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Das Palästina Portal

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Texte von Arn Strohmeyer

Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 

Abgesang auf die Antideutschen

Der Historiker Gerhard Hanloser hat ein wichtiges Buch über diese „linke“ Bewegung geschrieben, die sich als „ideologiekritisch“ versteht, in Wirklichkeit aber rechte Ideologie produziert und die totale Identifizierung mit Israel verlangt

Arn Strohmeyer - 3.12.2019  

Bei der Lektüre von Gerhard Hanlosers Buch „Die andere Querfront. Skizzen des antideutschen Betrugs“ kommt einem der Vers aus Heinrich Heines „Deutschland ein Wintermärchen“ in Erinnerung, in denen es – in Prosa übersetzt – heißt: Während den anderen Völkern Europas (England und Frankreich) das Land gehört, „besitzen die Deutschen im Luftreich des Traums unbestritten die Herrschaft.“ Das ganze Ideologie-Gebäude der Antideutschen muss man in diesem Sinn verstehen: als eine Ansammlung von Irrationalismus, Nonsens und Inhumanität, die aber dennoch äußerst gefährlich ist.

Denn diese abgehobene und marginale intellektuelle Bewegung, von der die meisten Deutschen noch nie etwas gehört haben dürften, hat es geschafft, das Thema Antisemitismus so zu besetzen, dass sie mit Unterstellungen, Denunziationen und Rufmord, bestimmen kann, wer in diesem Land als Antisemit zu gelten hat und wer nicht. Wobei ihr natürlich ähnlich gesinnte Gruppen tatkräftig zur Seite stehen. Da bleibt dann in sehr vielen Köpfen etwas hängen, und niemand fragt dann nach der Absurdität der verbreitenden Quelle oder nach der Stichhaltigkeit des Antisemitismus-Begriffs, den diese Leute verwenden.

Gerhard Hanloser zieht denn auch gleich auf der ersten Seite seines Buches eine vernichtende thesenartige Bilanz seiner Recherchen über diese Bewegung, die er dann mit seinem Text im Detail belegt. Er schreibt über die Antideutschen, deren Vertreter so gut wie alle ursprünglich „Linke“ waren, inzwischen politisch-weltanschaulich aber auf die äußerst rechte Seite gerückt sind: „Wer betrügt, irrt nicht, ihm ist jegliche Legitimität seines Anliegens abzusprechen. Weder taugen die Antideutschen als Kritiker/innen deutscher Verhältnisse, noch ist von ihnen irgendein kluger Gedanke zu erhaschen oder eine Theorie über die hiesigen oder gar internationalen Entwicklungen zu entnehmen; schon gar nicht über den Antisemitismus, den sie laufend beschwören. Sie sind mittlerweile Bestandteil eines politische Lager übergreifenden, Bürger- wie Staatenkriege bejahenden Blocks, der jeglicher Emanzipation, jeglichem Aufbruch, ja selbst der Verhinderung des Schlimmsten, das heißt einer autoritär-rechten Formierung von Gesellschaft und Staat, entgegensteht.“

Hanloser deutet hier schon den Weg an, den die Antideutschen genommen haben: aus linken Nach-68er-Gruppen (die meisten aus dem KB) mit einem immerhin noch ansatzweise emanzipatorischen Anspruch zu einer den Kapitalismus und seine Kriege bejahenden Bewegung. Am Anfang stand dabei noch die verständliche Angst, dass aus der deutschen Wiedervereinigung nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Sowjetimperiums ein „Viertes Reich“ hervorgehen könnte, daher auch ihr Name „Antideutsche“. Auch Günter Grass hatte sich ähnlich geäußert: dass nach Auschwitz eine Neuformierung eines wiedervereinigten Deutschland ein Unding sei, weil die deutsche Teilung die gerechte Strafe für Auschwitz sei; er befürchtete einen neuen deutschen Großmachtchauvinismus.

