oo


Das Palästina Portal

Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

Archiv - Themen - LinksFacebook  - Sponsern Sie  -  Aktuelle TermineSuchen

 

Kostenlos  IST nicht
Kostenfrei

Unterstützen Sie
unsere Arbeit

Texte von Arn Strohmeyer

Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

„Auch der Holocaust ist keine Rechtfertigung für Kriegsverbrechen!

 In seinem Buch „Empört Euch!“ übt Stéphane Hessel auch scharfe Kritik an Israels Politik gegenüber den Palästinensern
(Stéphane Hessel: Empört Euch!, Ullstein-Verlag Berlin 2011, 3,99 Euro)

Arn Strohmeyer

 

 

Dieses Buch, das eigentlich gar kein Buch ist, denn es hat ohne Vor- und Nachwort noch nicht einmal 30 Seiten, ist ein Phänomen. Aber es enthält eine geballte Ladung politischen Dynamits. Vielleicht ist es das, was diese kleine Schrift zum Weltbestseller gemacht hat, der jetzt auch in Deutsch vorliegt. Da ruft ein 93jähriger Franzose zur Empörung, ja zum Widerstand gegen den Zustand der Welt und die dafür Verantwortlichen auf. Man kann den immensen Erfolg dieses kleinen Bestsellers nur damit erklären, dass überall auf dem Globus große Unruhe und Unzufriedenheit über den Stand der Dinge herrschen, aber zugleich auch eine Sehnsucht nach radikaler Veränderung und der Realisation von Werten - und um dahin zu kommen, muss man sich aber empören und Widerstand leisten. Hessel hat mit seinem Manifest ganz offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen.

 

Die Botschaft Hessels enthält eigentlich nicht viel Neues - nichts, was andere nicht auch schon gesagt haben. Aber es kommt wohl immer darauf an, zu welchem Zeitpunkt jemand etwas sagt und wer es sagt. Zuerst zu letzterem: Stéphane Hessel ist ein absolut glaubwürdiger Zeitgenosse. Er stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie (geboren 1917). Sein Vater war der Schriftsteller Franz Hessel, seine Mutter ist die Malerin Helen Grund. 1924 zogen die Hessels nach Paris, wo Stéphane auch seinen Ausbildung genoss. 1941 schloss er sich dem französischen Widerstand  unter General Charles de Gaulle  gegen die deutschen Besatzer an. 1944 wurde er verraten und fiel der Gestapo in die Hände. Er überlebte die deutschen Konzentrationslager Buchenwald und Dora. Nach dem Krieg kam er wieder nach Paris, trat in den diplomatischen Dienst ein und wurde Mitglied der Kommission, die die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UNO) ausgearbeitet hat. Diese Erklärung wurde am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen in Paris unterzeichnet. Hessel diente Frankreich als Diplomat auf verschiedenen hohen Positionen - u.a. auch als Botschafter Frankreichs bei den Vereinten Nationen in Genf.

 

Hessel versteht sein kleines Buch als die „erste Stufe einer Rakete, einen Weckruf an das Bewusstsein“. Denn das betont der Autor auf jeder Seite, die meisten Menschen hätten verstanden, dass es nicht so weiter gehen könne. Hessel bezieht das Kompendium der Werte, deren Realisierung er einfordert, aus seiner Zeit bei der Résistance. Auch wenn die Welt sich seitdem gründlich verändert habe, seien sie doch noch unumschränkt gültig - und seien zugleich die Grundlage und der Ausgangspunkt für Empörung und Widerstand: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und die Unantastbarkeit der Menschenwürde und der Menschenrechte.

 

Dies und ähnliches haben andere auch schon gesagt und es steht sogar in manchen Parteiprogrammen. Hessel verbindet seine Forderung nach Empörung und Widerstand mit einer radikalen Kritik des real herrschenden Kapitalismus. Die Macht des Geldes sei noch nie so groß, anmaßend und egoistisch gewesen wie heute. Die Kluft zwischen arm und reich werde immer größer, gleichzeitig werde der Sozialstaat immer mehr abgebaut. Alles sei der Gier „nach immer mehr“- dem „materialistischen Maximierungsdenken“ - unterworfen: „ein Fortschritt als Sturm mit der Kraft der Zerstörung“. Boni-Banker und Gewinnmaximierer kümmerten sich einen Dreck um das Gemeinwohl. Die Reichen beherrschten auch die Medien und steuerten so das öffentliche Bewusstsein. Hessel folgert aus all dem: Nicht nur Frieden und Demokratie seien in Gefahr, der ganze Planet drohe unbewohnbar zu werden.

 

Hessel, der sich - obwohl Atheist - der jüdischen Kultur und der jüdischen Geschichte zutiefst verbunden fühlt, drückt seine große Bewunderung für jüdische Geistesgrößen wie Spinoza, Marx, Freud, Einstein, Heine, Feuchtwanger und Tucholsky aus. Persönlich hält er es aber am meisten mit Jean Paul Sartres Existenzialismus: Wir selbst, allein und absolut, sind für die Welt verantwortlich - ohne Rückhalt, ohne Gott. Und der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel vermittelte ihm den Sinn der Weltgeschichte: Die Freiheit des Menschen schreitet stufenweise voran, bis am Ende der Mensch seine vollständige Freiheit erlang hat und damit der demokratische Staat in seiner idealen Form entstanden ist.

