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Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 


 

Der Mythos von der Vertreibung der Juden aus den arabischen Ländern 

Im Zusammenhang mit der Nakba-Ausstellung werden historische Legenden verbreitet

 Arn Strohmeyer

 

Bei Diskussionen über die in verschiedenen deutschen Städten gezeigte Nakba-Ausstellung führen Israel-Sympathisanten führen regelmäßig das Argument an: Gut, Israel hat Hunderttausende von Palästinensern vertrieben (wenn nicht gar behauptet wird, sie seien „freiwillig“ gegangen), aber dafür hätten die Araber im Gegenzug Hunderttausende von Juden aus ihren Ländern vertrieben und diese Menschen hätte Israel aufnehmen müssen, was dem jungen Staat nicht leicht gefallen sei. Mit anderen Worten: Beide Seiten haben vertrieben und damit gleicht sich die Sache aus.

Hier handelt es sich eindeutig um einen Mythos. Einmal davon abgesehen, dass man ein Unrecht nicht mit einem anderen aufrechnen kann, die historische Wahrheit sieht ganz anders aus. Zwei Historiker - der Israeli Tom Segev und sein österreichisch-jüdischer Kollege John Bunzl - haben intensiv über dieses Thema gearbeitet und kommen zu ganz anderen Ergebnissen. Die Zionisten hatten im Krieg von 1948/49 große Gebiete erobert und die meisten der bis dahin dort lebenden palästinensischen Einwohner vertrieben. Dadurch waren große „entarabisierte“ Gebiete in den Machtbereich Israels geraten. Israel fehlte es daher an Menschen, denn durch den Völkermord an den Juden durch die Nazis blieben Millionen Menschen aus - vor allem osteuropäische Juden - , die für die Besiedlung eigentlich vorgesehen waren. Juden aus anderen Teilen der Welt zeigten aber wenig Interesse, in den neuen Staat überzusiedeln.

Einwanderer aus den islamischen Staaten zu gewinnen, war also ein vorrangiges Projekt des jungen Staates Israel. Ministerpräsident Ben Gurion formulierte das 1949 so: „Wir haben Gebiete erobert, aber ohne Besiedlung haben sie keinen entscheidenden Wert, weder im Negev noch in Galilea noch in Jerusalem. Besiedlung ist erst die wirkliche Eroberung. Tausende Jahre waren wir eine Nation ohne Staat. Jetzt besteht die Gefahr, dass wir ein Staat ohne Nation werden.“

Der Historiker Halevi schreibt dazu: „Vor diesem Hintergrund beschließen die Führer der Arbeiterzionisten des Jischuw, mit allen Mitteln die Juden der mohammedanischen Länder Nordafrikas und des Mittleren Ostens kommen zu lassen. (...) Aus Marokko, Algerien, Tunesien, Lybien, Ägypten, dem Jemen, Irak Syrien und dem Libanon (...) trafen zwischen 1948 und 1967 eine Million ‚arabischer’ Juden in Palästina ein, wo sie (...) den leeren arabischen Raum bevölkerten. Als Minderheit unter dem Juden der ganzen Welt wurden die Juden ‚Afrikas und Asiens‘, wie sie der offizielle israelische Sprachgebrauch bezeichnet, zur Mehrheit im Staat Israel.“

Es gab aber auch direkte politische Gründe, die Einwanderung orientalischer Juden zu befördern: Ben Gurion wollte sie im Lande haben, um die Armee zu stärken. Und Menachem Begin wünschte ihre Einwanderung, weil er glaubte, dass „diese unwissenden und primitiven“ Massen ihn und seine rechte Herut-Partei schneller an die Macht bringen würden.

Um Juden in den islamischen Staaten zur Einwanderung nach Israel zu überreden, sandte Israel Agenten aus, die bei den jeweiligen Regierungen Ausreisegenehmigungen für die Juden erreichen sollten. Die Methoden, mit denen diese Agenten arbeiteten, waren nicht immer legal. So wurden an Beamte und Mitglieder der Regierungen hohe Summen gezahlt - Nuri Said, der Schah des Iran und die Sultane des Jemen kamen auf die Gehaltsliste des Mossad. Wenn Geld nicht die gewünschte Wirkung erzielte, entwickelten zionistische Stellen das Interesse, die Lebensbedingungen der jüdischen Minderheiten in diesen Staaten zu verschlechtern.

Jitzak Ben-Menahem, eine Agent, der in arabischen Ländern viele Operationen ausgeführt hatte, schrieb: „Massenauswanderung wird nur als Folge von Bedrängnis eintreten. Das ist die bittere Wahrheit, ob es uns passt oder nicht. Wir müssen daran denken, die Bedrängnis zu initiieren, sie in der Diaspora herbeizuführen.“ Und Ben Gurion bemerkte: „Selbst Juden, die [ihre Wohnorte] nicht verlassen wollen, müssen gezwungen werden zu kommen.“

Dabei war man sich in Israel sehr wohl bewusst, dass die Einwanderung der Juden aus den islamischen Ländern viele Probleme schaffen würde, denn der Bildungsstandard dieser Menschen war sehr niedrig. In einem israelischen Zeitungsartikel hieß es 1949: „Die Primitivität dieser Leute ist unübertreffbar. Sie haben fast überhaupt keine Erziehung, schlimmer noch ist ihre Unfähigkeit, irgendetwas Intellektuelles zu verstehen. In der Regel sind sie nur etwas weiter als Araber, Neger und Berber. Das Niveau liegt bestimmt unter jenem der vormaligen palästinensischen Araber.“ Aber man brauchte diese Menschen als Landarbeiter, die die palästinensischen Araber ersetzen sollten. Diese Einwanderer wurden wegen ihrer Fremdartigkeit in Israel auch mit Bestürzung und Feindseligkeit empfangen.[i] Ben Gurion verteidigte die Notwendigkeit ihres Kommens aber, er verglich sie mit den Schwarzen, die als Sklaven nach Amerika geholt wurden.

