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Israeltag 2011 in Bremer Schulen war nur ein mäßiger Erfolg für die Veranstalter

Arn Strohmeyer

 

Israel hat - das ist kein großes Geheimnis - Probleme mit seinem Image. Internationale Umfragen der letzten Jahre ergaben immer dasselbe Ergebnis: Israel rangiert mit Staaten wie Iran, Pakistan, Nordkorea und den USA in diesen Ranking-Listen als Schlusslicht. Die Autoren einer BBC-Studie gaben als Grund für diese schlechte Platzierung an, „dass Menschen weltweit dazu neigen, Länder negativ zu sehen, deren Profil von Streben nach militärischer Macht geprägt ist.“ Mit anderen Worten: Israel ist mit seiner aggressiven Politik gegenüber seinen Nachbarn selbst für sein schlechtes Image verantwortlich.

Nun zieht der israelische Staat aus solchen schlechten Nachrichten nicht etwa die Konsequenz, seine Politik zu ändern und endlich mit den Palästinensern einen gerechten Frieden zu schließen (was auch für die Antisemiten in der Welt eine schreckliche Niederlage wäre), sondern es erhöht einfach die Mittel für hasbara (Propaganda) im Ausland, um das miserable Image des Landes zu verbessern. Ido Aharoni vom vom israelischen Außenministerium beschreibt die dabei angewandte Strategie folgendermaßen: Man müsse Israel „anders verkaufen“, weg vom Image eines Landes im Konflikt- und Kriegszustand hin zu einem, das positive Werte und Ideale wie „Bauen der Zukunft“, „vibrierende Verschiedenheit“ und „unternehmerischen Eifer“ darstellt. 2008 beauftrage Israel das britische PR-Unternehmen Acanchi mit der Erarbeitung einer Image-Kampagne in diesem Sinne, die vor allem Israels kulturelle und wissenschaftliche Errungenschaften herausstellen soll.

Nun sollten auch Bremer Schüler in den Genuss der israelischen hasbara kommen. Die israelische Botschaft in Berlin und die Deutsch-Israelische Gesellschaft der Hansestadt hatten unter dem Motto „Israel anders kennenlernen“ in den Räumen des Landesinstituts für Schulen (LIS) einen Seminar-Tag anberaumt, an dem den Schülern ein zufriedenes und heiteres Land von bunter und multikultureller Vielfalt vorgestellt werden sollte - ein Land, in dem es keinen völkerrechtswidrigen Landraub, keine Siedlungen, keine Besatzung, keine Unterdrückung eines ganzen Volkes und keine Trennmauer gibt. Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen und die für Bildung zuständige Senatorin Renate Jürgens-Pieper ordneten die Durchsetzung des Projekts an, Bürgerschaftspräsident Christian Weber (alle SPD) übernahm die Schirmherrschaft. Das Geld für die Veranstaltung kam vom Bremer Senat und der israelischen Botschaft.

Proteste von Bremer Bürgern und Menschenrechtsgruppen gegen einen solchen Propaganda-Tag im Vorfeld blieben unerhört, obwohl diese gute Argumente hatten. Denn für Schulen in Deutschland gilt seit 1976 der Beutelsbacher Konsens, der Propaganda an Schulen verbietet. Die Schüler sollen sich - so heißt es da - durch vielfältige Informationen eine eigene Meinung bilden können. Was aber auch bedeutet, dass man Themen, die in der Öffentlichkeit kontrovers erscheinen, auch kontrovers darstellen muss (Gebot der Kontroversität). Bremens verantwortlichen Bildungspolitikern scheint dieses Konsens-Papier nicht bekannt zu sein.

So fand denn der Israel-Tag am vergangenen Montag statt, aber der Erfolg hielt sich für die Veranstalter in Grenzen. Sie hatten 120 Schüler als Teilnehmer eingeplant. Nach offiziellen Angaben erschienen nur etwa 80, nach inoffizieller Version sollen es nur etwa 60 gewesen sein. Lehrer „bestreikten“ das Projekt offenbar, indem sie nicht mit ihren Klassen im LIS erschienen, sondern nur interessierte Schüler für die Veranstaltung „freistellten“. Von anderen Lehren war zu hören, dass sie das Israel-Seminar in ihren Klassen sehr gut vorbereitet hätten und es auch genauso gut nachbereiten würden.

Während vor dem LIS verschiedene Menschenrechtsgruppen mit Transparenten und Flugblättern gegen Israels Besatzungspolitik, die Propaganda-Veranstaltung und die Nichteinhaltung des Beutelsbacher Konsenses protestierten, konnten die Schüler im LIS den Ausführungen der Referenten gemäß den vom israelischen Außenministerium herausgegebenen Richtlinien folgen. Da gab es Vorträge über die multikulturelle israelische Zivilgesellschaft, die israelische High-Tech-Industrie und das „grüne Israel“. Bei diesem letzten Thema ging es um die großräumige Bepflanzung mit Bäumen, um Wälder zu schaffen. Dagegen wäre ja nichts zu sagen, aber zur Bewaldung braucht man in einer zumeist trockenen Region wie dem Nahen Osten Wasser, sehr viel Wasser und das entnimmt Israel den Wasserressourcen des besetzten palästinensischen Westjordanlandes. Während die Palästinenser bei diesem Lebenselement von Israel auf äußerste Sparration gesetzt werden und für ihr Wasser viel mehr als die Israelis zahlen müssen, werden mit dem palästinensischen Wasser in Israel ganze Wälder angelegt! Hat man die Schüler auf diese absurde Situation hingewiesen?

Der israelische Student Maor Shani von der Bremer Jacobs Universität durfte den Schülern noch „über den Alltag der Jugend in Israel“ berichten: „Von ihrer Freizeit, ihren Träumen, ihrer Musik. Lassen Sie sich in das jugendliche Israel entführen!“ hieß es im Programm. Ob auch die hinter der Mauer weggesperrten palästinensischen Jugendlichen in Bremen einmal von ihren Träumen berichten dürfen?

Es gab aber auf dem Israeltag - wie aus Kreisen der Teilnehmer verlautete - auch zwei kleine Eklats. Die Israelis wollten zu Beginn der Veranstaltung ihre Fahne aufstellen, was die Leitung des Hauses den Vertretern der Botschaft ebenso untersagte wie das Verteilen ihres Propagandamaterials. Immerhin! Und die Verantwortlichen des LIS weigerten sich auch, den Vertretern der Botschaft die Adressen der Schüler auszuhändigen, die man zwecks künftiger „Kontaktpflege“ einforderte.

Die Veranstaltung endete mit einer Podiumsdiskussion zwischen dem israelischen Gesandten Emmanuel Nahshorn und Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Von einer „Diskussion“ kann man sicher gar nicht sprechen, weil die Herren sich natürlich in so gut wie allen Fragen einig sind. Besonders gefreut haben werden sich aber die Israelis über die Antwort von Christian Weber auf die Frage, wie er sich eine Lösung des Nahost-Konflikts vorstelle. Er sagte: „Mit Geduld und Vertrauen!“ Mit anderen Worten: Israel kann weiter in aller Ruhe Fakten schaffen, d.h. Siedlungen auf Land bauen, das ihm nicht gehört, bis aber auch kein Flecken Land mehr frei ist für die Palästinenser, auf dem sie ihren Staat aufbauen könnten. Danke, Herr Präsident, für diese überzeugende Antwort!

 

 


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