Die Antideutschen zogen aus dem Zustandekommen der deutschen Einheit aber noch radikalere Schlüsse. Man müsse wegen des Holocaust gegen Deutschland sein, darin stimmten sie mit Grass noch überein, sie leiteten aus dem deutschen Mega-Verbrechen dann aber die Hauptmaxime ihrer ganzen Bewegung ab: eine bedingungslose Solidarität, ja die totale Identifizierung mit Juden bzw. Israel. Die Kette der Schlussfolgerungen fand hier aber nicht ihr Ende. Denn die nicht hinterfragbare Solidarität mit Juden und Israel  musste – nach ihrem Verständnis des Nahost-Konflikts – zu einem abgrundtiefen Hass auf die Palästinenser bzw. alle Araber und Muslime führen, weil diese Israel ja angeblich bedrohen.

Der Golfkrieg 1991 gegen den Irak Saddam Husseins und der Anschlag auf das World Trade Center in New York (9/11) und die anschließenden „Anti-Terror-Kriege“ der USA fanden die volle Unterstützung der Antideutschen, was wiederum dazu führte, dass sie fanatische Anhänger der führenden Weltmacht USA und ihres kapitalistischen Wirtschaftssystems wurden. Was wiederum zur Folge hatte, dass jede Kritik am Kapitalismus und seines Finanzsystems als „Antisemitismus“ verleumdet wurde. Da die Kritik am Kapitalismus in erster Linie von der Linken kommt, wurden die Vertreter dieser politischen Richtung (einschließlich Menschenrechtler und Vertreter der Friedensbewegung) zum „antisemitischen“ Feind erklärt.

Linke, wenn sie denn wirklich welche sind, denken eigentlich universalistisch, also internationalistisch und damit humanistisch und können so gesehen gar keine Antisemiten sein. Aber die ideologischen Purzelbäume der Antideutschen machten es möglich: Aus den ursprünglichen Kritikern und Gegnern des Kapitalismus wurden fanatische Verteidiger des Kapitalismus und seines neoliberalen Geistes. Ihr Hauptaugenmerk galt und gilt also inzwischen der Erhaltung dieser Wirtschaftsordnung, was natürlich automatisch eine Delegitimierung jeder Kritik am Neoliberalismus bedeutet, und damit ein mit allen Mitteln – auch verleumderischen und denunziatorischen – geführter Kampf gegen die vermeintlichen „Antisemiten“ auf der linken Seite des politischen Spektrums.

Gerhard Hanloser beschreibt die politische Entwicklung und die ideologischen Verrenkungen der antideutschen Bewegung mit großer Ausführlichkeit, wobei am meisten die ideologischen Rechtfertigungen der Antideutschen verwundern, bezeichnen sie sich ja bis heute als „Ideologiekritiker“. Der Begriff Ideologiekritik stammt von Karl Marx und soll die mangelnde Übereinstimmung von Denken und Sein aufzeigen, also die Ursachen dieser Diskrepanz analysieren. Was heißt: die Ideologiekritik soll die gesellschaftlichen Verhältnisse aufdecken, die dem Denken Schranken setzen, soll also die herrschende Ideologie einer Gesellschaft entlarven. Da die Antideutschen sich von einer solchen kritischen Sicht weit entfernt hatten, suchten sie Zuflucht bei der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule.

Aber auch da konnten sie nicht andocken, denn auch Theodor W. Adorno und Max Horkheimer waren ja entschiedene Kritiker des Kapitalismus. Ihr Ideologiebegriff geht davon aus, dass der Kapitalismus einen Warenfetischismus erzeugt, die Verhältnisse und Beziehungen der Menschen untereinander also nur noch Warencharakter haben. Auch die Ausbeutung des Lohnarbeiters sehen sie als keineswegs aufgehoben an. Die Ideologie erfüllt also eine Rechtfertigungsfunktion, sie bestätigt und kaschiert bestehendes Unrecht mit Idealen und Theorien der Gerechtigkeit. Die Ideologiekritik hat demnach die Aufgabe, die von der Ideologie verdecke Ungerechtigkeit zu entlarven. Die Antideutschen decken und klären aber nicht auf, sondern produzieren selbst eifrig Ideologie. Der israelische Sozialwissenschaftler und Philosoph Moshe Zuckermann, der selbst bei Adorno und Horkheimer studiert hat, kann sich auf beide Frankfurter Denker in seiner Kritik an den Antideutschen berufen, wenn er sagt, dass die beiden Sozialphilosophen auch schon das Phänomen gründlich untersucht haben, dass Bewegungen mit einem ursprünglich emanzipativen Anspruch in ihr poltisch-weltanschauliches Gegenteil umschlagen können. Zuckermann merkt an, dass sich  die beiden kritischen Denker im Grabe umdrehen würden, wenn sie noch realisieren könnten, was da mit ihrem Gedankengut getrieben würde.  

