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Texte von Arn Strohmeyer

Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 

TRANSLATE

 

Der „Islamische Staat“ verdankt seinen Aufstieg vor allem den politischen Fehlern des Westens

Die italienische Publizistin Loretta Napoleoni hat eine grundlegende Analyse des Phänomens IS vorgelegt/ Parallelen zur Entstehungsgeschichte Israels

Arn Strohmeyer
 

Wie war es möglich, dass eine bewaffnete Organisation, die praktisch vor drei Jahren unbekannt war, heute die mächtigsten Staaten der Welt herausfordert – nicht nur militärisch auf den Kriegsschauplätzen in Syrien und im Irak, sondern auch ideologisch, wobei sie die modernsten Kommunikationsmittel einsetzt? Auf diese Frage sucht die italienische Publizistin Loretta Napoleoni in ihre Buch Die Rückkehr des Kalifen. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens eine Antwort zu geben. Sie schwankt in ihrer Analyse des IS zwischen anerkennender Bewunderung und Ablehnung, verlässt aber nie die Ebene einer rationalen Analyse.

Das Staunen ist angebracht, denn der IS hat in kurzer Zeit ein großes Territorium erobert und darin das Modell eines rudimentären Staates errichtet. Dafür gibt es in der Gegenwart kaum ein anderes Beispiel. Die Autorin nennt als Gründe für den phänomenalen Aufstieg des IS mehrere Gründe. Vor allem aber: Mit der Globalisierung und der Entstehung eines multipolaren Weltsystems haben sich neue Möglichkeiten für jene eröffnet, die die Regeln des in dieser Konstellation veränderten Machtspiels durchschaut haben. Der Sturz Saddam Husseins, die unfähige Politik seines Nachfolgers Maliki, die religiösen Gegensätze zwischen Schiiten und Sunniten in den Griff zu bekommen sowie die gewaltsamen Reaktionen auf den Arabischen Frühling in Syrien hatten ein Machtvakuum geschaffen, das zahlreiche bewaffnete Gruppen nutzten. Aber während sie alle das egoistische Ziel verfolgten, die neu eroberte politische und wirtschaftliche Macht zum Zweck der Ausbeutung der Ressourcen und der Bevölkerung zu nutzen, ging der IS einen anderen Weg. Er verfolgte von Anfang an dasselbe Ziel wie einst die Gründer der europäischen Nationalstaaten, allerdings versteht er unter Nation nicht eine ethnische, sondern eine ethnisch-religiöse Einheit.

Was ihm bei der Realisierung seines Sonderweges vorrangig half, war eine im sunnitischen Islam äußerst attraktive Idee: die Wiedererrichtung des Kalifats. Für Menschen des westlichen Kulturkreises mag die Zugkraft dieser Idee schwer verständlich sein, für Muslime ist sie von großer Faszination. Denn sie verspricht, Schluss zu machen mit der lange währenden Herrschaft, Unterdrückung und Erniedrigung durch den westlichen Kolonialismus und seine Nachfolger. Die modernen arabischen Staaten entstanden erst 1916 durch die sehr willkürlichen Grenzziehungen der Kolonialmächte England und Frankreich (Sykes-Picot Abkommen). Diese Grenzen will der IS auslöschen und den Nahen Osten neu gestalten, wobei die Wiedererrichtung des Kalifats des 7. Jahrhunderts die starke Botschaft ist. Die Autorin schreibt: „Ungeachtet der Gewalt, die der Islamische Staat zur Errichtung dieses Konstrukts anwendet, übt der kosmopolitische und transzendente Charakter des modernen Kalifats auf Sunniten eine ebenso starke Wirkung aus wie die kollektive Erinnerung an das ursprüngliche Kalifat. Während Jahrzehnten predigten Islamisten und islamische Gelehrte, dass die Pracht und der Glanz des Kalifats erneut existieren würden, jener Himmel auf Erden.“ Das Kalifat verspricht Erlösung von den immer noch nicht verarbeiteten traumatischen Erniedrigungen des Kolonialismus und verheißt die Wiedererlangung des Selbstwertgefühls und der eigenen Würde, Erlösung aber auch von den mit dem Westen verbündeten korrupten arabischen Staaten.

Die Autorin erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass andere Staatsgründungen der Moderne sich ähnlich abgespielt haben – etwa die Israels und des Iran. Auch beim Entstehen dieser beiden Staaten spielten die religiös begründete Vergangenheit und ihre Verklärung eine große Rolle, wobei auch die Gewalt –die Nakba in Palästina, die Revolution im Iran – ein probates Mittel waren, um den Anspruch auf vergangene Größe durchzusetzen. Die Gewalt ist dabei – so die Autorin – eine Taktik, die Schrecken verbreiten und den Feind einschüchtern soll, um damit die Asymmetrie des Krieges auszugleichen, indem eine kleine Gruppe gegen eine gut ausgerüstete Armee kämpft – die Zionisten gegen die britische Armee im Palästina der 1940er Jahre und die schiitischen Revolutionäre gegen die persische Armee des Schah 1978/79.

