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Texte von Arn Strohmeyer

Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 


 

Weglassen, vertuschen und manipulieren

„1948. Die Ausstellung zur Staatsgründung Israels“ ist ein klassischer Fall von Geschichtsfälschung

Arn Strohmeyer

Der israelische Historiker Ilan Pappe schreibt über die offizielle Geschichtsschreibung des Staates Israel, die die Zeit um 1948 behandelt, sie sei geprägt von „einer tief sitzenden Angst vor einer Debatte über die Ereignisse von 1948, da Israels ‚Behandlung‘ der Palästinenser in jener Zeit zwangsläufig beunruhigende Fragen nach der moralischen Legitimität des gesamten zionistischen Projekts aufwerfen würde. Für Israelis ist es daher von entscheidender Bedeutung, einen starken Verleumdungsmechanismus aufrechtzuerhalten, der ihnen nicht nur hilft, die von den Palästinensern in den Friedensverhandlungen gestellten Forderungen abzuwehren, sondern auch – und vor allem – jede eingehende Debatte über den Charakter und die moralischen Grundlagen des Zionismus zu vereiteln.

Die Palästinenser als Opfer israelischer Taten anzuerkennen ist für Israelis in mindestens zweierlei Hinsicht zutiefst beunruhigend. Da eine solche Anerkennung bedeutet, sich dem historischen Unrecht zu stellen, das Israel mit der ethnischen Säuberung Palästinas 1948 begangen hat, stellt sie die Gründungsmythen des Staates Israel in Frage und wirft eine Fülle ethischer Fragen auf, die unausweichliche Folgen für die Zukunft des Staates haben.

Die Palästinenser als Opfer anzuerkennen, ist mit tief verwurzelten Ängsten verknüpft, da es von den Israelis verlangt, ihre Wahrnehmung der ‚Vorgänge‘ von 1948 in Frage zu stellen. Aus Sicht der meisten Israelis - und nach der Darstellung, die die israelische Mainstream- und Populärgeschichtsschreibung immer wieder verbreitet – konnte Israel sich 1948 als unabhängiger Nationalstaat auf einem Teil des Mandatsgebietes Palästina etablieren, weil es den frühen Zionisten gelungen war, ‚ein leeres Land zu besiedeln‘ und ‚die Wüste erblühen zu lassen‘.(…)

Was die Palästinenser verlangen und was für viele von ihnen eine conditio sine qua non wurde, ist, dass man sie als Opfer eines fortdauernden Unrechts anerkennt, das Israel bewusst an ihnen begangen hat. Das zu akzeptieren würde natürlich für israelische Juden ihren eigenen Opferstatus beschädigen. Es hätte politische Auswirkungen auf internationaler Ebene, würde aber auch – was vielleicht weitaus entscheidender wäre – moralische und existenzielle Auswirkungen auf die Psyche israelischer Juden zeitigen: Sie müssten sich eingestehen, dass sie zum Spiegelbild ihres schlimmsten Alptraums geworden sind.“ 

Das ist eine äußerst scharfe Kritik an der zionistischen Geschichtsschreibung. Aber sie bringt das Problem auf den Kern: Weil das Unrecht, das die Zionisten den Palästinensern zugefügt haben, so ungeheuer groß ist, müssen sie ihre eigene Geschichte verdrängen und sich in politisch bewusst geschaffene Mythen flüchten. Die Wahrheit würde das ganze zionistische Projekt in Frage stellen, wie Ilan Pappe schreibt. Mythen haben zwar mit der historischen Wahrheit nur sehr entfernt etwas zu tun (bisweilen haben sie einen historischen Kern), aber sie erfüllen wichtige Funktionen: Sie schaffen ein Zusammengehörigkeits- und Identitätsgefühl, was ein junger Staat wie Israel, dessen Bewohner aus der ganzen Welt zugewandert waren, dringend braucht. Der Zionismus musste zudem Mythen schaffen, weil sich historisch, anthropologisch und juristisch keine sicheren und überzeugenden Gründe für den Anspruch auf das Land Palästina finden ließen, denn Mythen haben in diesem Fall Rechtfertigungscharakter.

Der zionistische Staat Israel lebt von solchen künstlich erzeugten Mythen. So ging der Zionistenführer und erste Ministerpräsident Israels David Ben Gurion sogar so weit zu behaupten, dass ein starker Glaube an den Mythos ihn in Wahrheit verwandele.   Sein enger Berater Jitzhar verstieg sich sogar zu der Behauptung: „Ein Mythos ist nicht weniger wahr als Geschichte, er ist jedoch eine zusätzliche Wahrheit, eine andere Wahrheit, eine Wahrheit, die neben der Wahrheit besteht: eine nicht objektive menschliche Wahrheit, und doch eine Wahrheit, die zur historischen Wahrheit wird.“ Diese Sätze sind insofern „wahr“, als Menschen durchaus bei der gewaltsamen Durchsetzung von Zielen von Mythen motiviert sein können und sich dabei auf Mythen stützen – und eben dadurch historische Tatsachen schaffen.