Hanloser schreibt zu der ständigen „Aussonderung“ von Ideologie bei den Antideutschen: „Ab 1991, als die Welt nach dem Ende der Kalten-Kriegs-Ordnung in eine neue chaotische Phase eintrat und vornehmlich die USA als Hegemonialmacht mit meist gescheiterten ‚Weltordnungskriegen‘ auftraten, waren die ‚Antideutschen‘ mit diversen Kriegslegitimationsideologien zur Stelle. Von marxistischen und imperialismustheoretischen Ansätzen verabschiedete man sich, um im Nirgendwo einer haltlosen ‚Kritik‘ im Trüben zu fischen, hauptsächlich projektiv zu agieren und die Linke mit Polemik zu überziehen.“

Mit einem Zitat von Matthias Küntzel, einem der tonangebenden Ideologen der antideutschen Bewegung, belegt Hanloser das eindimensional auf Antisemitismus ausgerichtete Weltbild der Antideutschen: „Welche Verheerungen der Antisemitismus auch über nicht-jüdische Bevölkerungsteile zu bringen vermag, zeigen nicht nur die Fotos deutscher Großstädte von April 1945, sondern auch die innenpolitischen Zustände in Gaza oder Iran.“

Hanloser interpretiert diese Passage so: „Dieser Satz ist paradigmatisch in mehrerer Hinsicht: Er zeigt, wie stark für Küntzel der Antisemitismus alles erklärt und letztlich für alles und überall verantwortlich ist, womit andere Realitäten, Fragen der Ökonomie, Krieg, Imperialismus oder postkoloniale Besatzungspolitik beispielsweise ausgeblendet werden. Der Zweite Weltkrieg und der NS-Faschismus werden auf Antisemitismus reduziert, genauso wie die ökonomische und soziale Lage Gazas oder des Iran. Diese Überblendungs- und Überschattungsstrategie ist konstitutiv für einen im Kern unkritischen und apologetischen Anti-Antisemitismus, der sich mit der Betonung eines ‚neuen Antisemitismus‘ hervortut und dabei die Besatzungsrealität [in Israel/Palästina) weitgehend ausklammert.“

An anderer Stelle schreibt Hanloser: „In eine beispiellosen Diskursverkehrung wird die Linke zur Antisemitin gemacht und der antilinks disponierte Verteidiger der herrschenden Ordnung hat als Antisemitenjäger seine Performance und präsentiert sich zuweilen mit Kippa.“ An diesem Punkt haben auch andere Kritiker der antideutschen Bewegung stets angesetzt. So bezeichnet der Israeli Moshe Zuckermann das Vorgehen der Antideutschen gegen „linke Antisemiten“ als „verlogen“, „perfide“ und „denunziatorisch“. Dem Antisemitismus-Vorwurf werde heute so gut wie alles unterworfen. Jeder und jede, die sich im öffentlichen Raum bewegen, könnten das Opfer werden. Scharfrichterliche Gesinnungspolizisten wachten darüber, dass das reine Antisemitismus-Dogma – so wie es vor allem diese Israel-Lobby versteht – auch eingehalten wird. Der wirklich vorhandene und zu bekämpfende Antisemitismus verschwinde dabei völlig hinter der Verwässerung des Begriffes und seiner zunehmenden Entleerung. Der keulenartig vorgebrachte Antisemitismus-Vorwurf sei inzwischen so wirkmächtig, dass viele schon im Voraus – eingeschüchtert – in vorauseilendem Gehorsam einknicken würden, obwohl sie sich gar nichts vorzuwerfen hätten. Aber das Sich-Verteidigen und In-Abrede-Stellen nütze nichts, es werde dann eben als Beweis für unbewussten Antisemitismus gedeutet. Soweit Moshe Zuckermann.

