oo
 

 

Palästina Portal

 

NEU ERSCHIENEN

#########

Das unheilvolle Dreieck.
Deutschland, Israel und die Palästinenser

Plädoyer für eine andere Nahostpolitik
Arn Strohmeyer
Mehr über das Buch >>>

Wer rettet Israel?
Ein Staat am Scheideweg
Arn Strohmeyer
Mehr zum Buch >>>

 

 

TRANSLATE

 

Eine moralische Bankrotterklärung
Die arabischen Aufstände düpieren den Westen und vor allem Israel

Arn Strohmeyer

Die Revolutionen in Ägypten und Tunesien sind noch in vollem Gange, aber eins machen sie bereits deutlich: Die Politik des Westens gegenüber den arabischen Staaten war und ist auf Sand gebaut. Und der Kreuzritterstaat Israel gerät in noch schwereres Fahrwasser, ja, er steht vor einer noch ungewisseren Zukunft als vor der gegenwärtigen Krise ohnehin schon. Kreuzritterstaaten definieren sich dadurch, dass sie nur auf die direkte Kraft ihrer Waffen setzen, aber nie wirklichen Frieden mit ihren Nachbarn suchen. Seit über 120 Jahren siedeln Zionisten in Palästina, seit 63 Jahren gibt es den Staat Israel, aber er ist bis heute ein Fremdkörper in der Region geblieben, der sich stets geweigert hat, sich in seine Umgebung politisch zu integrieren. Jeff Halper hat in seinem neuen Buch „Ein Israeli in Palästina“ auf mehreren Seiten die ernst gemeinten Friedensangebote aufgezählt, die die Araber Israel gemacht haben. Der jüdische Staat hat sie alle abgelehnt, sie nicht einmal zur Kenntnis genommen.

Israel gefällt sich lieber weiter in der Opfer-Rolle, behauptet, den Nahost-Konflikt gebe es nur, weil die Araber die Juden hassten (über das Warum wird natürlich geschwiegen!). Die Araber seien Terroristen und wollten sie vertreiben. „Die ganze Welt ist gegen Israel“ - und deswegen mauert es sich in seiner Masada-Festung ein und setzt allein auf militärische Stärke. Das ist lange gut gegangen, aber dieser Politik wird nun durch die arabischen Aufstände der Boden entzogen. Egal wie die Dinge sich dort weiter entwickeln, egal wer dort die Macht ergreifen wird - die Zeit der dem Westen und Israel wohlgesinnten und treu ergebenen Despoten ist abgelaufen. Die Zustände dort werden nie mehr so sein, wie sie einmal waren. Die Araber sind die Abhängigkeiten, Demütigungen und Erniedrigungen durch den Westen und ihre diktatorischen Helfer leid, werden selbstbewusst und wollen ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Vor allem aber wollen sie nicht weiter von ihren eigenen korrupten Eliten ausgeplündert werden. Wer kann es ihnen verdenken? Die alten Mächte sind am Ende. Im Nahen Osten - so viel ist sicher - werden die Karten völlig neu gemischt.

Und Israels zionistische Elite, die sich des Rückhalts des Westens so sicher ist, hat sich seit Theodor Herzls und Wladimir Zeev Jabotinskys Zeiten als „Vorposten der Zivilisation“ gegen die „Barbaren“ (die Araber) verstanden und hat auch die Mauer gegen diese „Flut“ gebaut, von der diese beiden Männer schon damals träumten. Aber wie falsch diese Ideologie des Sich-Abschottens war, zeigt sich nun: Israel wird jetzt und in Zukunft noch isolierter im Nahen Osten dastehen. Denn dieser Staat hat nie den Frieden mit seinen Nachbarn gesucht, er wollte immer nur deren Land. Israel ruft nun verzweifelt den Westen auf, alles zu tun, dass die arabischen Diktatoren an der Macht bleiben, weil Israel sich nur sicher fühlen kann, wenn diese von Amerika und Europa freigehaltenen Despoten ihre Pfründe behalten und weiter gegen ihre Völker regieren.

Das ist eine moralische Bankrotterklärung, wie sie selten eine Politik erlebt hat! Die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ ( wie stolz hat man diesen Titel immer wieder propagandistisch hinausposaunt!) wehrt sich nun dagegen, dass die Völker um sie herum sich emanzipieren und selbst Demokratien werden! Menschenrechte, Demokratie und Selbstbestimmung für 80 Millionen Ägypter? Das gilt es mit allen Mitteln zu verhindern, wenn es um die Sicherheit Israels geht! So die Meinung der Führung in Israel. Netanjahu und Peres nehmen da kein Blatt vor den Mund.

Da gab es vor einigen Jahren einen amerikanischen Präsidenten, der wollte den Nahen Osten mit Demokratie beglücken - mit militärischer Gewalt versteht sich, wie im Irak praktiziert. Das Land versank im Chaos und hat sich bis heute noch nicht von der amerikanischen Beglückungsaktion erholt. Derselbe Präsident gestand den Palästinensern sogar freie Wahlen zu, aber es gewannen die Falschen, weshalb man sie hinter großen Mauern und Stacheldrahtzäunen einfach weggesperrt hat.

Auch dieses Schicksal der arabischen Brüder spielt sicher eine Rolle, wenn die Ägypter und Tunesier - andere werden vermutlich folgen - nun nicht mehr warten wollen. Sie nehmen sich einfach ihr gutes Recht auf Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung, ohne in Washington, Brüssel, Berlin oder Jerusalem um Erlaubnis nachzusuchen. Nicht auszudenken, was es für das Selbstbewusstsein der islamischen Welt bedeuten würde, wenn diese Revolutionen gelingen würden.

Der Westen steht vor dem Scherbenhaufen seiner Nahost-Politik. Er kann nur noch reagieren, aber nicht mehr agieren. Wenn man immer von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung redet, aber in der praktischen Politik das Gegenteil tut, nämlich aus sehr eigennützigen Gründen arabische Despotieen am Leben erhält, nennt man das schlicht Heuchelei. Und Israel wird sich angesichts der aktuellen Entwicklungen noch mehr in seine Wagenburg zurückziehen und sich noch mehr von außen bedroht fühlen. Kein gutes Vorzeichen für das Überleben dieses Staates. Man wünschte sich, die Israelis würden es den Tunesiern und Ägyptern gleich tun, in Massen auf die Straße gehen und eine neue Politik einfordern, die auf echte Verständigung und Frieden mit den arabischen Nachbarn setzt. Nur so kann Israel überleben. Aber danach sieht es zur Zeit leider ganz und gar nicht aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück | Weiter

Start | oben

Mail           Impressum           Haftungsausschluss                Honestly Concerned  + Netzwerk        The "best" of  H. M. Broder            Erhard  arendt art