Die israelische Geschichtsschreibung ist heute noch weitgehend von Mythen und Legenden bestimmt, das heißt, sie passt sich den ideologischen Vorgaben der zionistischen Ideologie an – etwa, dass die Juden ein „historisches Recht“ auf Palästina haben, weil es in einer fernen Vergangenheit ihre „eigentliche Heimat“ war; dass das Land „öde“ und „leer“ war, als die zionistischen Siedler dort ankamen und sie erst „die Wüste um Blühen“ gebracht haben; dass die palästinensischen Araber 1948 „freiwillig“ das Land verlassen haben, weil ihre Führer sie dazu aufgefordert haben; dass die jüdischen Einwanderer gewillt waren, friedlich mit den einheimischen Palästinensern zusammenzuleben, sich aber gegen deren ständige Gewaltausübung wehren mussten; dass Frieden möglich ist, wenn die Palästinenser denn wie Israel dazu bereit wären

Das sind alles zionistische Mythen, die gerade von israelischen Historikern längst widerlegt sind. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand eine neue Bewegung in der israelischen Geschichtswissenschaft, die sogenannten „neuen Historiker“, die kritisch und aufklärend gegen die Stereotypen und Klischees der zionistischen Geschichtsschreibung vorgegangen sind, was nicht zuletzt dadurch möglich wurde, dass die israelische Regierung wenigstens zum Teil Dokumente in den Archiven freigegeben hat. Aber auch die mündliche Befragung der letzten Überlebenden der Ereignisse hat hier eine bedeutende Rolle gespielt. Die wichtigsten Vertreter der neuen Historiker-Generation sind Simcha Flapan, Benny Morris, Ilan Pappe, Avi Shlaim und Tom, Segev, aber auch Shlomo Sand, Dan Diner und Moshe Zuckermann müssen dazu gerechnet werden. Sie alle haben wichtige Beiträge dazu geleistet, die zionistischen Mythen zu entmythologisieren.

Man kann hinter die Ergebnisse der Arbeiten dieser Historiker nicht mehr zurückgehen. Wenn Zweifel an den Resultaten ihrer Forschungen bestehen, muss man sie widerlegen. Von einem solchen rationalen Diskurs lebt die Wissenschaft und nur so macht man Fortschritte. Die Ausstellung „1948. Die Ausstellung zur Staatsgründung Israels“, die von einer Israel nahestehenden Organisation „DEIN e.V. Verein für Demokratie und Information“ (München) zusammengestellt wurde und in verschiedenen deutschen Städten gezeigt wird, genügt einem solchen Anspruch in keiner Weise. Sie nimmt die Arbeiten der neueren israelischen Geschichtswissenschaft überhaupt nicht zur Kenntnis, tut so, als gebe es sie gar nicht – und fällt so in eine von zionistischen Mythen bestimmte Geschichtsauffassung zurück.

Zwar werden im Begleitkatalog der Ausstellung hohe Ansprüche vorgebracht: Da ist im Vorwort davon die Rede, dass man in dem Gezeigten die Vergangenheit „korrekt“ beschreiben und sie nicht „verzerren“ wolle. Man versichert: „Was die 32 Tafeln der Ausstellung zeigen, überwindet weit verbreitetes Halbwissen, Vermutungen und Desinformationen im Zusammenhang mit der Staatsgründung Israels.“ Und: „Die Ausstellung ist ein historisches Korrektiv. Ihre Bedeutung geht aber weit über das Jahr hinaus. Sie bildet das Modell für eine erstrangige demokratische Verpflichtung: Bei Propaganda, Hassinformationen und Verzerrungen nicht zu schweigen.“

Das klingt gut, ist aber selbst reine Propaganda (hebräisch: Hasbara, die in der israelischen Politik eine große Rolle spielt), denn die Ausstellung wird den von ihr selbst gesetzten Kriterien in keiner Weise gerecht. Ganz im Gegenteil: Man wundert sich, mit welchen Geschichtsfälschungen die Organisatoren der Ausstellung an die Öffentlichkeit gehen. Offenbar ist es ihre Absicht, ein völlig uninformiertes und ahnungsloses Publikum anzusprechen, das solche Mythen und Legenden akzeptiert, ohne zu widersprechen.