Was bewegt junge deutsche Intellektuelle – noch dazu ehemalige Linke – sich einer so „verroteten“ Weltsicht (Hanloser) und dem dazu passenden denunziatorischen Vorgehen zu verschreiben, das stark an den McCarthysmus in den fünfziger Jahren in den USA erinnert? Die Antwort kann nur in einer ganz offensichtlich misslungenen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit liegen – darin sind sich der Deutsche Hanloser und der Israeli Zuckermann einig. Hanloser zitiert das aufschlussreiche „Läuterungserlebnis“ des schon erwähnten antideutschen Ideologen Matthias Küntzel: Er sei in den frühen 80er Jahren noch Antizionist gewesen. In einem Bus in New York sei er mit einer jungen Frau ins Gespräch gekommen. Er habe sich als Deutscher vorgestellt, sie habe geantwortet, dass sie Jüdin sei. Dieser Satz habe ihn wie ein Schlag getroffen. Er habe daraufhin mit der Frage geantwortet, warum die Israelis die Palästinenser so grauenhaft behandelten. Später habe er dann verstanden, dass die Jüdin ihn offenbar mit seinen virulenten Schuldgefühlen konfrontiert habe und er sei reflexhaft zum Gegenangriff übergegangen. Was, so kann man nur vermuten, bei ihm neue Schuldgefühle ausgelöst hat.

Küntzel will durch dieses Erlebnis seine Schuldverstrickung verstanden haben, und sie treibt ihn auf die Seite Israels und zur Identifikation mit diesem Staat und gegen den „neuen islamischen Faschismus“. Ganz ähnliche Prozesse müssen die anderen Anhänger der antideutschen Bewegung durchgemacht haben, um mit ihrem Schuldgefühl fertigzuwerden. Hanloser führt als Gegenbeispiel den 68er Dieter Kunzelmann an, den sein Schuldgefühl auf die palästinensische Seite und zur Al Fatah trieb. Den einen (Küntzel) zog es also aus demselben Schuldgefühl heraus „zu kriegerisch gestimmten globalen Werten“, die die totale Identifikation mit Israel bedeuteten; den anderen (Kunzelmann) trieb es „zum antiimperialistisch-kämpferischen Weltgefühl für die Schwachen.“ Mit ihrem Engagement im Nahost-Konflikt versuchten sie beide, ihre Schuldgefühle zu bewältigen. Aber beide Wege  sind Sackgassen, sinnlos und ohne Perspektive.

Aber sind das die einzigen Schlussfolgerungen, die man aus dem deutschen Mega-Verbrechen ziehen kann? Muss man wie die Antideutschen auf einem so inhumanen (human nur für Juden!) und anti-emanzipatorischen Weg landen, der die realen Verhältnisse völlig auf den Kopf stellt, weil er die von den Zionisten vertriebenen und unterdrückten Palästinenser als „judenmordende Volksgemeinschaft Palästina“ denunziert, sie also ausschließlich als „Terroristen“ und „neue Nazis“ sieht, wie das in Israel üblich ist. Auch dem Islam bzw. dem Islamismus werden Gemeinsamkeiten mit der NS-Ideologie unterstellt, was letztlich zu einem projüdischen antiarabischen Rassismus führt. Wäre als dritte Möglichkeit, Schlussfolgerungen aus dem Holocaust zu ziehen, nicht auch das Bekenntnis zu den universellen Menschenrechten denkbar, das alle Menschen dieser Erde gleichermaßen in die Pflicht nimmt, damit alles getan wird, Verhältnisse zu schaffen, dass Auschwitz sich nicht wiederhole (Adorno).