Die Autorin folgert: „Entgegen den Berichten westlicher Medien ist das Kalifat weder brutaler noch barbarischer als andere bewaffnete Organisationen der jüngsten Vergangenheit.“ Das kann keine Rechtfertigung für das brutale Vorgehen des IS sein, es ist aber ein Irrtum zu meinen, dass die westliche Zivilisation weniger gewaltbereit wäre. Man denke nur an die etwa eine Million Tote, die Amerikas völkerrechtswidriger Angriff auf den Irak 2003 zur Folge hatte. An blutigen Beispielen gibt es in der jüngsten Vergangenheit noch viele: Von den deutschen Mega-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg über die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki bis zu den Kriegen in Vietnam, Irak und Afghanistan. Und wenn der IS genozidal gegen die Schiiten vorgeht, die er des Glaubensabfalls beschuldigt, so sei an die Inquisition und ihre Ketzerverbrennungen im christlichen Mittelalter erinnert, die im Namen Gottes vollzogen wurden. Die Autorin schreibt: „In ähnlicher Weise inszeniert das Kalifat heute Enthauptungen und Kreuzigungen.“ Der IS versteht sein brutales Vorgehen als „religiöse Reinigung“, auch dies lässt sich durchaus mit dem fanatischen christlichen Fundamentalismus des Mittelalters vergleichen. Grund zum Hochmut hat das „Abendland“ also nicht.

Wenn der IS mit der Ausübung brutaler Gewalt die Ziele verfolgt, Angst unter seinen Feinden zu verbreiten und potenzielle Anhänger zu bekehren, so ist er damit durchaus erfolgreich. Denn dieses Propaganda-Instrument der Missionierung in den Händen einer siegreichen Armee sowie die Ideologie und Utopie des IS üben unter sunnitischen Muslimen eine globale Anziehungskraft aus, eben die utopische Vorstellung von einem Kalifat-Staat – einer korruptionslosen und unbestechlichen Nation, in der eine Atmosphäre der Brüderlichkeit herrscht und die in perfekter Harmonie mit Gott lebt. Bei der Erschaffung einer solchen politischen Ordnung im Nahen Osten mitzuwirken scheint das Hauptmotiv für junge Muslime (auch aus dem Westen) zu sein, sich diesem „Heiligen Krieg“ anzuschließen.

Die Erfolge des IS sind ernstzunehmen. Nicht nur dass er inzwischen ein Territorium von der Größe Großbritanniens beherrscht, er ist dabei, die Erfordernisse eines modernen Staates zu erfüllen. Neben der Territorialität verfügt er über eine gewissen Souveränität, auch wenn sie bisher nur intern anerkannt wird. Er sorgt in seinem Gebiet für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung nach der Scharia und nimmt die Aufgabe wahr, für die nationale Sicherheit zu sorgen. Er versucht außerdem, einen Konsens mit der beherrschten Bevölkerung herzustellen, um so Legitimität zu erlangen. So bemüht sich der IS um den Wiederaufbau der sozialökonomischen Infrastruktur innerhalb des Kalifats, er baut Straßen und setzt zerstörte Wasser- und Stromleitungen wieder instand, für die Ärmsten erbringt er soziale Leistungen. Seine gut ausgerüstete Armee verfügt über mehr als 100 000 Kämpfer. Seinen Propagandakrieg führt er inzwischen mit den modernsten Mitteln der digitalen Technik und unter der vollen Nutzung der sozialen Medien. Die Lektionen der Propaganda, die anwendet, hat er auch im Westen gelernt.

Dass der IS es so weit gebracht hat, ist vor allem auch der politischen Blindheit des Westens – besonders der USA – geschuldet. Hier müssen vorrangig die Wirtschaftssanktionen genannt werden, die US-Präsident Clinton und der britische Premier Tony Blair über den Irak Saddam Husseins verhängt haben. Sie fanden im Westen wenig Beachtung, führten aber dazu, dass der moderne radikale Salafismus im Irak Fuß fassen konnte. Für die sunnitischen Massen, die unter diesen Sanktionen schwer zu leiden hatten, wurde diese Ausprägung des Islam zu einer Quelle des Trostes. Zudem strömten nach dem Sturz Saddam Husseins immer mehr Glaubenskrieger ins Land. Diese islamistische Radikalisierung in der Zeit der westlichen Wirtschaftssanktionen führte dazu, dass sich ein größerer konfessioneller Bürgerkrieg zusammenbraute, „der das Potenzial hatte, die gesamte muslimische Welt zu destabilisieren.“ (Loretta Napoleoni). Dem Westen war all dies genauso entgangen wie die Zunahme von Rebellen- und Widerstandsgruppen in Syrien. Man deutete die Radikalisierung im Irak und in Syrien lediglich als Erscheinungen des „religiösen Fanatismus“.

