name
für die die sich fatalistisch
in alles fügten
wie gläubige Muselmanen
das angeblich tun
Die Muselmanen
versuchten nicht Essen zu stehlen
Sie waren nicht zornig
und kämpften nicht gegen ihr Schicksal
Sie hielten sich an die Vorschriften ihrer Vernichter
und starben willenlos nach wenigen Wochen
Das Wichtigste war
kein Muselman zu werden
Von den anderen die leben blieben
fanden nach Ende des Krieges
viele in Israel eine neue Heimat
Nun wurden die Palästinenser
im Gazastreifen
und in den Nachbarländern
in Lagern untergebracht
Wer kämpfte in diesen Lagern
gegen sein Schicksal
dem drohte von Israel Tod
durch Bomben und durch Napalm
oder im Gazasstreifen die nächtliche Selektion
der verdächtigen Widerstandskämpfer
die spurlos verschwanden
Israelische Sprecher erklären
sie wollen den Arabern
(sie meinen die Palästinenser)
weiter nichts antun
solang sie sich ruhig verhalten in ihren Lagern
und sich abfinden mit ihrem Schicksal
wie es Muselmanen geziemt
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