Die Methode des Vorgehens ist kurz gesagt: weglassen, vertuschen, manipulieren. Es ist verblüffend, welche für den Palästina-Konflikt wichtigen Fakten im Katalog der Ausstellung, der immerhin 70 Din A4-Seiten umfasst, gar nicht vorkommen. Bei Zitaten werden grundsätzlich keine Quellen genannt, und die behaupteten Fakten – etwa Gewalt von Seiten der Palästinenser (israelische Gewalt gibt es nur als Verteidigung) – werden so gut wie nie in einen politischen oder historischen Kontext gestellt. Die Grundaussage ist: Die eingewanderten Juden sind friedfertig und versöhnlich, die Palästinenser gewalttätig und brutal.

Selbst die Ziele der eigenen Ideologie, des Zionismus, werden nicht genannt, obwohl es an historischen Dokumenten und Literatur über diese Bewegung nun wirklich nicht mangelt. Zahlen, etwa die Zahl der jüdischen Einwohner in Palästina in der Vergangenheit, sind ungenau oder stimmen nicht – natürlich aus gutem Grund und klarer Absicht: Man will belegen, dass der jüdische Anteil der Bevölkerung immer so groß war, dass er einen berechtigten Anspruch auf das Land hat.

Die Ausstellung ist wegen der israelischen Staatsgründung 1948 natürlich im Jahr 2018 – das Jubiläum 70 Jahre Israel – zeitlich genau platziert, sie soll mit Sicherheit aber auch ein Gegenstück zur Nakba-Ausstellung sein, die die ethnische Säuberung Palästinas durch die Zionisten im selben Jahr darstellte. Im Gegensatz zur jetzigen Ausstellung war ihre Vorgängerin wissenschaftlich exakt aufbereitet. Mir ist bei allen Vorwürfen der „Einseitigkeit“ gegen sie keine wissenschaftlich ernstzunehmende Widerlegung der Darstellung der Ereignisse des Jahres 1948 bekannt. Was auch damit zusammenhängt, dass sie sich auf die Arbeiten der oben genannten „neuen“ israelischen Historiker stützte, was den oft erhobenen Vorwurf des Antisemitismus besonders absurd machte.

Eine wirklich seriöse Widerlegung ihres Inhalts hat es nicht gegeben. Was man dagegen hielt, waren die altbekannten Mythen und Legenden, mit denen die Zionisten seit Jahrzehnten hantieren und die auch die jetzige „1948. Ausstellung“ prägen – Hasbara eben. Warum die Zionisten von diesen Mythen nicht herunterkommen, gibt das oben angeführte Zitat von Ilan Pappe in vorzüglicher Weise wider. Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Mehrheit der Deutschen neigt aber offenbar dazu, diesen zionistischen Mythen Glauben zu schenken, wohl aus dem Schuldgefühl heraus, das die furchtbare deutsche Vergangenheit der Hitlerzeit bei ihnen hinterlassen hat und das immer noch nicht rational aufgearbeitet ist. Und natürlich ist die Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf groß. In diesen Kontext gehört auch „1948. Die Ausstellung“.

Was diese Ausstellung sogar bedenklich, ja gefährlich macht, hat Ilan Pappe in Bezug auf die zionistische Geschichtsschreibung treffend so beschrieben: „Jeder Versuch zur Lösung eines Konflikts muss sich zuallererst mit dessen Kern auseinandersetzen und dieser Kern findet sich meistens in seiner Geschichte. Eine verfälschte oder manipulative Geschichte erklärt oft gut, warum ein Konflikt nicht beendet wurde, während eine wahrhaftige, umfassende Betrachtung der Vergangenheit zu einem dauerhaften Frieden und einer bleibenden Lösung beitragen kann. Wie die Untersuchung des Falls Israel/Palästina zeigt, kann eine falsch verstandene Geschichte der jüngeren oder ferneren Vergangenheit sogar noch direkteren Schaden anrichten: Sie kann die Unterdrückung, Kolonisierung und Besatzung von heute rechtfertigen. Es überrascht nicht, dass in solchen Fällen auch die Gegenwart verfälscht wird, ist sie doch Teil der Geschichte, deren Vergangenheit bereits entstellt wurde. Diese Täuschungen über Vergangenheit und Gegenwart verhindern das Verständnis des fraglichen Konflikts, erlauben eine Manipulation der Fakten und richten sich gegen die Interessen all jener, die Opfer des Konflikts sind.“

 

Eine kritische Aufarbeitung dieser Ausstellung bringt der Autor Arn Strohmeyer in Kürze unter dem Titel Ein klassisches Beispiel für Geschichtsfälschung. Wie eine Ausstellung das Gründungsjahr des israelischen Staates (1948) verzerrt darstellt. Eine Gegendokumentation als Buch heraus. Es erscheint Mitte September im Gabriele Schäfer Verlag Herne.

 

 

 

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