Die Antwort auf die Frage, wie der phänomenale Aufstieg des IS möglich war, muss also im Zusammenhang mit dem rasant fortschreitenden Zerfall des Nationalstaates in Syrien und im Irak gesehen werden, wozu der Westen seinen Teil durch seine Kriegspolitik, sein Nicht-Verstehen der Entwicklungen oder sein Engagement auf der falschen Seite beigetragen hat. Es ergaben sich zunächst konfessionelle Fronten, friedliche Proteste entwickelten sich dann zu Bürgerkriegen, die inzwischen längst zu modernen Stellvertreterkriegen geworden sind, die wiederum die reichen Golfstaaten finanzieren, um – wie im Fall Syrien – am Erzfeind Iran Rache zu nehmen, der mit Assad verbündet ist. Der IS profitierte von all dem und wusste die neue Lage geschickt zu seinem Vorteil zu nutzen.

Die Antworten, die die Autorin auf ihre Ausgangsfrage gibt, warum der IS erfolgreicher war als der Arabische Frühling, sind überzeugend. Sie argumentiert, dass der Arabische Frühling und der IS zwei Antworten auf dasselbe Probleme sind: die korrupten Regierungen in den Staaten des Nahen Ostens. Der IS ist dabei mit seiner professionellen und hierarchischen Struktur ein durchaus modernes Phänomen. Sein Projekt der Nationenbildung stellt aus westlicher Sicht die größte Gefahr bzw. Bedrohung dar, weil es die bisherige Staatenordnung des Nahen Ostens abschaffen will. Die Antwort des Westens und seiner Verbündeten, auf den Vormarsch des IS ausschließlich mit Bombardierungen aus der Luft und bald wohl auch mit dem Einsatz von Bodentruppen zu reagieren, hält die Autorin für ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, weil sie die Destabilisierung der Region nicht abwenden werden. Ganz im Gegenteil: Die Politik des Westens scheint dem antiken Hydra-Ungeheuer zu ähneln: je mehr Köpfe man ihm abschlägt desto zahlreicher wachsen sie ihm nach. Selbst bei einem Scheitern des IS sieht die Autorin kein Ende der Gewalt im Nahen Osten, weil dann andere bewaffnete Gruppen mit ähnlicher Zielsetzung an seine Stelle treten werden. Die Autorin folgert: „Das Versäumnis des Westens, sich diesem Problem zu stellen, wird für die Weltordnung verheerende Folgen haben.“ Sie empfiehlt deshalb: „So müssen wir uns der Tatsache stellen, dass es in der Region eine neue Macht gibt und dass der Stellvertreterkrieg sich als Bumerang erweisen wird. Entsprechend müssen wir an diese Macht mit anderen Mitteln als dem Krieg herantreten.“

Auf Israel und das Palästina-Problem geht sie in diesem Zusammenhang nicht ein. Aber man muss in diesem Zusammenhang an eine Kolumne von Uri Avnery erinnern. Er kam zu derselben Schlussfolgerung wie die Autorin: Ideen, und mögen sie uns „Abendländern“ noch so fremd erscheinen, sind immer stärker als Bomben. Er riet den politisch Verantwortlichen in seinem Land, das Faktum IS sehr ernstzunehmen und sehr bald mit den Palästinensern eine auf Dauer angelegte Friedenslösung abzuschließen, andernfalls bestände die Gefahr, dass auch Israel in den Strudel der Destabilisierung des Nahen Ostens mit hineingerissen wird.

Der Islamische Staat wird im Westen fast ausschließlich unter dem Aspekt seiner Gewaltexzesse gesehen, was dem „Abendland“ wiederum die Legitimation zum gewaltsamen Eingreifen verschafft. Loretta Napoleonis Analyse des IS und seiner Politik liefert Fakten und Interpretationen zum besseren Verstehen des Phänomens, sie warnt den Westen vor dem Rückfall in alte politische Fehler und zeigt Ansätze zu einem anderen Umgang mit dem „Kalifat“, die vielleicht eher eine Chance haben, der Gewalt im Nahen Osten Einhalt zu gebieten. Ihre Ausführungen verdienen allergrößte Aufmerksamkeit.

Loretta Napoleoni: Die Rückkehr des Kalifats. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens, Rotpunktverlag Zürich 2015, 18,90 Euro

15.02.2015

 

 

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