Der israelische Historiker Tom Segev spricht in seinem Buch „Die ersten Israelis“ nur von „Einwanderung“ der orientalischen Juden. Das Wort „Vertreibung“ benutzt er nur ein einziges Mal - im Zusammenhang mit dem Irak. Aber dort war die Situation sehr kompliziert und Segev belegt, dass die zionistischen Agenten bei der „Vertreibung“ der irakischen Juden kräftig nachgeholfen haben. Auf jeden Fall ist die These der zionistischen Geschichtsschreibung, dass die Sehnsucht dieser Menschen nach dem Heiligen Land und die grausame Verfolgung dort sie zum Verlassen des Landes bewogen hätten, nicht haltbar. Segev beschreibt eine sehr aktive Tätigkeit von Mossad-Agenten im Irak, ja spricht sogar von einem „zionistischen Untergrund“. Es seien nur Juden im Irak verfolgt worden, die mit diesen Untergrundtätigkeiten zu tun gehabt hätten.

1950 beschloss das irakische Parlament ein Gesetz, alle Juden auswandern zu lassen. Segev bringt diesen Beschluss mit „Vertreibung“ in Verbindung, fügt aber hinzu, dass das Gesetz, das die Juden zwang, das Land zu verlassen, eine Folge der subversiven Arbeit des Mossad war. Bei einem Bombenanschlag in Bagdad kamen im Januar 1951 vier Juden ums Leben. Die Täter wurden nie ermittelt, aber Gerüchte gaben dem Mossad die Schuld. Der Anschlag sollte die Juden in Panik versetzen und zur Auswanderung bewegen.

Mit dem Jemen schloss Israel ein Abkommen über die Auswanderung der Juden. Sie wurden zum Exodus überredet, indem man in diesen sehr ungebildeten Menschen messianische Hoffnungen weckte. So glaubten viele, dass es sich bei Israel um ein neues Königreich Davids handele, weil der Regierungschef David Ben Gurion heiße. Die jemenitischen Juden wurden mit einer Luftbrücke nach Israel gebracht, wobei sie die weißen Flugzeuge für die „fliegenden weißen Esel des Messias“ hielten.

In Ägypten herrschte eine ganz andere Situation. Hier hatten islamistische und nationalistische Strömungen seit den vierziger Jahren das Leben von nicht-ägyptischen Minderheiten erschwert - nicht nur von Juden, sondern auch von Europäern, koptischen Christen und Griechen. Ab Juli 1954 belastete ein von einem israelischen Spionagering begangener Anschlag in Kairo die Beziehungen zwischen der ägyptischen Regierung und den Juden schwer. Die israelischen Agenten hatten Bomben in britischen und amerikanischen Informationszentren, britischen Kinos und ägyptischen öffentlichen Einrichtungen hochgehen lassen. Ziel des Anschlages war es, „das Vertrauen des Westens in das derzeitige ägyptische Regime zu untergraben.“

Die Briten verhandelten damals mit Ägypten über die Evakuierung der Kanalzone. Die Amerikaner wollten Ägypten Waffen liefern. Es war sogar ein amerikanisch-ägyptisches Bündnis im Gespräch. Israel führte zunächst eine Kampagne, um den Ägyptern die Anschläge „als ein anti-jüdisches abgekartetes Spiel“ in die Schuhe zu schieben. Schließlich kam aber auch in Israel die Wahrheit heraus, dass eine Gruppe im Sicherheitsestablishment die Anschläge ausgeheckt hatte.

Als Israel dann im Oktober 1956 im Suezkrieg zusammen mit Großbritannien und Frankreich Ägypten angriff, verfügte die ägyptische Regierung Massenausweisungen. Rund 100 000 Juden verließen das Land. Aber auch Angehörige anderer Staaten - Griechen, Italiener, Franzosen und Briten - mussten Ägypten verlassen. Die Juden hatten aber auch unter den Folgen der panarabisch-islamischen Ägyptisierung von Wirtschaft und Verwaltung und den Auswirkungen des Palästina-Konfliktes zu leiden. Bunzl betont ausdrücklich: „Die antijüdischen Maßnahmen lagen weder in einer ‚ewigen‘ muslimischen Feindschaft antisemitischen Typs noch in der Haltung der Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung begründet - diese war bis in die Mitte das 20. Jahrhunderts durchaus ‚tolerant‘.

Segev notiert denn auch, dass es für die orientalischen Einwanderer in Israel viele Motive gab, ihre alte Heimat zu verlassen. Es gab persönliche, politische und religiöse Gründe. Er schreibt: „Einige Juden wanderten spontan aus. Sie weil sie schikaniert und verfolgt wurden, sei es wegen ihrer zionistischen oder religiösen Überzeugungen. Andere kamen wegen der Propaganda nach Israel, die von Vertretern des Zionismus in ihren Ländern verbreitet wurde. Einige schlossen sich einfach den emigrierenden Massen an, und manche verschlug es tatsächlich gegen ihren Willen nach Israel.“ Aber eins kann man mit Sicherheit sagen: Eine der ethnischen Säuberung, also der Nakba der Palästinenser 1948/49 entsprechende Vertreibung der Juden aus den islamischen Ländern hat es nicht gegeben.

 

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