Der Israeli Moshe Zuckermann stellt denn auch in Bezug auf die Antideutschen und ihren richtigen Umgang mit der deutschen Vergangenheit die richtigen Fragen und kommt auch zu überzeugenden Antworten. In diesem Punkt hält sich Hanloser eher zurück. Zuckermann fragt, mit welchem Israel sich die Antideutschen identifizieren und antwortet: Es ist ein abstraktes, seiner Wirklichkeit quasi enthobenes Israel, das man sich als ideologische Zufluchtstätte zurechtkonstruiert hat, dabei werden die Verbrechen Israels an den Palästinensern aber völlig ausgeklammert. Die Antideutschen nehmen also Israel in seiner Realität gar nicht wahr, dieser Staat ist für sie nur eine Projektionsfläche ideologisch verformter deutscher Befindlichkeiten.

Zuckermann fragt: „Sollte sich etwa die abstrakte Solidarität mit einem völkerrechtlich verkommenen und verbrecherischen Israel als eine psycho-ideologisch motivierte Entlastung der historischen Schuld der Deutschen erweisen? Man misst diese Möglichkeit normalerweise der deutschen Solidarität mit den Palästinensern bei. Muss man nicht annehmen, dass sie sich viel gravierender, wenngleich auch glänzend kaschiert, in der überbordenden Solidarität mit dem Judenstaat niedergeschlagen hat?“ Totale Identifizierung mit Israel also, um das eigene Schuldgefühl abzutragen. Der Fall Matthias Küntzel belegt Zuckermanns These.  

Aber Zuckermann belässt es nicht dabei, er geht noch einen Schritt weiter. Da die Antideutschen keine Skrupel haben, auch Juden als „Antisemiten“ zu denunzieren, wenn sie der Politik Israels kritisch gegenüberstehen, (Zuckermann ist selbst ständig ein solches attackiertes Ziel der Antideutschen), sieht der Israeli hier „ein bis zur Perversion verkommenes deutsches Befindlichkeitsproblem“, ja „Hitlers verlängerten Arm“ in Aktion. Er konstatiert deshalb bei vielen Deutschen und natürlich auch bei den Antideutschen „ein Residuum eines latent antisemitischen Ressentiments, das sich – im heutigen Deutschland tabuisiert – neue Wege und Bahnen der legitimen Manifestation sucht. Nur Antisemiten können Juden als Antisemiten besudeln, um sich selbst von der erbärmlichen Unwirtlichkeit ihres deutschen, allzu deutschen Antideutschseins zu erlösen.“ Die gnadenlosen Antisemitenjäger also selbst als verkappte Antisemiten, weil sie mit ihrem Schuldgefühl nicht fertig werden!

Gerhard Handloser geht in seinem Buch nicht so weit, eine solch exakte Analyse kann wohl auch nur ein selbst betroffener Jude oder Israeli wie Zuckermann vornehmen. Aber sie trifft den Kern und führt die antideutsche Ideologie zugleich völlig ad absurdum. Hanlosers Buch ist denn auch neben der exzellenten Darstellung der Geschichte der antideutschen Bewegung und der gelungenen Analyse ihrer verqueren Ideologie zugleich ein Abgesang auf diese Bewegung. Sie hat ihre „beste“ Zeit längst hinter sich.

Dennoch – und auch darauf geht der Autor ausführlich ein – hat diese marginale Bewegung ihre nachhaltigen giftigen Spuren in der deutschen Gesellschaft hinterlassen. Ihr völlig undifferenzierter und denunziatorischer Antisemitismus-Begriff, der keinen Unterschied zwischen Judentum, Zionismus und Israel und damit auch nicht zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Israel-Kritik kennt, wird auch regierungsoffiziell, in den Parteien und vielen Institutionen und Organisationen sowie den deutschen Leitmedien geteilt. Die Grenzen verwischen sich da. Ohne diese Unterstützung im Rücken wären die Antideutschen wohl völlig bedeutungslos geblieben. Man hat eben dasselbe Problem mit der nicht aufgearbeiteten deutschen Vergangenheit und kompensiert das mit einem überzogenen Philosemitismus.

Hanlosers Buch leistet mit der Dekuvrierung der antideutschen Bewegung einen wichtigen Beitrag über den Zerfall kritischen Denkens und damit auch über die Krise der Demokratie in diesem Land.   3.12.2019  

Gerhard Hanloser
Querfront.
Skizzen des antideutschen Betrugs

Münster 2019 -  ISBN 978-3-89771-273-7  - 18 Euro

 

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