 

Wenn die Einhaltung der Menschenrechte oberstes Gebot ist, wie steht der Jude Hessel dann zu Israel und der Palästina-Frage? Seine klare und eindeutige Antwort ist: Empörung! Sie gründet sich auf einen Aufruf mutiger Israelis aus dem Ausland an den Staat Israel. Da heißt es: „Ihr, die Ihr von uns geboren seid, seht, wohin unsere leitenden Männer und Frauen dieses Land geführt haben, nicht eingedenk der grundlegenden menschlichen Werte des jüdischen Glaubens.“ Hessel gibt dem südafrikanischen Richter Richard Goldstone (selbst Jude) Recht, der einen Bericht über Israels Krieg gegen den Gaza-Streifen (Militäraktion „Gegossenes Blei“ 2008/2009) verfasst hat und Israel Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwirft. Den heutigen Gaza-Streifen nennt Hessel ein „Gefängnis unter freiem Himmel für anderthalb Millionen Menschen“. Er war selbst - privilegiert durch seinen Diplomatenpass - mehrere Male dort und hat die furchtbaren Zerstörungen der Israelis und das Elend der Bewohner mit eigenen Augen gesehen.

 

Hessel, der Mitverfasser der UNO-Menschenrechtscharta, schreibt einen Satz, der allen Verteidigern Israels zu denken geben sollte: „Dass Juden Kriegsverbrechen begehen können, ist unerträglich!“ Für solche Verbrechen gebe es keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung - auch nicht den Holocaust. Er verurteilt aber auch den Raketenbeschuss der Palästinenser aus dem Gaza-Streifen auf Zivilisten in Israel, weil er Terrorismus grundsätzlich für inakzeptabel hält. Aber auf der anderen Seite kann er auch die Situation der von Israel Eingeschlossenen und Belagerten „verstehen“: Ursache des Raketenbeschusses sei die von Israel herbeigeführte verzweifelte Lage der Menschen dort: „In der Verzweiflung ist Gewalt ein bedauerlicher Kurzschluss zur Beendigung einer für die Betroffenen unerträglichen Situation. Aber ist es wirklich realistisch zu erwarten, dass ein mit unendlich überlegenen militärischen Mitteln besetzt gehaltenes Volk gewaltlos reagiert?“ Und er mahnt: „Wer den Terrorismus der Palästinenser verdammt, muss auch nach seinen Ursachen fragen.“

 

Empörung und Widerstand sind also angesagt gegen eine Welt, die aus den Fugen läuft - nicht nur im Nahen Osten. Hessel - ganz Aufklärer - setzt als Mittel gegen die drohende Selbstvernichtung auf den Widerstand, der zuerst aus der Empörung kommt, der dann aber die Reflexion, die politische Problemanalyse folgen muss, daraus muss dann die Anleitung zum Handeln, das Aufzeigen von Wegen aus der Gefahr hervorgehen. Eine solche Aktion des Widerstandes, die aus der Empörung kommt, muss aber - so der Autor - absolut gewaltlos sein und vor allem von der Hoffnung („die Triebkraft der Geschichte“) getragen sein. Kritik und Widerstand sind für diesen humanen Mahner also kein Selbstzweck und haben nichts Zerstörerisches an sich. Ganz im Gegenteil. „Widerstand leisten, heißt: Neues schaffen, Widerstand ist Schöpfung.“

Einem Mahner, der so auf Gewaltlosigkeit bedacht ist, muss es schon merkwürdig aufstoßen, wie die israelische Regierung auf die jeden Freitag stattfindenden gewaltlosen Demonstrationen der Bürger des palästinensischen Dorfes Bil’in gegen den Bau der Mauer mitten durch ihr Land reagiert. Die Regierung in Jerusalem nennt das „gewaltlosen Terrorismus“. Hessel kommentiert das ironisch mit der Bemerkung: „Nicht schlecht!“ , kann aber verstehen, dass die Israelis die Wirksamkeit der Gewaltlosigkeit irritiert und hilflos macht. Aber müssen sie deshalb gleich auf wehrlose Menschen, die nur ihren Protest gegen eine unmenschliche Politik kundtun wollen, schießen? Hessel beantwortet die Frage nicht, aber seine Position ist klar.

Er setzt nicht nur in Palästina auf Gewaltlosigkeit als die einzige moralische Kraft. Er schreibt, wenn es gelinge, dass Unterdrücker und Unterdrückte über das Ende der Unterdrückung verhandeln, werde keine terroristische Gewalt mehr erforderlich sein. Und: Es sei seine Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte „durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld“ werden lösen können. Das klingt natürlich gut, aber da ist der Autor in Bezug auf das Nahost-Problem wohl doch ein bisschen blauäugig. Denn wenn die eine Seite aufgrund ihrer immensen militärischen Überlegenheit der anderen permanent ihr Land wegnimmt und damit die Lebensgrundlage entzieht, ja sogar die indirekte und direkte Vertreibung der Gegenseite betreibt, worüber soll man „in gegenseitigem Verständnis und wachsender Geduld“ dann noch verhandeln?

 

Vielleicht klingt Vieles bei Hessel bisweilen zu einfach angesichts der immensen Probleme, vor denen der gesamte Globus steht. Aber Hessel will gar kein umfassende und vollständige Analyse der Weltsituation geben, aus der sich dann die Lösungen ableiten lassen. Er will aufrütteln und bewusst machen, dass die Menschheit an einer Schwelle angelangt ist, bei der Empörung und Widerstand zur allgemeinen Pflicht werden und Gleichgültigkeit geächtet werden muss. Hessel will Mut machen, die eigene beharrende Lethargie zu überwinden und sich einzumischen: „Wenn man sich über etwas empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen - zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit, wenn auch nicht zur schrankenlosen Freiheit des Fuchses im Hühnerstall.“

 

Nehmen wir diesen hellsichtigen und mutigen Mann beim Wort und empören uns - gerade auch gegen das, was in Palästina geschieht!

 12.2.2011

Zurück | Weiter      Start | oben

 Impressum           Haftungsausschluss        KONTAKT           Datenschutzerklärung             facebook